Statistik zeigt: Immer mehr vernachlässigte Kinder in Deutschland

Statistik zum Tag der Kinderrechte : Zahl der vernachlässigten Kinder in Deutschland stark gestiegen

Die Zahl der in Deutschland durch Gewalt und Vernachlässigung bedrohten Kinder hat sich deutlich erhöht. Im vergangenen Jahr stellten die Jugendämter eine Kindeswohlgefährdung bei 50.400 Kindern und Jugendlichen fest.

Das teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. Dies waren zehn Prozent mehr als im Jahr davor. Im gleichen Zeitraum sank demnach aber die Zahl der von Armut und sozialer Ausgrenzung bedrohten Kinder. 2018 seien noch 2,4 Millionen Kinder und Jugendliche dadurch gefährdet gewesen, sechs Prozent weniger als im Jahr 2017.

In rund 6200 Fällen nahmen die Jugendämter den Angaben zufolge Kinder oder Jugendliche aufgrund von Misshandlungen vorübergehend in Obhut, in 6.000 Fällen wegen Vernachlässigungen und in 840 Fällen aufgrund von sexueller Gewalt. Weil eine Gefährdung des Kindeswohls anders nicht abzuwenden war, ordneten die Familiengerichte 2018 zudem in rund 7500 Fällen einen vollständigen und in weiteren 8.500 Fällen einen teilweisen Entzug der elterlichen Sorge an.

Insgesamt 95.000 Kinder oder Jugendliche waren 2018 in einem Heim untergebracht, wie es weiter hieß. Weitere 81.400 lebten in einer Pflegefamilie, darunter 28 Prozent in Verwandten- und 72 Prozent in Fremdpflege. Von rund 3700 Adoptionen wurde der Großteil (61 Prozent) von Stiefeltern vorgenommen. In 171 Fällen (fünf Prozent) handelte es sich um eine internationale Adoption.

Wie aus der Statistik hervorgeht, konnten sich wieder mehr Familien eine einwöchige Urlaubsreise leisten. Während 2017 noch 15,5 Prozent der Haushalte mit Kindern angaben, dass ein Urlaub finanziell nicht machbar sei, waren es 2018 noch 13,4 Prozent der Familien.

Die Statistiker trugen die Zahlen zum internationalen Tag der Kinderrechte am Mittwoch zusammen. In Deutschland lebten demnach im vergangenen Jahr 13,6 Millionen Minderjährige.

(cka/AFP/epd)