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Orkantief "Andrea" - das Protokoll des Tages: Sturm fordert Tote in Bayern und Belgien

Orkantief "Andrea" - das Protokoll des Tages : Sturm fordert Tote in Bayern und Belgien

Orkantief Andrea färbte den ganzen Tag hindurch die Unwetter-Warnkarte des Deutschen Wetterdienstes tiefrot. Während größere Schäden in den Landesteilen ausblieben, starben doch zwei Menschen. Wir haben die Ereignisse des Tages für Sie zusammengefasst.

+++ 18.58: Eine Kirche in Wald im Allgäu ist am Donnerstagabend nach einem Gewitter in Brand geraten. Der rund 60 Meter hohe Glockenturm stand in Flammen und drohte einzustürzen, wie die Polizei in Kempten berichtete. Auch Gebäude in der Umgebung der Kirche waren in Gefahr. Feuerwehrleute kämpften gegen die Flammen an. Ursache für den Brand war nach Einschätzung der Polizei möglicherweise ein Wintergewitter.

+++ 18.06: Der Schiffsverkehr ist auf Mosel und Saar wegen Hochwassers streckenweise eingestellt worden. Auf der Mosel zwischen der luxemburgischen Grenze und Trier dürfen seit dem frühen Donnerstagnachmittag keine Schiffe mehr fahren, wie ein Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamts Bingen sagte. In Trier war die entscheidende Marke von 6,95 Meter übersprungen.

+++ 17.31: Auf dem Feldberg im Schwarzwald wurden Orkanböen mit Spitzengeschwindigkeiten von 176 Kilometern pro Stunde gemessen. In Rheinland-Pfalz wurde ein Auto mit fünf Insassen von einer Böe in den Straßengraben geweht.

+++ 17.16: Der DWD berichtet, dass auf den Gipfeln der Alpen Windgeschwindigkeiten bis zu 180 Stundenkilometern herrschen.

+++ 16.54: Im Westen Deutschlands hat sich das Wetter etwas beruhigt. Für das östliche Nordrhein-Westfalen sowie die Mitte Deutschlands gilt allerdings laut Unwetterzentrale nach wie vor noch Warnstufe Rot. Für den Abend rechnen die Experten allerdings noch mit Sturmfluten an der Nordseeküste.

+++ 16.29: Ein 64-jähriger Belgier ist durch das Unwetter ums Leben gekommen. Der Mann wurde im flämischen Roosdaal bei Brüssel von einer etwa fünf Meter hohen Tür erschlagen, berichtete die Nachrichtenagentur Belga. Bei den Unwettern im ganzen Land gab es zudem mehrere Verletzte. Der Wind fegte mit mehr als 100 Kilometern pro Stunde über das Land. Häuser wurden abgedeckt, Bäume stürzten um, überflutete Straßen waren unpassierbar.

+++ 16.26: In Bremen ist ein Baum auf ein Taxi gestürzt. Der Fahrer konnte sich bei dem Unglück am Donnerstagnachmittag auf den Beifahrersitz retten, berichtete die Polizei. Der Mann wurde an der Schulter verletzt.

+++ 16.19: Ein Regionalzug ist bei Reken im Münsterland gegen einen vom Sturm entwurzelten Baum gefahren und entgleist. Vier Fahrgäste und der Triebwagenführer (43) kamen mit dem Schrecken davon. Wie ein Sprecher der Bundespolizei mitteilte, prallte der Zug am Donnerstagmorgen in der Dämmerung gegen den Baum auf der eingleisigen Strecke. "Er hatte zum Glück noch keine volle Fahrt aufgenommen." Die Bahn war etwa mit Tempo 70 unterwegs. Dennoch kam der Triebwagen der Nordwestbahn erst nach 200 Metern zum Stehen.

+++ 15.46: Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie hat am Donnerstagnachmittag erneut vor einer Sturmflut gewarnt. Wie die Behörde auf ihrer Internetseite mitteilte, ist das Nachthochwasser an der gesamten Nordseeküste 1,50 bis 2,00 Meter über dem mittleren Hochwasser zu erwarten. Ab der Marke von 1,50 Meter wird von einer Sturmflut gesprochen und tritt die Unterelbe zwischen der Mündung bei Cuxhaven und Hamburg vielfach über die Ufer.

+++ 15.29:Die Sperrung der Emmericher Rheinbrücke ist aufgehoben.

