Studie: Schulen tun zu wenig gegen sexuellen Missbrauch

Studie des Deutschen Jugendinstituts : Schulen tun zu wenig gegen sexuellen Missbrauch

Nur 13 Prozent der Schulen in Deutschland verfügen über ein umfassendes Schutzkonzepte gegen sexuelle Gewalt an Kindern. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung fordert mehr Geld für Prävention.

Die Schulen in Deutschland leisten zu wenig Präventionsarbeit gegen sexuelle Gewalt. Das geht aus einer Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) hervor, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Für die Studie hat das DJI rund 5000 Einrichtungen danach gefragt, wie sie ihre Bemühungen gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen selbst einschätzen. Grundlage dafür ist das Schutzkonzept, das ein Runder Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch“ 2011 verabschiedet hatte.

Nur 13 Prozent der befragten Schulen gaben an, dass sie dieses Konzept umfassend umgesetzt hätten. Bei Kitas (22 Prozent), Internaten (28 Prozent) und Heimen (33 Prozent) lagen die Werte deutlich höher. Seit der letzten Befragung 2013 haben sich die Zahlen zudem in allen Einrichtungsbereichen deutlich verbessert. Außer in den Schulen. Dort gaben schon damals lediglich 13 Prozent an, über ein umfassendes Schutzkonzept zu verfügen.

„Es ist bedenklich, dass gerade in Schulen, in denen wir alle Kinder erreichen können, die Umsetzung von Schutzkonzepten so wenig fortgeschritten ist“, sagte der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes Wilhelm Rörig. Er forderte die Kultusministerien auf, die Mittel für die Prävention deutlich aufzustocken. „Wir brauchen in Deutschland kinderschutzfreundliche Finanzminister“, sagte Rörig. Auch sollten die Schulen gesetzlich dazu verpflichtet werden, Schulkonzepte gegen sexuelle Gewalt einzuführen.

Ilka Hoffmann, die bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für den Bereich „Schule“ zuständig ist, sieht das anders. „Es bringt nichts, Schulen nur zu etwas zu verpflichten, wenn sie nicht wissen, an wen sie sich im Ernstfall wenden können“, sagte Hoffmann unserer Redaktion. Stattdessen fordert sie kompetente Ansprechpartner, an die sich die Lehrer im Missbrauchs-Verdacht wenden können. „Nur mit einem Schutzkonzept passiert nicht viel“, sagte Hoffmann. „Wir brauchen unabhängige Beratungs- und Fortbildungsangebote.“ Auch NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) möchte die Schulen weiter stärken. „Gerade beim Thema Missbrauch ist es wichtig, dass wir die Schulen in die Lage versetzen, Hinweisen und Verdachtsfällen schnell nachzugehen“, sagte sie unserer Redaktion. Zudem verwies Gebauer auf den Aktionsplan gegen Gewalt und Diskriminierung an Schulen, den sie bereits im Mai vorgestellt hatte. „Wir wollen Schulen noch besser bei ihrer Präventionsarbeit gegen jegliche Form von Gewalt unterstützen“, betonte Gebauer.

Das in der DJI-Studie abgefragt Schutzkonzept gegen sexuellen Kindesmissbrauch umfasst insgesamt zehn Elemente wie „Leitbild“, „Fortbildungen“ und „Präventionsangebote“. Es soll von all denjenigen umgesetzt werden, die in ihrer Arbeit mit Kinder und Jugendlichen zu tun haben. Von Schulen und Kitas, aber auch von Vereinen oder kirchlichen Trägern. Auch der Umsetzungsstand wurde mit der Studie geprüft. Zwei Drittel der Schulen haben demnach erst höchstens sieben der neun für ihren Bereich relevanten Elemente umgesetzt.

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