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Nordseeküste rüstet sich für Orkan: Tief "Xaver": Wetterlage ähnlich wie bei Sturmflut 1962

Nordseeküste rüstet sich für Orkan : Tief "Xaver": Wetterlage ähnlich wie bei Sturmflut 1962

Sturmböen, Sturmfluten und Schnee – Orkantief "Xaver" braut sich derzeit über Grönland zusammen und soll am Donnerstag Deutschland erreichen. Insbesondere an der Nordseeküste rüstet man sich, denn die Wetterlage ist ähnlich wie bei der schweren Sturmflut von 1962. "Es gibt gewisse Ähnlichkeiten", sagt auch Rüdiger Hartig vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

Sturmböen, Sturmfluten und Schnee — Orkantief "Xaver" braut sich derzeit über Grönland zusammen und soll am Donnerstag Deutschland erreichen. Insbesondere an der Nordseeküste rüstet man sich, denn die Wetterlage ist ähnlich wie bei der schweren Sturmflut von 1962. "Es gibt gewisse Ähnlichkeiten", sagt auch Rüdiger Hartig vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

An die verheerende Sturmflut von 1962 erinnern sich ältere Hamburger noch sehr genau. Es war in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar, als eine riesige Sturmflut auf die norddeutsche Küste traf. Damals starben mehr als 300 Menschen, zigtausende wurden obdachlos. Mit Sturmtief "Xaver" kommt nun eine ähnliche Wetterlage auf Deutschland zu. Ganz so verheerende Auswirkungen wie 1962 wird es aber nicht geben.

Diese Grafik zeigt die vorhergesagte Luftdruckverteilung am Donnerstagabend um 18 Uhr. Etwa zu diesem Zeitpunkt wird der Orkan seinen Höhepunkt erreichen. Das Zentrum von "Xaver" liegt zu diesem Zeitpunkt mit einem Kerndruck von 965 bis 960 hPa (Hektopascal) über Südschweden. Foto: Deutscher Wetterdienst

Denn die Deiche gerade in Hamburg sind inzwischen weitaus höher und fester als damals. "Die Deiche sind wintersicher. Sie werden auch ohne Probleme eine Sturmflut wie 1962 und 1976 überstehen", sagt Dietmar Wienholdt, Abteilungsleiter für Küstenschutz, der Deutschen Presseagentur dpa. Ganz ohne wird "Xaver" aber nicht sein, der Norden muss sich auf Sturmfluten einstellen.

Die Dauer des Orkans erinnert an 1962

"Dass es ein schwerer Sturm wird, das ist gesetzt", sagt denn auch DWD-Meteorologe Rüdiger Hartig vom Seewetteramt in Hamburg. Und er sagt auch, dass es gewisse Ähnlichkeiten zu der Wetterlage von 1962 gebe. "Die Anleger werden sicherlich überflutet, Dächer werden abgedeckt und Bäume umgeknickt", prognostiziert der Meteorologe im Gespräch mit unserer Redaktion.

Warum Experten die Wetterlage um Sturmtief "Xaver" mit der von 1962 vergleichen, kann Hartig schnell erklären. Das habe damit zu tun, wie lange das Tief anhält und wie lange es über die Küstenregionen hinwegzieht. 1962 habe es nicht ganz so hohe Windgeschwindigkeiten gegeben, aber der Sturm habe zwei bis drei Tage angehalten und mehrere Hochwasserzyklen beinhaltet. Das sei nun ähnlich.

Wie schlimm es wirklich wird, das wollen und können die Meteorologen noch nicht vorhersagen, denn schließlich entstehe "Xaver" gerade erst über Grönland. Nach Angaben von Hartig wird aber erwartet, dass am Donnerstag ein Südwestwind über Norddeutschland hinwegfegen wird. Das sei im Vergleich noch recht undramatisch, auch wenn dann bereits Windstärken von 8 und 9 erwartet werden. Donnerstagnachmittag oder -abends käme dann der Nordwestwind, durch den es dann zu Hochwasser kommen könnte — und eben auch zu Sturmfluten. Der Meteorologe betont aber, dass mehrere Faktoren Einfluss darauf haben.

Böen bis zu Stärke 12 erwartet

Laut Hartig würden Böen der Stärke 11 bis 12 erwartet, auf manchen Computersimulationen gebe es auch Hinweise auf Stärken über 12. Das seien aber nur wenige Prognosen, die nun im Verlauf des Orkans immer wieder aktualisiert würden, betont der Experte. Die Windgeschwindigkeiten könnten sich mit Xaver daher durchaus im Rahmen von 140/150 Stundenkilometer bewegen, sagt er.

Das Umweltministerium in Kiel jedenfalls erwartet für die Nacht zu Freitag am Eidersperrwerk, 250 Meter über dem mittleren Tidehochwasser. "Das ist genau die Grenze zu einer schweren Sturmflut", sagte Dietmar Wienholdt vom Küstenschutz der dpa. "Aber erst bei Wasserständen von mehr als 3,5 Metern seien die Deiche in Gefahr."

Auch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie stellt sich auf eine oder mehrere Sturmfluten an der Nordseeküste ein. Nach derzeitigem Stand werde mit etwa 2,5 Metern über dem mittleren Hochwasser gerechnet, dann sei gerade die Grenze zu einer schweren Sturmflut überschritten.

Meteorologen warnen auch vor Unwettern in NRW und der Region in den kommenden Tagen.

mit Material der Nachrichtenagentur dpa

(das)