Anzeige wegen Beihilfe zum Missbrauch: Strafverfahren gegen Erzbischof Zollitsch eingeleitet

Anzeige wegen Beihilfe zum Missbrauch: Strafverfahren gegen Erzbischof Zollitsch eingeleitet

Freiburg (RPO). Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch ist wegen des Vorwurfs der Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Kindern angezeigt worden. Zollitsch, so der Vorwurf, habe als früherer Personalreferent der Erzdiözese 1987 die Anstellung eines Paters in einer Gemeinde am Bodensee veranlasst, obwohl bekannt gewesen sei, dass es durch den Mann bereits früher zu sexuellen Übergriffen gekommen sei.

Das Erzbistum betonte am Mittwoch, Zollitsch habe von den der Anzeige zugrundeliegenden Vorwürfen aus den 1960er Jahren erst 2006 erfahren und dann rasch gehandelt. Es geht offenbar um einen Zisterzienserpater, der zur österreichischen Abtei Mehrerau gehört. Teil der Abtei, die ebenso wie die Wallfahrts- und Klosterkirche einem Abt untersteht und vom Erzbistum Freiburg unabhängig ist, ist auch das Priorat Birnau am Bodensee.

Die Staatsanwaltschaft Freiburg, bei der die Anzeige eingegangen war, leitete diese nach eigenen Angaben an die Staatsanwaltschaft Konstanz mit der Bitte um Übernahme weiter. Der Konstanzer Oberstaatsanwalt Christoph Hettenbach erklärte auf Anfrage, dass keine Akten eingegangen seien und deshalb das Übernahmegesuch nicht habe bearbeitet werden können. Anzeigenerstatter ist ein mutmaßliches Opfer, das in den 1960er Jahren von dem Pater missbraucht worden sein soll. Hettenbach bestätigte zugleich, dass in seiner Behörde ein Verfahren gegen den Pater anhängig sei. Zum Stand dieser Ermittlungen wollte er sich nicht äußern, da die Akten derzeit bei der Polizei seien.

Das Magazin "Report Mainz" hatte am Mittwoch über den Fall berichtet. Das Erzbistum nannte die Vorwürfe "sensationsheischend". Das Ordinariat habe bereits in den vergangenen Monaten deutlich gemacht, dass es nach Bekanntwerden des Vorwurfs den Zisterzienserorden eingeschaltet und auf die zu ziehenden Konsequenzen hingewiesen habe. Zudem habe Zollitsch 1987 keinesfalls eine erneute Anstellung des Paters veranlasst. Der heutige Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz habe also weder von den Vorwürfen aus den 1960er Jahren noch von einem erneuten Einsatz des Paters gewusst.

Die Anzeige gegen Zollitsch wurde nach Informationen des Erzbistums Journalisten zugeleitet. Dahinter stehe die "erkennbare Absicht, mit dem sensationsheischend formulierten Vorwurf der 'Beihilfe zum sexuellen Missbrauch' gegen einen Erzbischof Medieninteresse zu provozieren", so das Erzbistum.

(apd/csi)
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