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#ThaliaBoykott: Twitterer rufen zu Protest gegen Attila Hildmann und Thalia-Boykott auf

Kochbücher weiter im Sortiment : Twitterer rufen zu Protest gegen Attila Hildmann und Thalia-Boykott auf

Attila Hildmann steht unter Beobachtung des Staatsschutzes, der Hintergrund: Vorwürfe des Antisemitismus und der Volksverhetzung. Dennoch verkauft die Buchhandlung Thalia weiterhin seine veganen Kochbücher. Auf Twitter laufen einige Nutzer jetzt dagegen Sturm - doch auch das stößt auf Kritik.

„#Thalia findet die widerlichen Umtriebe von #AttilaHildmann also in Ordnung. Gut, ein Kunde weniger“, schreibt Twitterer Gerhard Torges. „Prima! Bücher kaufe ich eben woanders!“, twittert einer, der sich „NiemalsAfD“ nennt. Oder: „Bis auf weiteres kein Buch mehr von euch. Sehr schade…“ Twitter ist in Aufruhr.

Unter den Hashtags #ThaliaBoykott oder #Attila Hildmann fordern Nutzer, die Buchhandlung zu meiden. Der Grund: Thalia vertreibt weiterhin Attila Hildmanns vegane Kochbücher, obwohl dieser wegen Antisemitismus und Volksverhetzung derzeit heftig kritisiert wird.

Der Staatsschutz hat Hildmann im Visier. Hintergrund sind Vorwürfe des Antisemitismus und der Volksverhetzung. Unter anderem hatte der rechte Verschwörungsideologe in einer Nachricht Adolf Hitler glorifiziert. Dem Ex-Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck drohte Hildmann öffentlich, für ihn die Todesstrafe „durch Eier-Treten auf öffentlichem Platz“ wieder einzuführen, sollte Hildmann „Reichskanzler“ werden – daraufhin zeigte Beck ihn nach eigenen Angaben an. Auch die Polizei Brandenburg bestätigte am Sonntag auf Twitter mehrere Strafanzeigen gegen Hildmann, weil dieser in seinem Telegram-Kanal Kopfgelder auf Personen ausgesetzt haben soll. Eine Strafbarkeit sei bisher durch die Staatsanwaltschaft verneint worden, hieß es. Die Ermittlungen und Auswertung der Hinweise liefen weiter.

Außerdem gilt der vegane Koch als einer der lautesten Verschwörungsideologen in der Corona-Pandemie. Bei einer Demo in Berlin gegen die Corona-Maßnahmen wurde er Anfang Mai kurzzeitig festgenommen. In den sozialen Medien hat er eine enorme Reichweite von mehr als 60.000 Followern auf Instagram sowie beinahe 20.000 auf dem Messenger-Dienst Telegram. Unter anderem dort kritisiert er die Corona-Maßnahmen der Regierung und verbreitet Verschwörungserzählungen. Und er ist längst nicht der einzige deutsche Prominente, der beispielsweise davon erzählt, dass das neue Infektionsschutzgesetz der Bundesregierung ein Ermächtigungsgesetz sei, mit dem mächtige Eliten (allen voran Bill Gates natürlich) den Bürgern Grundrechte entziehen und eine Impfpflicht aufzwingen wollen.

Lesen Sie in unserem #Humbug-Spezial ausführliche Hintergründe zu Verschwörungstheorien.

