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Hamburger zu fast vier Jahren Haft verurteilt: Taxifahrer entführt und verprügelt Frau

Hamburger zu fast vier Jahren Haft verurteilt : Taxifahrer entführt und verprügelt Frau

Ein Taxifahrer hat eine Kundin geschlagen, in den Kofferraum eingesperrt und stundenlang in Todesangst gefangen gehalten: Wegen der Entführung und der weiteren Straftaten hat ihn das Landgericht Hamburg am Freitag zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt. "Es handelt sich hier um eine unvorstellbare und nicht nachvollziehbare Tat mit schwersten psychischen Folgen für die Geschädigte", hieß es in der Urteilsbegründung.

Die 33-jährige Erzieherin war am Morgen des 4. September 2011 ins Taxi des 57-Jährigen gestiegen. Als er einen Umweg fuhr, kam es zum Streit. Plötzlich stoppte der Fahrer, zerrte die Frau aus dem Wagen und schlug sie. Anschließend stieß er sie in den Kofferraum des Taxis. Darin blieb sie bis in die Mittagsstunden gefangen, wurde mehrfach von dem Taxifahrer bedroht und durchlitt Todesangst.
Schließlich wurde sie von der Schwägerin des Fahrers und der Polizei vor dem Wohnhaus des Taxifahrers im schleswig-holsteinischen Hasloh befreit.

Die 33-Jährige leidet seit der Tat an dauerhaften Angstzuständen und hat sich in ihrer Persönlichkeit schwerwiegend verändert. Die ehemals lebenslustige Frau schläft nur noch in einer hell erleuchteten Wohnung, hat Angst, das Haus allein zu verlassen und reagiert schnell überaus gereizt. Diese posttraumatische Störung ist laut ärztlichem Befund chronisch, und es kann demnach Jahre bis zu einer vollständigen Heilung dauern.

Taxifahrer nutzte Vertrauensposition aus

"Über das Motiv für diese Tat können wir nur spekulieren, feststellen ließ sich im Laufe des Prozesses keines", sagte die Richterin bei der Urteilsverkündung. Es bleibe ein Rätsel, ob Frustration über die eigene Lebenssituation und Alkoholsucht oder eventuell auch sexuelle Absichten hinter der Entführung stünden. Auch der Verteidiger konnte sich nach Abschluss des Prozesses das Handeln seines Mandanten nicht erklären.

Die Strafkammer legte zu Lasten des Angeklagen aus, dass er seine Vertrauensstellung als Taxifahrer und sein Fahrzeug als Werkzeug für das Verbrechen genutzt hatte. Sie verurteilte ihn wegen Freiheitsberaubung, vorsätzlicher Verursachung einer schweren Gesundheitsschädigung des Opfers, wegen Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung.

Zugunsten des Angeklagten bewertete die Kammer es, dass er keine Vorstrafen hat und sich bei den Ermittlungen und im Prozess kooperativ zeigte. Außerdem habe er die Tat gestanden und am Ende der Gerichtsverhandlung Reue gezeigt, sagte die Richterin.

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Das Argument der Verteidigung, der Angeklagte sei durch den in der Nacht bis hin zum Morgen dauerhaft konsumierten Alkohol nicht voll schuldfähig, ließ das Gericht nur teilweise gelten. Erst gegen 07.00 Uhr morgens soll der 57-Jährige einen Promillewert erreicht haben, durch den eine verringerte Schuldfähigkeit nicht mehr auszuschließen wäre.

Mit dem Urteil entsprach das Gericht dem am Donnerstag von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß. Der Anwalt des Opfers hatte als Nebenklagevertreter auf mindestens vier Jahre Gefängnisaufenthalt und zudem noch den Entzug der Fahrerlaubnis plädiert. Die Verteidigung hatte ein Strafmaß von unter drei Jahren Haft angesetzt. Gegen das Urteil kann binnen einer Woche Revision eingelegt werden.

(APD)