Terror-Prozess in Celle: Kronzeuge gegen Abu Walaa fragwürdig

Terror-Prozess in Celle: Abu Walaas Verteidiger hat Zweifel an Aussagen des Kronzeugen

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Deutschlandchef der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Abu Walaa, hat das Oberlandesgericht Celle die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen überprüft.

Es hinterfragte am Mittwoch Angaben des Mannes sowohl zu Orten als auch zu Personen, die während seiner Zeit beim IS eine Rolle gespielt haben sollen. Auf Luftbildern Syriens sollte er Gebäude und Gegebenheiten aus seinen Schilderungen zuordnen. Nicht immer konnte der Mann präzise Antworten geben. Er hat schwere Vorwürfe gegen Abu Walaa erhoben.

Bei dem Hauptbelastungszeugen handelt es sich um einen Ex-IS-Sympathisanten aus Gelsenkirchen, der sich nach einer Syrien-Reise vom IS lossagte und bei den Fahndern auspackte. Zuvor soll die Gruppe um Abu Walaa seine Ausreise organisiert haben.

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"Sheikh Abu Walaa" sei der einzige Prediger in Deutschland gewesen, der die Ausreise zum IS unterstützt habe, hatte der 23-jährige Deutsch-Türke ausgesagt, der sich inzwischen mit seiner Frau in einem Zeugenschutzprogramm an einem geheimen Ort befindet. Abu Walaas Verteidiger hatte Zweifel an dem Kronzeugen geschürt, von dessen Glaubwürdigkeit der Ausgang des Prozesses maßgeblich abhängt.

Nach der Aussage des Kronzeugen habe das Netzwerk von Abu Walaa vor allem in Hildesheim und dem Ruhrgebiet junge Leute islamistisch radikalisiert und sie zur Ausreise zum IS nach Syrien oder zu Anschlägen hierzulande gedrängt. Die Bundesanwaltschaft hält Abu Walaa für die zentrale Führungsfigur des IS in Deutschland. Der 33-jährige Iraker und vier weitere mutmaßliche Top-Islamisten müssen sich seit Ende September wegen Unterstützung des IS verantworten.

(heif)