+++ 14.48: Wie erst jetzt bekannt wurde, hat der Orkan in der Nacht in Bayern offenbar schon ein Todesopfer gefordert: Im oberfränkischen Weißenstadt starb eine 43 Jahre alte Autofahrerin nach einem Frontalzusammenstoß. Schwere Böen könnten schuld an den Unfällen sein.

+++ 14.10: Die stürmischen Winde des Orkantiefs "Andrea" kommen vom Nordatlantik, sein Name stammt allerdings aus Sprockhövel in Nordrhein-Westfalen. Zu den knapp 26.000 Einwohnern des Städtchens zwischen Bochum und Wuppertal zählt die 34-jährige Andrea Stefan. Nach Angaben des Instituts für Meteorologie der Freien Universität Berlin ließ ihr Freund den Orkan nach der Hausfrau und Mutter benennen - als stürmische Liebesgabe zum neuen Jahr. Seit 2002 können Privatleute Vornamen für Tiefs und Hochs "buchen". Die Wetter-Patenschaft ist aber nicht ganz billig: Die Taufe eines Tiefs kostet 199 Euro, ein Hoch schlägt sogar mit 299 Euro zu Buche.

+++ 13.47: In Remscheid wurde der Rathausplatz gesperrt. Weil Gefahr durch Sturmschäden droht, darf auch die Eisbahn nicht genutzt werden, die Büdchen bleiben geschlossen. Am Vormittag lösten sich durch starke Böen Schieferplatten auf dem Dach der Rathauses. "Es ist ein Loch entstanden, weitere Platten lösen sich und segeln wie Blätter durch die Luft", berichtet Andreas Meike vom Stadtmarketing.

+++ 13.26: Sturmtief "Andrea" hat laut Meteorologen einen Temperatursturz mit sich gebracht. Der Wind habe von Südwest auf Nordwest gedreht, so dass Polarluft nach Deutschland fließen konnte, sagte Helmut Malewski vom Deutschen Wetterdienst. Am Morgen waren in Frankfurt noch gut acht Grad gemessen worden, am Mittag nur noch vier Grad. Auf den Bergen schneite es bei minus einem bis plus zwei Grad.

+++ 13.01: Nachdem sich zwei Unfälle ereigneten, wird aus Sicherheitsgründen und zur Vermeidung weiterer Verkehrsunfälle die Emmericher Rheinbrücke gesperrt. Die Sturmböen waren dort offenbar so heftig, dass innerhalb der letzten Stunde gleich zwei Anhänger umgeweht wurden. In einem Fall handelte es sich sogar um einen beladenen Anhänger. Personen kamen dabei nicht zu Schaden. Wie lange die Vollsperrung der B220 andauert, ist unklar. Die Verkehrsteilnehmer werden daher gebeten, bis auf weiteres zur Querung des Rheins die Rheinbrücken in Rees oder Wesel zu benutzen.

+++ 12.53: Die Unwetterwarnungen für den Nordwesten, die Mitte und den Nordosten Deutschlands wurden inzwischen aufgehoben. "Das Gröbste ist jetzt durch", sagte eine DWD-Meteorologin in Essen. Dennoch sind auch in diesen Regionen weiterhin schwere Sturmböen zu erwarten. Das Tief sollte bis zum Abend über Deutschland hinweggezogen sein.

+++ 12.27: Jetzt bereitet sich Norddeutschland auf die Nachwirkungen des Unwetters vor. Die Polizei in Hamburg forderte die Bürger auf, die niedrig gelegenen Bereiche des Hafens und des Elbufers zu räumen. Das Mittagshochwasser wurde um 13.00 Uhr erwartet. Auch das Nachthochwasser sollte eine Sturmflut bringen.

+++ 12.03: Wegen "Andrea" musste die Duisburger Feuerwehr von Mittwochnacht bis Donnerstagvormittag insgesamt fünfmal ausrücken. In vier Fällen waren Bäume auf die Straße gestürzt, wie die Feuerwehr mitteilte.

+++ 11.45: Nach den starken Regenfällen steigt der Pegel des Rheins langsam an. "Inzwischen ist die Hochwassermarke eins erreicht", sagte der Leiter der Hochwasserschutzzentrale in Köln, Reinhard Vogt. "Es gibt erste Einschränkungen für die Schifffahrt." Schiffe dürften nur noch in der Strommitte fahren. Erste Stege seien gebaut und tiefer gelegene Park- und Campingplätze gesperrt worden. Zurzeit stehe der Pegel bei 6,25 Metern, am Samstag werde er 7,50 Meter erreichen.

