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Comeback der alten Autokennzeichen: Tausende in NRW nehmen Altkennzeichen ernst

Comeback der alten Autokennzeichen : Tausende in NRW nehmen Altkennzeichen ernst

Wer immer noch meint, Autokennzeichen seien nur ein seelenloses Stück Blech, der sollte mal nach Soest gucken. Das alte Autokennzeichen LP kommt mit Macht zurück, LP wie Lippstadt.

Früher hatten alle Autos das Kennzeichen der Kreisstadt LP. Dann kam die kommunale Neugliederung und Lippstadt verlor beides: das Kennzeichen und den Kreisstadt-Status - an das viel kleinere Soest.
Vielen Lippstädtern tut das heute noch weh. Das Comeback von LP ist mehr als ein Verwaltungsakt.

Es ist auch kein Schildbürgerstreich, wie der Deutsche Landkreistag einmal meinte: Tausende von Menschen in NRW haben seit November 2012 neue Nummernschilder mit alten Regionalkürzeln, die bei Gebietsreformen weggefallen waren. 14 von 40 alten Kürzeln im Land sind wieder aktiv. Und es kommen wohl noch welche dazu, wie jetzt vielleicht auch Monschau (MON).

Für Professor Ralf Bochert ist die Resonanz nicht verwunderlich. In einem Projekt der Fachhochschule Heilbronn wurden in über 200 Städten 50.000 Menschen befragt, ob sie die Altkennzeichen wiederhaben wollen. NRW liegt mit einer Zustimmung von 75 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Kennzeichen bedeutet Heimatgefühl

"Das Kennzeichen ist so etwas wie ein Wappen oder eine Fahne für eine Stadt", meint Bochert. Es sei mit Heimatgefühl verbunden. Der Anspruch auf ein Kennzeichen sei auch eine Frage von Größe: Moers, Lünen, Witten, Wattenscheid, Wanne-Eickel, Gladbeck und Castrop-Rauxel - vor allem Ruhrgebietsstädte mit 70.000 bis 100.000 Einwohnern hätten ihre Altkennzeichen gerne zurück. "Das gehört sich doch, dass eine Stadt mit 100.000 Einwohnern ein eigenes Kennzeichen bekommt", haben die Menschen dort oft gesagt.

Während das Ruhrgebiet nach außen als Einheit auftrete, gebe es nach innen eine starke Abgrenzung voneinander. "Wir sind nicht Recklinghausen", hat Bochert sich früher ganz oft in Castrop-Rauxel (CAS) angehört. Mit Wattenscheid (WAT) und Wanne-Eickel (WAN) hätten sogar zwei Stadtteile eigene Kennzeichen bekommen.

Trotzdem, auch in den kleinen Städten wie Schleiden in der Eifel gibt es gute Argumente. Auf Druck von Oldtimer- und Treckerfreunden mit 1100 Unterschriften entschied der Kreistag in Euskirchen im zweiten Anlauf für das alte Regionalküzel SLE. Schleiden hat gerade einmal 13.000 Einwohner.

Tausende alte Regionalkürzel sind an Autos angebracht, tausende reserviert. Im Kreis Borken stehen 10.000 Wunschkennzeichen auf der Liste für Ahaus (AH) und Bocholt (BOH). Bocholt traf in den 70er Jahren das gleiche Schicksal wie Lippstadt: Mit der kommunalen Neugliederung wurde das kleinere Borken plötzlich bedeutende Kreisstadt. Nostalgie allein als Begründung reiche nicht, meint Stadtsprecher Carsten Terstegen.

Viele junge Menschen sprechen sich für die Altkennzeichen aus. Das ist auch landesweit zu sehen: Bei der Befragung stimmte jeder Vierte der 16 bis 30 Jährigen für die Altkennzeichen. Höher war die Zustimmung mit knapp 80 Prozent nur bei den über 60-Jährigen.

Das Bild auf den Straßen in den betroffenen Städten wird sich wandeln, meint Bochert. Durch die großen Städte war der kurzfristige Effekt in NRW am größten. Aber in den nächsten Jahren werde sich noch viel tun, wenn die Leute neue Autos kauften und ohnehin ein neues Kennzeichen brauchten.

(lnw/felt)