Stammzellenspende: Australier lädt Retterin zur Hochzeitsfeier ein

Neues Leben nach Stammzellenspende : Australier lädt Düsseldorfer Retterin zur Hochzeitsfeier ein

2009 spendete Sina Hünervogt Stammzellen und rettete damit Chad Serpless das Leben. Der 34-Jährige lud die Düsseldorferin jetzt nach Melbourne ein. Gemeinsam feierten sie seine Hochzeit.

Vor mittlerweile zehn Jahren bekam Chad Serpless die Diagnose: Leukämie. In seiner Familie gab es keinen passenden Spender, deshalb musste weltweit gesucht werden. Gefunden wurde die Düsseldorferin Sina Hünervogt. Beide wollten sich unbedingt kennenlernen und so reiste die 39-Jährige nach Down Under.

2008 ließ sich Sina bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren, als ein guter Freund von ihr Stammzellen spendete und so einem Familienvater helfen konnte. Die DKMS speichert unter anderem potenzielle Stammzellenspender in einer Datei, den Blutkrebs zu besiegen ist die Vision. Bereits ein Jahr nach ihrer Registrierung wurde die Düsseldorferin selbst zur Spenderin. „Die Chance zu bekommen, jemandem zu helfen, hat mich sehr glücklich gemacht“, sagt sie.

2009 spendete die Düsseldorferin Chad Serpless ihre Stammzellen und rette damit sein Leben. Foto: DKMS

Chad war zu dem Zeitpunkt bereits Patient in einer australischen Klinik. In seiner Familie kam niemand als Spender infrage, daher suchte das Krankenhaus schließlich in ganz Australien nach passenden Stammzellen. Auch diese Suche verlief ins Leere. „Dann wird weltweit geschaut. Man muss als Empfänger aber nicht registriert sein, um gefunden zu werden“, sagt Julia Runge, Sprecherin der DKMS.

Sina wollte immer wissen, wer der Mensch ist, der ihre Stammzellen erhielt. Deshalb hat die Justiziarin auch alles unternommen, um mit ihrem Mann zu Chads Hochzeit nach Melbourne zu fliegen. Chad hatte sie eingeladen. „Es passiert sehr häufig, dass beide, Spender und Empfänger neugierig sind“, sagt Runge. Aber nicht in allen Ländern sei ein Treffen auch möglich: „Einige Länder wollen es so anonym halten wie beispielsweise auch die Organspende.“ Manchmal wolle aber auch der Spender nicht im Mittelpunkt stehen oder der Empfänger mit der Krankheit abschließen.

Außerdem gebe es leider nicht immer ein „Happy End“. „Etwa 50 Prozent der Empfänger überleben nach der Transplantation“, sagt Runge. Ein Überleben sei von verschiedenen Faktoren abhängig. „Zum Beispiel, ob das Immunsystem die gespendeten Zellen annimmt. Auch die jeweilige Krankheit, die körperliche Konstitution und das Alter sind ausschlaggebend.“

Bei Chad und Sina gab es ein Happy End, wie die DKMS jetzt veröffentlichte. Das erste Mal sahen sich beide in einem Café. „Die Verbindung war gleich da, und es gab viele Themen, über die wir sprachen, als würde man sich schon lange kennen“, sagt Sina. Als Ehrengäste auf Chads Hochzeit saßen die Düsseldorferin und ihr Mann am Elterntisch. Chads Vater betonte in seiner Rede, dass es diese Hochzeit ohne Sina vielleicht nie gegeben hätte. Immer wieder bedankten sich die Gäste bei der Düsseldorferin. „Wir haben viele tolle Menschen kennengelernt und Freunde dazu gewonnen“, sagt Sina.

Das Thema „Stammzellenspende“ war auf der Feier immer präsent, viele von Chads Freunden ließen sich anschließend registrieren, um so helfen zu können. Für Chad und Sina ist es ein großes Anliegen, die Möglichkeit der Stammzellenspende weltweit bekannter zu machen. „Es ist wenig, was man gibt, und viel, das man bewirken kann – erst recht, wenn man an die eigenen Kinder denkt. Für Betroffene bricht oft eine Welt zusammen, wenn sie erfahren, dass ihnen nur eine Stammzellspende helfen kann. Daher ist jede Unterstützung wirklich wichtig“, betont Sina. Auch in Sinas Bekanntenkreis ließen sich viele registrieren, zwei Kolleginnen aus ihrem Amt haben bereits gespendet.

Eine Woche verbrachten Chad und Sina zusammen. Auch wenn sie viele tausend Kilometer trennen, fühlen sie sich eng verbunden. Ein nächstes Treffen steht noch nicht fest, könnte aber durchaus in Europa stattfinden. „Sina und ihren Mann als unsere besonderen Gäste bei der Hochzeit zu haben, war eine absolute Ehre. Aber der größte Segen ist jetzt, sie meine Freunde nennen zu können”, sagt Chad.

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