+++ 11.34: In Düsseldorf rückte die Feuerwehr zu insgesamt 13 Einsätzen aus. An der Witzelstraße stürzte ein Baum um und beschädigte mehrere Autos. Nahe des Flinger Broichs fiel eine Tanne auf eine Oberleitung der Deutschen Bahn und begann zu brennen. An der Straße "Am Hellerhof" schlug der Blitz ein. Verletzt wurde niemand.

+++ 11.28: Ein 27-jähriger Viersener ist in der Nacht bei einem witterungsbedingten Unfall in Dülken leicht verletzt worden. Sein Auto war wegen des Sturmtiefs von der Straße geweht worden.

+++ 11.09: Auch den Deutschen Meister Borussia Dortmund hat "Andrea" getroffen. Der Flug des BVB nach Murcia in Spanien startete eine Stunde verspätet.

+++ 10.57: Die Polizei hat inzwischen bekannt gegeben, dass Einsatzkräfte allein in Nordrhein-Westfalen zwischen Mitternacht und 6.00 Uhr morgens zu insgesamt 153 witterungsbedingten Einsätzen ausrücken. Zwei Menschen wurden nach Angaben des Landesamtes für zentrale polizeiliche Dienste in NRW bei Verkehrsunfällen verletzt.

+++ 10.35: Nach den heftigen Niederschlägen steigt in Bayern die Gefahr von Lawinenabgängen. In weiten Teilen der bayerischen Alpen wurde sie mit der dritten von fünf Warnstufen als "erheblich" eingestuft, wie der Lawinenwarndienst in München mitteilte. Kleinere und mittlere Lawinen könnten sich selbst auslösen, vereinzelt sei dies auch bei größeren möglich. Zudem warnten die Experten vor einem weiteren Anstieg der Gefahr in den kommenden Tagen durch Neuschnee und Wind.

+++ 10.17: In Düsseldorf haben sich inzwischen die ersten Sonnenstrahlen durch die noch dunkle Wolkendecke geschoben.

+++ 10.06: "Bis zum Abend ist der Spuk in den meisten Teilen Deutschlands vorbei. Im Laufe der Nacht wird langsam eine Beruhigung einkehren", sagte Malewsk weiter. In den kommenden Tagen bleibe es aber windig, und in den Niederungen werde es weitere Regenfälle geben. "Vor allem in den Alpen wird es eine ganze Menge Schnee geben, in den Niederungen erwarte ich keinen Schnee."

+++ 10.00: "Die Hauptaktivität von "Andrea" erwarten wir im Nordwesten Deutschlands im Laufe des Vormittags", sagte Meteorologe Helmut Malewsk. Das Sturmtief ziehe nach Südosten, die stärksten Böen erreichten die Mitte Deutschlands in der Mittagszeit und den Süden am Nachmittag. Im Schwarzwald werden Böen von bis zu 170 Kilometern pro Stunde erwartet. "Auch im Flachland erwarten wir durchaus Böen, die bei 120 Kilometern pro Stunde liegen", betonte Malewski.

+++ 9.50: Im Rheinland und im Ruhrgebiet ist es inzwischen ruhiger geworden. Der Sturm hat etwas abgenommen. Es nieselt noch etwas aus der aufreißenden Wolkendecke.

+++ 9.45: In Köln wurde von starken Hagelfällen berichtet. In Ehrenfeld gab es zwischenteitlich Eisregen, der in ein starkes Gewitter überging. Derzeit hat sich die Situation etwas beruhigt.

+++ 9.22: In der Witzelstraße in Düsseldorf ist ein Baum auf zwei Fahrzeuge gestürzt. Die Feuerwehr ist gerade mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Die Straße ist derzeit nur einspurig befahrbar.

+++ 9.06: Es scheint nicht so richtig hell werden zu wollen. Unsere Leser berichten auf Facebook vom "Weltuntergang". "Sturmböen, heftiger Regen, Blitz und Donner und tiefe Nacht", schreibt eine Leserin aus Haan.

