Tag der Nachbarn: Das sind Anekdoten der RP-Redakteure

Ordnungsfanatiker, Nudisten, Parkplatz-Diebe : Ach, die lieben Nachbarn ...

Wer kann nicht eine lustige, skurrile oder ärgerliche Begebenheit mit einem seiner Nachbarn erzählen. Zum Tag der Nachbarn haben wir in der Redaktion einige Anekdoten zusammengetragen. Das ist dabei herausgekommen.

Kochen, essen, schlafen - und alles nackt

In Hamburg ragen Wohnungen oft so in den Hinterhof, dass direkt nebenan die Fenster zur Nachbarwohnung im Nebenhaus sind. Auf Augenhöhe. Glücklicherweise eine Etage tiefer wohnte dieser eine Nachbar, der in seiner Wohnung einfach nie Kleidung trug. Er kochte, sah fern, aß, schlaf auf der Couch - und das alles nackt, bei offenen Fenstern. Ein unbewusster Blickfang für mich als Nachbarin schräg drüber oder meine Gäste. Für meine Nachbarin und Ex-Kollegin darunter war es vielmehr belästigend. Zumal der ältere Herr nicht nur unansehnlich war, sondern auch gern in verbotenen Nazi-Posen oder mit Drohgebärden grüßte. Wäre das nicht so bedrohlich gewesen, sie hätte nicht die Polizei gerufen - wir hätten vielmehr nur über den Wäscheständer auf dem Balkon gelacht. Ohne Kleidung natürlich.

Ordnung muss sein

Ich hatte mal einen Nachbarn, der hat regelmäßig die Müllsäcke der anderen Nachbarn durchsucht. Wenn der Müll nicht in der richtigen Tonne war, hat er einem den geöffneten Müllsack vor die Wohnungstür gelegt, mit einem Zettel: „Bitte korrekt sortieren, Papier gehört nicht in den Restmüll“.

Treppenhaus-Licht kostet auch Geld

Wenn mein Nachbar bei sich im Wohnzimmer auf der Couch sitzt, sieht er quer über den Flur die Wohnungstür und den Türspion. Wenn es abends dunkel ist, kann er das Licht vom Treppenhaus im Türspion sehen. Wenn jedoch mehrmals das Licht kurz hintereinander im Türspion zu sehen war, beispielsweise weil andere Nachbarn im Treppenhaus gequatscht haben und mehrfach den Lichtschalter betätigt haben, ist er raus gelaufen und hat gefragt: „Muss das denn wirklich sein?“.

Der laute Sohn

Wir wohnen in einem schönen kleinen Reihenhaus. Dort gibt es immer zwei Häuser beinahe Tür-an-Tür. Vier Häuser weiter wohnt eine Familie mit einem Sohn, der vielleicht Anfang 20 ist. Manchmal hört man die Mutter ihren Sohn anbrüllen, wenn man an ihrem Haus vorbeigeht. Manchmal hört man den Sohn zurückbrüllen. Eine andere Reaktion auf die Schuldzuweisungen der Mutter ist es, einfach mal die Musik ganz laut aufzudrehen, sodass sich alle Nachbarn, die nicht arbeiten sind, erschrecken. Seitdem der Sohnemann einen Job hat, hat sich die Lage allerdings beruhigt.

Der Parkplatz-Dieb

Gegenüber wohnt eine Familie mit zwei Kindern, die beide in einer anderen Stadt leben, studieren oder was auch immer tun. Die Parkplatz-Situation vor unserem Haus ist ohnehin schon schwierig, und besagter Nachbar hat eigene Parkplätze direkt vor der Haustür. An den Wochenenden, wenn seine Kinder nach Hause kommen, stellt sich der „Parkplatz-Dieb“, wie wir ihn nennen, stets vor unser Haus und blockiert einen Parkplatz. Das kann schon mal das ganze Wochenende dauern, bis er wieder weg fährt, schließlich müssen seine Kinder ja auch irgendwo parken.

