Silvester 2017 in Köln, Düsseldorf und Neuss: Polizei meldet relativ ruhige Nacht

Köln, Düsseldorf, Berlin: Silvesternacht verläuft friedlich - mit wenigen Ausnahmen

Die Silvesterfeiern in Deutschland sind laut Polizei weitgehend ruhig über die Bühne gegangen. Größere Zwischenfälle wurden nicht gemeldet. Es gab allerdings einige Festnahmen wegen sexueller Übergriffe - auch in Köln.

Die Polizei in Köln war mit einem Großaufgebot von 1400 Beamten im Einsatz, nachdem es vor zwei Jahren an Silvester massenhaft sexuelle Belästigungen von Frauen und Diebstähle durch zumeist nordafrikanische Täter gegeben hatte. Bereits im Vorfeld wurden in diesem Jahr 24 Betretungsverbote ausgesprochen, weitere 175 Platzverweise folgten im Lauf der Silvesternacht. Vier Straftäter wurden vorläufig festgenommen.

Zwischen 18 Uhr am Silvesterabend und 10 Uhr am Neujahrsmorgen hat die Polizei Köln 205 Strafanzeigen aufgenommen (Vorjahr: 231). In 85 Fällen geht es um Körperverletzungsdelikte, in 31 Fällen um Sachbeschädigung. Insgesamt wurden nach aktuellem Stand neun Straftaten mit sexuellem Hintergrund zur Anzeige gebracht. Dabei handelt es sich neben einem Fall von Exhibitionismus und zwei Fällen der sexuellen Nötigung nach derzeitigem Ermittlungsstand ausschließlich um Tatbestände der sexuellen Belästigung. Unter anderem gab es offenbar einen Vorfall an einer Sicherheitsschleuse - drei Frauen gaben an, sie seien an Po und Brust begrapscht worden. Die Polizei Köln weißt darauf hin, dass sich die Zahlen der Straftaten im Laufe der nächsten Tage noch ändern können, wenn die Ermittlungen voranschreiten oder weitere Anzeigen bei der Polizei eingehen. Die Bundespolizei legte den Schwerpunkt ihres Einsatzes auf den Kölner Hauptbahnhof und Köln-Deutz. Bis zum Montagmittag verzeichnete die Bundespolizei 20 Straftaten, darunter zwei Sexualstraftaten. Die Beamten sprachen laut Mitteilung zahlreiche Platzverweise aus.

Szenen wie in der berüchtigten Kölner Silvesternacht vor zwei Jahren habe es nicht gegeben, teilte die Polizei mit. So sei es nirgends zu Zusammenrottungen von mehreren hundert Menschen gekommen.

Unser Reporter hat die Silvesternacht am Dom in Köln verbracht. Hier lesen Sie seine Reportage.

In Düsseldorf feierten mehrere tausend Besucher friedlich auf dem Burgplatz, nicht zuletzt der Regen sorgte dafür, dass sich Straßen und Plätze bald nach dem Jahreswechsel zügig leerten. Die starke Polizeipräsenz sorgte sowohl vor dem Hauptbahnhof als auch in der Altstadt für ein hohes Sicherheitsgefühl. Nach Angaben der Düsseldorfer Polizei wurden in der Silvesternacht keine sexuellen Übergriffe gemeldet.

Allerdings zeigte sich, dass das Böllerverbot, das in diesem Jahr zum zweiten Mal ausgesprochen wurde, nur mit Taschenkontrollen umzusetzen ist. Viele Besucher hatten in Düsseldorf das Verbot ignoriert, fielen aber erst auf, nachdem sie in der Menschenmenge die ersten Böller und Raketen gezündet hatten.

In ganz NRW gab es laut Polizei - anders als in den vergangenen Jahren - kaum Probleme mit großen Gruppen junger Männer gegeben. In Düsseldorf reagierte die Polizei zwar kurzfristig mit dem Einsatz weiterer Beamter, als Hunderte Personen mit "offensichtlichem Migrationshintergrund" am Bahnhof ankamen und sich auf den Weg in die Altstadt machten. Zu Straftaten sei es aber nicht gekommen. Nach den Erfahrungen der vergangenen beiden Jahreswechsel hatte die Polizei einen starken Fokus auf solche Gruppen junger Männer gelegt.

In ganz NRW seien in der Silvesternacht 16 Straftaten angezeigt worden, die aus Gruppen von mindestens drei Personen heraus verübt wurden, wie das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste am Montag mitteilte. Im vergangenen Jahr gab es noch 38 solcher Delikte. Insgesamt habe die Polizei in NRW 41 (Vorjahr: 25) Anzeigen wegen Sexualdelikten aufgenommen - dabei werden aber auch Beleidigungen auf sexueller Basis mitgerechnet.

