So kam es zum PR-Desaster für "Lego" wegen Thomas Panke, dem "Held der Steine"

Lego gegen „Held der Steine“ : Ein völlig unnötiges Desaster für Lego

Anwalts-Post von Lego hat der Youtuber "Held der Steine" wohl nicht aufgrund seiner kritischen Haltung bekommen. Der Lego-Konzern, der im Shitstorm steht, hat aber davor und danach Fehler gemacht. Eine Analyse.

Thomas Panke hat sich wirklich Zeit gelassen. Am 9. Januar bekam der Youtuber (“Held der Steine“) und Lego-Fachhändler Post vom Anwalt. Inhalt: Die dringende Bitte um Löschung seines Logos, das er als Marke hatte eintragen lassen – im Gegensatz zu vielen anderen Fan-Medien mit sehr ähnlichen Logos. Doch dem Reflex, sofort die Kamera anzuschmeißen und einen Shitstorm heraufzubeschwören, widerstand der 38-Jährige.

Erst am 20. Januar veröffentlichte er ein ruhig gehaltenes Video - das aber dennoch zu einem Shitstorm führte. Das liegt aber vor allem an der ungeschickten Reaktion von Lego. Die blieb nämlich zunächst komplett aus. Erst am Dienstagnachmittag, rund 48 Stunden nach Beginn des Shitstorms, folgte eine Art Standard-Antwort ohne echten Bezug zum Vorfall - der übrigens nach Pankes eigener Einschätzung letztlich eine Lappalie ist.

Der „Held der Steine“ hatte zunächst ungläubig nachgefragt, ob das wenig höfliche Schreiben tatsächlich von der Firma stamme, der er mit seinen populären Test-Videos seit Jahren mutmaßlich Millionenumsätze verschafft - und die sich zuvor nie bei ihm gemeldet hatte.

Vermutlich liegt das daran, dass Panke ein kritischer Geist ist und in seinen Videos gern über die Entscheidungen der "Füchse" im Management des Weltkonzerns herzieht. Vielleicht ist die Existenz des Frankfurters (170.000 Abonnenten, 35 Mio. Video-Abrufe) dem Konzern auch überhaupt nicht bekannt – aber das wäre erstens noch peinlicher und erscheint zweitens auch wenig wahrscheinlich. Denn immerhin 20 der 17.500 Lego-Angestellten kümmern sich einer Sprecherin zufolge ausschließlich um die Aktivitäten erwachsener Fans.

Zur Sache: Dass Lego versucht, seine Marke zu schützen, ist absolut nachvollziehbar. Wie Lukas Kurth bei stonewars.de sauber aufschlüsselt, ähnelt Pankes "Marke" (der Schriftzug "Held der Steine" in einem stilisierten Legostein) zwar nicht dem eigentlichen Lego-Logo - sehr wohl aber der 3D-Darstellung eines typischen Bausteins. Und diese hatte sich Lego hat beim Deutschen Patent- und Markenamt schützen lassen.

Offenbar Stein des Anstoßes: Das bisherige Logo des Youtubers Thomas Panke (rechts) und eine vom Lego-Konzern eingetragene "Marke" links. Foto: Screenshot: DPMA.de

Panke sagt zwar im RP-Interview, dass er optimistisch sei, einen potenziellen Rechtsstreit gewinnen zu können - vor allem aber moniert er die Art und Weise des Vorgehens: „Ich bin mir absolut sicher, dass wir das am Telefon schnell hätten klären können. Der Anwalt hätte sogar bei mir vorbeikommen können. Die Kanzlei sitzt nur eine Minute von meinem Lädchen entfernt.“

Lego hat Panke keine (im Zweifel kostenpflichtige) Abmahnung im engeren Sinne geschickt, aber dennoch schlecht kommuniziert. Panke erklärte seine Sicht der Dinge erst anderthalb Wochen nach dem Vorfall - mehr als genug Zeit für den Konzern, eine Reaktion vorzubereiten. Sauberer wäre indes gewesen, hätte Panke in seinem ansonsten souveränen Video zugestanden, dass die von Lego monierte „Verwechslungsgefahr“ zwischen dem Weltkonzern und seiner Ein-Mann-Klitsche nicht so fadenscheinig ist, wie sie vielen Fans scheint. Denn wie aus einer weiteren Markenanmeldung ersichtlich, hatte er geplant, Produkte mit seinem Logo zu verkaufen, Kaffeetassen etwa oder Kleidung. Aber wie auch immer dem sei: Panke hat sein Logo geändert; alles könnte in bester Ordnung sein.

Doch seit Sonntagmittag steht Lego im Shitstorm - ausgehend nicht zuletzt von der höchstwahrscheinlich falschen Annahme, der Konzern gehe Panke aufgrund seiner kritischen Haltung an. Der „Held der Steine“ selbst glaubt das nicht. „Dahinter steckt keine Boshaftigkeit von Lego – bloß Dusseligkeit“, sagt er, und: „Ich glaube nicht an eine Einschüchterungskampagne.“ Komplett ausschließen könne er das aber auch nicht, ergänzt er am Dienstagnachmittag, ehrlich ratlos. „Lego hat mir ja keine Fragen beantwortet, sondern lediglich die Echtheit des Schreibens bestätigt.“ Und überhaupt: „Ich wundere mich, dass Lego offenbar im 19. Jahrhundert lebt - und nicht ganz einfach seine Version der Geschichte kommuniziert, damit sich alle ein komplettes Bild machen können.“

In seiner ersten Reaktion überhaupt schrieb Lego am Montagabend an die RP-Redaktion sowie am frühen Dienstagnachmittag auch bei Facebook einen Text voller genereller Ausführungen ohne konkreten Bezug zum Vorfall. Darin heißt es: „Wir haben lange daran gearbeitet, dass Kinder und Eltern unsere Marke eindeutig wiedererkennen. Daher nehmen wir den Schutz unserer Markenrechte sehr ernst und wollen sicherstellen, dass Dritte keine Zeichen zur Eintragung bringen, die die LEGO-Marke verwässern könnten, da dies aus unserer Sicht bei Zeichen mit einer Ähnlichkeit zu unseren Marken der Fall wäre. Bitte habt Verständnis, dass wir zu möglichen juristischen Sachverhalten darüber hinaus keine Aussagen treffen können. Wir sprechen uns klar für eine freie Meinungsäußerung aus, und respektieren daher selbstverständlich auch kritische Stimmen, die für uns genauso wertvoll sind wie positive Rückmeldungen zu unseren Produkten.“

Panke sagt, er empfinde keine Häme für den Konzern, dem er neben Arroganz auch Qualitätsmängel etwa bei transparenten Teilen vorwirft - aber auch kein Mitleid. Er verfolge den „doch ziemlich zivilisierten“ Shitstorm amüsiert: „Für mich ist das kein Drama.“ Morgen poste er wieder ein normales Video, und dann sei die Sache erledigt.