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Mutmaßlicher Drahtzieher der Duisburger Mafia-Morde: Strangio hatte Haare blond gefärbt

Mutmaßlicher Drahtzieher der Duisburger Mafia-Morde : Strangio hatte Haare blond gefärbt

Duisburg (RP). Der Polizei ist ein schwerer Schlag gegen die kalabrische Mafia gelungen. Ein Spzialeinsatzkommando der niederländischen Polizei verhaftete am Donnerstag in Amsterdam Giovanni Strangio (30). Er gilt als mutmaßlicher Haupttäter der Mafia-Morde von Duisburg, bei dem am 15. August 2007 in der Nähe des Restaurants "da Bruno" sechs Italiener im Alter zwischen 16 und 39 Jahren erschossen worden waren.

Neben Strangio wurde auch sein Schwager Francesco Romeo (43) festgenommen. Er hatte zusammen mit Strangio, dessen Frau (23) und ihrem gemeinsamen zweijährigen Sohn in einer Fünf-Zimmer-Wohnung eines Sieben-Familienhauses in einer gutbürgerlichen Gegend in Amsterdam-Diemen gelebt. Deutschte, italienische und niederländische Strafverfolgungsbehörden waren Strangio schon seit längerem auf den Fersen, erklärte gestern Holger Haufmann, Chefermittler und Leitender Kriminaldirektor der Polizei in Duisburg. "Für uns ist das ein guter Tag", so Haufmann.

In der Wohnung fanden die Ermittler eine ganze Reihe gefälschter Papiere und Pässe, eine Apparatur zur Fälschung sowie mehr als eine Million Euro. Außerdem fand die Polizei eine Schusswaffe. Ob es eine der Tatwaffen ist, steht noch nicht fest. Haufmann wies darauf hin, dass es sich nicht allein um einen Erfolg der Duisburger Polizei und der Staatsanwaltschaft gehandelt habe.

Der Fahndungserfolg sei vor allem auf die gute Zusammenarbeit der Behörden in Italien, der "Nationalen Recherche" in Holland und dem Bundeskriminalamt zurückzuführen. Auf die Spur des flüchtigen Giovanni Strangio waren die Fahnder gekommen, nachdem seine drei Schwestern aus Italien nach Amsterdam gereist waren. Obwohl die Beamten bereits am 2. März Francesco Romeo in Amsterdam aufgespürt hatten, wurde er trotz der Haftbefehle aus Deutschland und Italien nicht festgenommen.

Die Ermittler hofften, über ihn auch seinen Schwager Giovanni Strangio ausfindig machen zu können - mit Erfolg: Als sich der 30-Jährige kurz auf die Straße traute, wurde er von Zielfahndern fotografiert. Strangio, der früher kurze dunkle Haare hatte, wurde trotz längerer, blondierter Haare und einer Baseballkappe erkannt. Als sich die Einsatzkräfte sicher waren, dass alle vier Bewohner in der Wohnung waren, erfolgte gegen 23.10 Uhr am Donnerstag der Zugriff.

Der Duisburger Oberstaatsanwalt Detlef Nowotsch möchte Strangio in Duisburg vor Gericht stellen. Ein entsprechendes Auslieferungsersuchen sei in Vorbereitung, erklärte er gestern. Allerdings gebe es auch einen solchen Antrag aus Italien, wo Strangio wegen verschiedener Delikte und Mitgliedschaft bei der Mafia ein Haftbefehl erlassen wurde. Es liege nun an den Holländern zu entscheiden, wohin Strangio ausgeliefert werde. Seine Frau und sein Sohn befinden sich auf freiem Fuß.

Ob Strangio tatsächlich zu den Todesschützen des 15. August 2007 gehört ist wahrscheinlich, aber noch nicht abschließend geklärt. Der schwarze Renault Clio, aus dem geschossen worden war, wurde in Gent gefunden. Obwohl der Wagen mit einem Microfasertuch gründlich gereinigt worden war, fanden Spezialisten der Polizei dort Schmauchspuren und verwertbare DNA. Wie Heinz Sprenger, Leiter der Duisburger Mordkommission berichtete, steht zumindest zweifelsfrei fest, dass Strangio den Wagen gefahren haben muss.

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Eine weitere DNA-Spur im Wagen konnte bisher noch nicht zugeordnet werden. Sie könnte von Guiseppe Nirta, einem andern Schwager Stragios, stammen. Der wurde bereits vor einigen Monaten in Amsterdam festgenommen und nach Italien ausgeliefert.

Noch immer haben die deutschen Behörden von ihm keine DNA-Analyse erhalten. Hintergrund der Morde von Duisburg ist vermutlich eine Familienfehde verfeindeter Clans aus San Luca in Kalabrien. Unter den Opfern war damals auch der 25-jährige Marco Marmo, der bereits im Jahr 2006 eine Verwandte Strangios in San Luca erschossen haben soll.