+++ 8.59: Auch in Rheinland-Pfalz sorgte "Andrea" für erste Schäden. Vor allem auf dem Hunsrück und in der Eifel wurden nach Polizeiangaben mehrere Landstraßen wegen umgeknickter Bäume gesperrt. Größere Unfälle gab es aber zunächst nicht. "Wir rechnen damit, dass es nicht so schlimm wird - müssen aber noch abwarten", sagte ein Sprecher des Lagezentrums der Polizei in Mainz. Der Flugverkehr am Flughafen Hahn wurde durch den Sturm nicht beeinträchtigt. "Es läuft alles planmäßig", berichtete ein Sprecher des Hunsrück-Airports.

+++ 8.45: In Hessen und Rheinland-Pfalz hat "Andrea" erste Schäden angerichtet. Betroffen waren vor allem Mittel- und Osthessen. Bei Hünfeld in der Nähe von Fulda wurde ein Sattelzug von einer Orkanböe erfasst und umgeworfen, wie die Polizei in Fulda mitteilte. Im Vogelsberg raste ein Autofahrer in einen umgestürzten Baum. Menschen wurden aber nicht verletzt. In Mittelhessen mussten nach Angaben des Lagezentrums der Polizei in Wiesbaden mehrere Landstraßen wegen umgestürzter Bäume gesperrt werden.

+++ 8.27: Jetzt zucken über Düsseldorf die ersten Blitze.

+++ 8.15: In anderen Teilen NRWs zeigten sich die Feuerwehren überrascht über die wenigen wetterbedingten Einsätze: "Ich habe mich auch gewundert", stellte ein Feuerwehrsprecher in Düsseldorf fest. Nur zu einem kleineren Einsatz hätte die Feuerwehr dort ausrücken müssen. In Dortmund musste die Feuerwehr zweimal abgerissene Äste von der Straße räumen, berichtete ein Sprecher. Ein Feuerwehrsprecher in Köln sprach von "keinen besonderen Vorkommnissen" in seinem Einsatzgebiet.

+++ 7.56: Die ersten witterungsbedingten Einsätze gab es für die Feuerwehren in Dülmen und Bielefeld. Umgefallene Bäume trafen in Dülmen ein Taxi, in Bielefeld einen Strommasten. Schwerverletzte oder hohen Sachschäden gab es bis zum Morgen nicht. "Wir hatten wesentlich mehr erwartet bei den Wetterprognosen", sagte ein Polizeisprecher in Olpe. Ein Sprecher der Polizei in Detmold bilanzierte: "Andrea ist bei uns noch nicht aufgetreten."

+++ 7.45: Bisher ist die Lage noch relativ ruhig. Auf den Straßen gibt es kleinere Behinderungen. So werden etwa in NRW zehn Staus gemeldet. Auch die Deutsche Bahn meldet noch kaum Verspätungen.

+++ 7.29: In Nordrhein-Westfalen war die Bundesstraße 224 am Kreuz Essen Nord seit Mittwochabend gesperrt, weil Bäume umstürzten und weitere vorsorglich abgesägt wurden. Auch in Hessen, weiten Teilen des Nordens und Thüringen knickten Bäume um und wurden von Straßenarbeitern oder Feuerwehrleuten beseitigt. In Hamburg stand Wasser auf mehreren Straßen und wurde von der Feuerwehr abgeleitet.

+++ 7.22: Der Deutsche Wetterdienst hat für große Teile des Landes Unwetterwarnungen herausgegeben. Im Süden Bayerns wird sogar vor extremen Unwettern gewarnt.

+++ 7.15: In der Nacht und am frühen Donnerstagmorgen hat es kaum größere Schäden gegeben. Das sagten Sprecher von Feuerwehr und den Lagezentren der Länder.

+++ 7.10: Insgesamt blieb die Lage in der Nacht zum Donnerstag bundesweit unerwartet ruhig. "Wir warten noch auf den großen Sturm", sagte ein Sprecher der Polizei in Bremen. "Ulli hat uns gestern mehr beschäftigt." Auch in Nordrhein-Westfalen, wo "Andrea" besonders wüten sollte, blieb es nach Polizeiangaben zunächst ruhig.

+++ 6.59: Köln bereitet sich bereits auf das erste Hochwasser des Jahres vor. Wegen des erwarteten kräftigen Regens werde der Pegelstand des Rheins weiter steigen, sagte der Leiter der Hochwasserschutzzentrale, Reinhard Vogt. Von Donnerstag an werde es deshalb wohl erste Einschränkungen für die Schifffahrt geben. Nach Angaben der Polizei in Köln bestand am frühen Donnerstagmorgen jedoch noch keine Gefahr.

(felt)