Die Diskussion um die umstrittene Person Attila Hildmann hat Thalia jedoch bisher nicht dazu bewogen, dessen Bücher aus dem Sortiment zu streichen. Im Gegenteil. Ebenfalls auf Twitter wird eine Antwort auf den Boykott-Aufruf geteilt, in der es heißt: „Gerne haben wir Ihr Anliegen geprüft. Wir sehen aktuell keinen Grund zum Anlass, die Bücher von Herrn Hildmann aus unserem Sortiment zu entfernen.“ Selbstverständlich stehe es den Thalia-Kunden aber frei zu entscheiden, welche Bücher sie bei dem Händler bestellten und welche nicht. Und: „Sollten Sie bei Herrn Hildmann eine strafrechtlich relevante Tätigkeit beobachten, dürfen Sie sich an die Polizei wenden.“

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Ladies and Gentleman.<br>Sollten Sie Kunde bei <a href="https://twitter.com/hashtag/Thalia?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Thalia</a> sein, sollten sie unter Umständen überlegen, sich einen anderen Buchhändler zu suchen.<a href="https://twitter.com/hashtag/AttilaHildmann?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#AttilaHildmann</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/gehtgarnicht?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#gehtgarnicht</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/nonazis?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#nonazis</a> <a href="https://t.co/lvw1VvVRSi">pic.twitter.com/lvw1VvVRSi</a></p>&mdash; dOOmbastic #ZeroCovid (@dOOmbastic) <a href="https://twitter.com/dOOmbastic/status/1284751087287906304?ref_src=twsrc%5Etfw">July 19, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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„Wir distanzieren uns mit allem Nachdruck von einer rechtsradikalen und antisemitischen Weltanschauung, so wie sie u.a. von Herrn Hildmann vertreten wird“, erklärt die Leiterin der Unternehmenskommunikation Thalia, Claudia Bachhausen, auf Anfrage. „Die Diskussion um A. Hildmann sollte jedoch nicht am Kochbuchregal ─ sondern gesamtgesellschaftlich geführt werden.“ Grundsätzlich wolle Thalia als Buchhandlung weder zensieren noch Diskussionen vorwegnehmen, indem Titel, die keinen Anlass für inhaltliche Beanstandungen bieten, aus dem Sortiment genommen würden. Die geringe Anzahl der im Buchhandel und im Online-Shop erhältlichen Exemplare der Hildmann-Kochbücher seien nicht geeignet, um dem Autor eine Bühne zu bieten. Bachhausen schreibt: „Wir beobachten die Diskussion um A. Hildmann und behalten uns vor, die Situation immer wieder neu zu bewerten.“

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Ich bin seit über zwanzig Jahren Buchhändlerin, diese permanenten Rufe nach Boykott und Verboten in der letzten Zeit schockieren mich.<br>Kauft die Bücher einfach nicht und setzt Euch gesellschaftlich für gute Dinge ein, das wäre ein Statement! 👊🏽📚 <a href="https://twitter.com/hashtag/AttillaHildmann?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#AttillaHildmann</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/Thalia?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Thalia</a></p>&mdash; Buchtante 🏳️‍🌈 (@anja_urbschat) <a href="https://twitter.com/anja_urbschat/status/1284924846233788416?ref_src=twsrc%5Etfw">July 19, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Für die Antwort, die derzeit auf Twitter verbreitet wird, erfährt die Buchhandlung im Netz nicht nur Kritik: „Herrliche Antwort von #Thalia auf den brüllenden Zensur-Schrei linker Faschisten“, schreibt einer, der sich „Hartes_Geld“ nennt. „Die überwiegende (schweigende) Mehrheit ist gegen #Bücherverbrennung.“ Eine Anspielung auf die Bücher berühmter Autoren und Wissenschaftler, deren Bücher während der Judenverfolgung vom Hitler-Regime zunächst zensiert, dann öffentlich verbrannt wurden.

Doch es gibt auch gemäßigtere Töne: „Laßt den Schrott einfach im Regal stehen“, empfiehlt etwa „Paxter_ Redwyne“. Und auch eine Buchhändlerin meldet sich zu Wort: „Ich bin seit über zwanzig Jahren Buchhändlerin, diese permanenten Rufe nach Boykott und Verboten in der letzten Zeit schockieren mich“, schreibt Twitterin „Buchtante“ Anja Urbschat. Ihr Credo: „Kauft die Bücher einfach nicht und setzt Euch gesellschaftlich für gute Dinge ein, das wäre ein Statement!“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Attila Hildmann

(vek)