Motto "Null Toleranz gegen Null Toleranz": So feiert Köln den CSD

Motto "Null Toleranz gegen Null Toleranz": So feiert Köln den CSD

Köln (RPO). 20.000 Teilnehmer und mehrere Hunderttausend Zuschauer haben beim Kölner Christopher Street Day gegen Intoleranz und Diskrimierung angefeiert. Trotz des ungewohnt politischen Mottos stand der Umzug der schwul-lesbischen Bewegung wie in den Vorjahren auch für Spaß, Flirt und schrille Outfits

Bei sommerlichen Temperaturen wurden Zuschauern und Teilnehmern mit harten Disco-Klängen und schrillen Trillerpfeifen eingeheizt. Es regnete Lollis, Flyer und Kondome von den Wagen, während großkalibrige Wasserpistolen für nur wenig Abkühlung sorgten.

Mit dem Motto "Null Toleranz für null Toleranz" gab sich der Kölner CSD politischer als in den Vorjahren. Man habe das Thema "bewusst provozierend und kämpferisch gewählt", teilte der Kölner Lesben- und Schwulentag (KLuST) vorab mit: "Wir haben das Gefühl, dass in einigen Teilen der Gesellschaft auch nicht gerade zimperlich mit unserer Minderheit umgegangen wird. Wir wollen klar machen, dass wir keine Opfer sind".

Viel zu lange schon verhindere die Politik gleiche Rechte für Lesben und Schwule und behandelt sie als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse, kritisierte auch Axel Hochrein vom Lesben- und Schwulenverband (LSVD).

Doch neben den politischen Botschaften stand am Sonntag das Feiern des schwullesbischen Selbstbewusstseins im Vordergrund. Hörbehinderte Homosexuelle waren in dem Umzug ebenso präsent wie der "Schwule Landadel" und junge Männer, die offenbar ein besonders inniges Verhältnis zu getragenen Lederstiefeln haben.

Der Deutsche Fußball Bund (DFB) sponserte erstmals einen Festwagen, der sich gegen die Diskriminierung von Schwulen und Lesben im Sport wandte. Vor einigen Wochen hatte der Trainer des 1. FC Köln, Christoph Daum, in einen TV-Interview Homosexualität und Pädophilie in einen Zusammenhang gestellt und damit nicht nur in der Kölner Szene für Empörung gesorgt.

  • Fotos : Christopher Street Day 2008 - Die Parade

Neben den typischen Clubs und Vereinen zeigten Parteien, Verbände und Gewerkschaften Flagge. Auch Unternehmen wie IKEA und Ford schickten ihre homosexuellen Mitarbeiter mit in den Umzug, nicht zuletzt auch aus Marketinggründen. Schätzungen zufolge fühlt sich jeder zehnte Kölner dem eigenen Geschlecht zugetan, ein attraktives, zahlungskräftiges Klientel, das nicht vernachlässigt werden will.

Eine Busladung falscher -männlicher- "Dolly Busters" sorgte ebenso für Aufsehen, wie prächtig aufgebrezelte Südamerikaner, bei denen man auch beim zweiten Blick nicht sicher sein konnte, ob sie nun männlich oder weiblich sind. Auch Prominente waren zu sehen, wie Schauspieler Ralf Richter ("Was nicht passt, wird passend gemacht"), der mit Travestie-Sternchen Tatjana Taft posierte.

Nicht zuletzt ist der Kölner CSD auch eine große Modeschau. "Sex macht schlank" versprach ein T-Shirt, auch wenn die üppige Figur des Trägers dann auf einen eher keuschen Lebenswandel schließen ließ. "Nicht nur warm, sondern heiß" hieß es auf den Hemden einer Frauenclique, während "Gräfin Helga" etwa zwei Meter grobgliedrige Metallketten aus dem Baumarkt als Bekleidung völlig ausreichend fand.

Auch wenn der Flirtfaktor traditionell sehr hoch war, kam nicht jeder zum Zug. So bandelte Drag-Queen "Madame Suzaka" vergebens mit einem schmucken Brad-Pitt-Doppelgänger an: "Nicht mal seine Handy-Nummer wollte er mir geben", maulte die falsche Blondine in ihrem hautengen rotgoldenen Abendkleid.

Auch Caro konnte nicht bei ihrer Traumfrau landen. Die Polizistin, die den CSD sicherte, reagierte gar nicht auf die intensive Blicke der Leverkusenerin. "Schade, Brünette in Uniform sind eine Schwäche von mir", bekannt die 17-jährige Auszubildende, die seit zwei Jahren weiß, dass sie auf Frauen steht. Inzwischen wird sie zum Kölner CSD von der ganzen Familie begleitet, "auch von meiner Oma", betonte sie: "Vorher gibt es Sekt für alle und danach Party".

Hier geht es zur Bilderstrecke: So feiert Köln den Christopher Street Day

(afp)
Mehr von RP ONLINE