Ein Kreuz als Geschenk

Damals wohnte unter meiner WG ein altes, türkisches Ehepaar. Sie grüßten immer nett, auch wenn man die Frau mit Kopftuch selten sah, weil sie kranke Beine hatte und viel im Bett lag. Der Mann fing hin und wieder im Treppenhaus ein Gespräch auf gebrochenem Deutsch mit uns an. Eines Tages im Sommer klopfte es an unserer Tür. Davor stand der alte Herr und hielt ein hölzernes Kreuz, etwa 30 Zentimeter groß und zum Hinstellen, in der Hand. Irgendwie erklärte er uns, dass er es aus dem Müll gefischt oder vom Sperrmüll gerettet habe. Strahlend sagte er, dass es bei uns besser aufgehoben sei. Wir dankten etwas perplex, verschwiegen, dass wir mit Religion nicht viel am Hut hatten – aber freuten uns wahnsinnig über die Geste.

Der Wink mit dem Putzeimer

Ich wohnte gerade zwei Wochen in dem Mehrfamilienhaus in Leipzig, als eines Morgens ein Putzeimer vor meiner Tür stand. Zuerst dachte ich, dass die Nachbarin ihn dort vergessen haben musste, und stellte ihn vor ihre Tür (ihre und meine Wohnung waren auf derselben Etage). Abends stand der Eimer aber wieder vor meiner Tür, und da fiel mir ein, dass der Flur abwechselnd von den Mietern geputzt wurde - offenbar war ich jetzt an der Reihe. Das hatte ich vergessen. Bisher musste ich aber auch nicht daran denken: In anderen Häusern hatten die Vermieter damit Reinigungsfirmen beauftragt und die Kosten auf die Mieter umgelegt. Hier nicht. Also putzte ich am nächsten Tag den Flur, und abends war der Eimer verschwunden. Die Nachbarin sollte ihn aber noch einige Male vor meine Tür stellen - jedes Mal, wenn ich meiner Pflicht aus ihrer Sicht nicht schnell genug nachgekommen bin. Also etwa alle zwei Wochen.

Der „Wanderzirkus“

Kinder sind was Tolles – vor allem die eigenen. Mein Mann und ich haben (noch) keine, hatten aber ein Jahr lang große Freude an denen der Nachbarn. Eigentlich eine tragische Geschichte: Die fünfköpfige Familie mit drei Kindern im Vorschulalter hatte aus ihrer kleinen Dreizimmerwohnung unter uns ausziehen wollen, in ein eigenes Häuschen im Grünen. Leider lief irgendetwas schief, und der Umzug musste verschoben werden – erst um ein halbes Jahr, dann um ein ganzes. Obdach suchte die Familie in der Wohnung über uns – einer Anderthalbzimmer-Dachgeschosswohnung. Ich war nie drin, aber die Schlafecke der Kinder muss sich ziemlich genau über unserem Schlafzimmer befunden haben. Wir freuten uns des Abends über das Getrappel vieler kleiner Füße und des Morgens am musikalischen (naja) Talent eines der Kinder, dem jemand eine Blockflöte geschenkt hatte, auf der es mit religiöser Inbrunst jeden Samstag gegen 6.30 Uhr übte. Wenn wir dann gerade wieder eingeschlafen waren, begann der Auszug dessen, was mein Mann gerne als den „Wanderzirkus“ bezeichnete: Vater und/oder Mutter führten ihre drei Kinder die Treppe hinab, wohl auf dem Weg zum Einkaufen, zum Spielplatz oder zu etwas, was Familien samstagvormittags halt so machen. Wer jemals gehört hat, welche Geräusche ein Vierjähriger macht, der eine eng gewundene Treppe heruntersteigen muss, deren Stufen ungefähr halb so hoch sind wie der kleine Mensch, weiß, was Kopfkino ist. Der gesamte Vorbeimarsch dauerte in der Regel eine Viertel- bis halbe Stunde, mal mit, mal ohne Nervenzusammenbruch von Eltern und/oder Kindern.

Die Geschichte nahm vermutlich ein glückliches Ende, jedenfalls wurde das Haus irgendwann bezugsbereit und die Familie verließ uns. Manchmal denke ich noch an sie. Besonders dann, wenn ich selbst morgens die Stufen zu unserer Wohnung hochkeuche und mich frage, ob hinter den Wohnungstüren der anderen vielleicht gerade jemand versucht zu schlafen.

(RP)
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