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Simon Vaut erfindet Privatleben für Europawahl-Spitzenkandidatur

Simon Vaut : Vita für Europawahl-Spitzenkandidatur teilweise erfunden

Simon Vaut (SPD) erdachte Teile seines Privatlebens und flog auf, weil seine Freundin offenbar nicht mehr für ihn lügen wollte.

Erst eine kleine Lüge, dann eine größere, dann war das Kartenhaus nicht mehr zu halten: Simon Vaut, Spitzenkandidat der Landes-SPD in Brandenburg für die Europawahl, ist abgetaucht. Vor zwei Abenden legte der 41-Jährige – einst Redenschreiber von Sigmar Gabriel – noch im Gespräch mit dem Generalsekretär der Landes-SPD, Erik Stohn, eine „Lebensbeichte“ ab. Vaut, dem laut Stohn eine Top-Karriere hätte bevorstehen können, war gestolpert über eine Kandidatur für die Europawahl, für die er Teile seines Privatlebens erfunden hatte.

Vaut hatte den Nominierungsparteitag der Brandenburg-SPD im September in Wildau mit Sätzen wie diesen begeistert: „Das Schönste an Berlin ist für mich der RE1 um 18.07 Uhr, der mich nach Brandenburg an der Havel bringt.“ Er gaukelte der Landes-SPD eine Brandenburg-Idylle vor. Mit Wohnsitz Brandenburg an der Havel, mit einer Lebensgefährtin, die er zum Europa-Wahlparteitag mitgebracht und die er passend zur eigenen Legende zur Ur-Brandenburgerin gemacht hatte. Eine Mehrheit der 110 Delegierten wählte ihn mit sieben Stimmen Vorsprung vor Maja Wallstein zum Spitzenkandidaten der Landes-SPD für die Europawahl. Der Brandenburger Simon Vaut war geboren. Vielleicht dachte Vaut, gegen die echte Brandenburgerin Wallstein nur so bestehen zu können.

Dabei galt Vaut als verheißungsvolle Figur: Mann von Welt, beste Kontakte, Spitzenbeamter im Bundeswirtschaftsministerium. Doch Vaut bluffte, gab eine Adresse in Brandenburg/Havel an, an der nicht wohnte. Später mietete er sich – auf dem Papier – bei der SPD-Fraktionschefin im Stadtrat von Brandenburg, Britta Kornmesser, ein und hatte damit eine Adresse in der Stadt. Als Grund soll er angegeben haben, seine Brandenburger Liebe habe ihm wegen der Wahlkampftermine die Koffer vor die Tür gesetzt hat. Kornmesser öffnete ihm die Tür. Angeblich hat Vaut kein Mal bei Kornmesser, Direktkandidatin für die kommende Landtagswahl, übernachtet. Der Schwindel flog auf, als Vauts vorgeschobene Lebensgefährtin, die angebliche Brandenburgerin, sich einem Fernsehsender in Brandenburg/Havel offenbarte, weil sie wohl nicht mehr länger Teil der Lügengeschichte sein wollte.

SPD-Landeschef Dietmar Woidke spricht von „Verantwortungslosigkeit und enttäuschtem Vertrauen“, vom „Schaden für die SPD“ – und wohl auch für sich selbst. Woidke will in fünf Monaten bei der Landtagswahl in Brandenburg wieder Ministerpräsident werden. Woidke macht sich Mut: „Landtagswahlen sind Landtagswahlen. Ich glaube, dass die SPD auch diese Krise überstehen wird.“ Maja Wallstein, damalige Ersatzkandidatin, steigt als echte Brandenburgerin jetzt in den Wahlkampf ein – auf Vauts Platz 22 der SPD-Liste. Nun wartet die SPD auf eine Unterschrift von Vaut: für eine Verzichtserklärung auf sein Mandat, falls er ins Europaparlament gewählt würde. Denn „technisch“ ist es laut Woidke nicht mehr möglich, Vauts Namen von der SPD-Liste zu streichen.