1. Panorama
  2. Deutschland

Suche nach Flüchtigem in Oppenau: Polizei holt Hilfe bei Experten

Wegen Volksverhetzung vorbestraft : Jetzt helfen Survival-Experten der Polizei bei der Suche in Oppenau

Vier Tage nachdem ein 31-Jähriger in Oppenau am Schwarzwald mehrere Polizisten entwaffnet hat und geflohen ist, fehlt weiterhin jede Spur. Die Beamten holen sich bei der Suche nun Unterstützung von Überlebensexperten und Psychologen. Der „Waffennarr“ ist als Jugendlicher wegen Volksverhetzung verurteilt worden.

Bei ihrer bisher erfolglosen Suche nach dem geflüchteten Mann im Schwarzwald setzt die Polizei jetzt auch auf die Hilfe von Überlebensexperten, Polizeipsychologen und ortskundigen Förstern. Insbesondere die Psychologen sollen sich in den 31-Jährigen hineinversetzen, um Anhaltspunkte zu seinem Verbleib zu bekommen, wie Polizeisprecher Yannik Hilger sagte. Der Gesuchte kennt sich nach Einschätzung der Einsatzkräfte gut in dem unwegsamen Gelände aus.

Der Gesuchte von Oppenau in Baden-Württemberg ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft als Jugendlicher unter anderem wegen Volksverhetzung verurteilt worden. Außerdem sei während eines Aufenthalts im Jugendwerk eine rechtsradikale Gesinnung zum Ausdruck gekommen, unter anderem durch Verwendung von Hakenkreuzen und SS-Symbolen sowie judenfeindliche Äußerungen. Die Jugendstrafe von acht Monaten mit Bewährung wurde nach einer Phase erlassen, in der er sich nichts hatte zuschulden kommen lassen. Danach habe es keine weiteren Ermittlungsverfahren wegen politisch motivierter Straftaten mehr gegeben. 2010 ist der Mann wegen schwerer Körperverletzung zu einer dreieinhalbjährigen Jugendstrafe verurteilt worden. Er hatte mit einer Armbrust auf eine Bekannte geschossen.

Am Sonntag hatte der Mann vier Polizeibeamte entwaffnet, bevor er in den Wald geflohen war. Nach wie vor sind zwischen 200 und 300 Polizisten an der Suche beteiligt. Mehr als 270 Hinweise zu möglichen Aufenthaltsorten des Gesuchten aus Oppenau sind mittlerweile eingegangen - Höhlen, alte Bunkeranlagen und verlassene Gebäude wurden daraufhin durchsucht.

Ein gefundenes „Manifest“ stammt nach Einschätzung der Polizei aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vom 31-Jährigen. Es gebe viele Hinweise, dass der Text über die Kritik an der Technisierung des Lebens und das einfache Leben im Wald nicht von ihm geschrieben worden sei. Das Schreiben ist laut Hilger derzeit für die Ermittlungen ohne Bedeutung.

(juw/dpa)