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Steinmeier würdigt Elisabeth Selbert als Ikone der Gleichberechtigung

Festakt zu 125. Geburtstag : Steinmeier würdigt Elisabeth Selbert als Ikone der Gleichberechtigung

Bei den Feierlichkeiten wurde auch eine Bronzestatue der Juristin enthüllt, die zukünftig in ihrer Heimatstadt Kassel stehen soll. Selbert ist eine der „Mütter des Grundgesetzes“, die 1948/1949 an der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland mitarbeitete.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Juristin und Sozialdemokratin Elisabeth Selbert als Ikone der Gleichberechtigung, der Frauenrechte und des demokratischen Engagements von Frauen in der Politik gewürdigt. Bei einem Festakt zu Selberts 125. Geburtstag weihte Steinmeier am Dienstag in der Alten Brüderkirche in Kassel eine Bronzestatue der Kasselerin ein. Die Skulptur der Künstlerin Karin Bohrmann wird den Angaben zufolge künftig auf dem Ständeplatz ihrer Heimatstadt stehen.

Selbert, die am 22. September 1896 geboren wurde, ist eine der „Mütter des Grundgesetzes“, die 1948/1949 im Parlamentarischen Rat in Bonn an der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland mitarbeitete. Mit Frieda Nadig (SPD), Helene Weber (CDU) und Helene Wessel (Zentrum) war sie eine von vier Frauen, die dem Rat neben 61 Männern angehörten. Selbert kämpfte im Alleingang dafür, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau im Grundgesetz verankert wurde.

Steinmeier sagte, Selbert habe einen großen Auftrag hinterlassen: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Dieser Satz verpflichte bis heute, alles dafür zu tun, dass Männer und Frauen nicht nur auf dem Papier, sondern im wirklichen Leben gleiche Rechte und Chancen hätten. Die Erinnerung an Selbert mache aber auch bewusst: „Was einmal errungen ist, ist deshalb nicht unumkehrbar“, sagte der Bundespräsident.

Seit Langem sei der Anteil von Frauen in manchen Parlamenten erstmals wieder zurückgegangen. „Es muss uns aufschrecken, wenn Frauen, die politische Verantwortung tragen oder für ein Amt oder Mandat kandidieren, heute in unserem Land beschimpft, beleidigt und bedroht werden“, sagte Steinmeier. Politikerinnen berichteten, dass ihnen tagtäglich sexualisierter Hass und frauenfeindliche Hetze entgegenschlügen, vor allem im Netz: „Solcher Hass ist unerträglich. Wir dürfen ihn nicht ertragen und nicht hinnehmen.“

Viel sei erreicht worden auf dem Weg zur Gleichstellung der Geschlechter, aber vieles bleibe zu tun, sagte Steinmeier: „Das große Ziel, für das Elisabeth Selbert ihr Leben lang gekämpft hat, die rechtliche und tatsächliche Gleichstellung auf allen Gebieten, dieses Ziel bleibt Orientierung für die Gesellschaft und Auftrag für die Politik.“ Vor dem Festakt besuchte der Bundespräsident das Archiv der deutschen Frauenbewegung in Kassel, das Selberts Nachlass verwaltet. Selbert war am 9. Juni 1986 in Kassel gestorben.

(lils/epd)