Silvester 2017: So war das Feuerwerk in Düsseldorf

Für die Polizei in Mönchengladbach war es eine einsatzreiche Nacht. Besondere Vorkommnisse habe es aber nicht gegeben. Die Beamten verglichen das Einsatzaufkommen zum Jahreswechsel in einer Pressemitteilung mit dem an einem "normalen Sommerwochenende".

Die Polizei in Neuss meldete eine "durchwachsene Nacht". Es habe weniger Einsätze als im vergangenen Jahr gegeben, allerdings kam es zu zwei Bränden, die womöglich durch Feuerwerk verursacht wurden. So griffen in Dormagen die Flammen eines Mülltonnenbrandes auf ein Hausdach über, ein Bewohner wurde leicht verletzt. Im Neusser Stadtteil Erfttal gab es drei Leichtverletzte, als der Balkon einer Wohnung in Brand geriet - wahrscheinlich durch Böller.

In Solingen erlebten Feuerwehr und Rettungsdienst eine vergleichsweise ruhige Silvesternacht. Es gab zehn kleinere Brandeinsätze, insgesamt rückten die Kräfte 81 Mal aus.

Silvester 2017: So schön waren die Feuerwerke auf der ganzen Welt

In NRW sind bei Einsätzen in der Silvesternacht insgesamt 25 Polizisten verletzt worden. Allerdings habe keiner von ihnen stationär im Krankenhaus behandelt werden müssen, teilte das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste am Montag mit. So waren unter anderem in Oberhausen zwei Polizisten mit einer Silvesterrakete beschossen worden, als sie an einem Tatort eintrafen. Beide hätten ein Knalltrauma erlitten, der mutmaßliche Täter wurde in Gewahrsam genommen. In Köln wurde eine Polizeibeamtin am Auge verletzt, als ein Böller in Höhe ihres Kopfes explodierte. Auch in Bochum wurden Polizisten mit Böllern beworfen. In der Silvesternacht vor einem Jahr waren noch 33 Beamte verletzt worden.

Bei der größten Silvesterfeier Deutschlands rund um das Brandenburger Tor in Berlin herrschte womöglich auch wegen der milden Temperaturen großer Andrang. Alle Zugänge zur Festmeile wurden etwa eine Dreiviertelstunde vor Mitternacht komplett geschlossen, wie die Berliner Polizei per Twitter mitteilte. Die Organisatoren bezifferten die Zahl der Menschen auf der knapp zwei Kilometer langen Partymeile auf "mehrere Hunderttausend".

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Moderiert wurde die Party an dem Berliner Wahrzeichen von Johannes B. Kerner und Andrea Kiewel. Zum Bühnenprogramm zählten Musiker wie Conchita, Mousse T., die Münchner Freiheit und die Spider Murphy Gang. Während des achtminütigen Feuerwerks zum Jahreswechsel trat Wincent Weiss mit seinem Song "Feuerwerk" auf.

Zu der Partymeile am Brandenburger Tor zählte dieses Jahr eine speziell für Frauen eingerichtete Schutzzone, die sogenannte "Women's Safety Area". Nach Angaben der Veranstalter wurde sie im Lauf der Silvesternacht von vier Frauen aufgesucht.

Ein Sprecher der Berliner Polizei sagte am Montagmorgen, wegen sexueller Übergriffe seien etwa zehn Verdächtige festgenommen worden. Ansonsten sei es aber eine "recht ruhige Nacht" gewesen, die riesige Party am Brandenburger Tor sei "im Großen und Ganzen störungsfrei" verlaufen.

Bei einem Feuer im westfälischen Selm ist in der Silvesternacht eine vierköpfige Familie verletzt worden. Vermutlich sei eine Silvesterrakete durch das geöffnete Fenster ins Schlafzimmer der Leute geflogen und habe den Brand verursacht, teilte die Polizei mit. Die Mutter sei mit den beiden Kindern ins Freie geflohen, während der Vater vergeblich versucht habe, das Feuer selbst zu löschen. Als die Feuerwehr eintraf, stand das Zimmer jedoch voll in Flammen. Alle vier Familienmitglieder atmeten Rauch ein und kamen deswegen in Krankenhäuser. Das Haus wurde so stark beschädigt, dass es zunächst nicht mehr bewohnbar ist.

In Hamburg war die Polizei auch in diesem Jahr mit Absperrgittern, zusätzlicher Straßenbeleuchtung und Videoüberwachung vertreten. In der Silvesternacht waren laut Polizei verhältnismäßig wenige Frauen und viele Männer mit augenscheinlichem Migrationshintergrund auf der Reeperbahn unterwegs. Die Zahl der gemeldeten sexuellen Übergriffe bewege sich in einem "sehr geringen Maß", sagte ein Polizeisprecher am Montagmorgen. Genaue Zahlen lagen zunächst nicht vor.

In München sei "gar nichts" Derartiges gemeldet worden, sagte ein Polizeisprecher am Montagmorgen. Allerdings sei es für eine seriöse Bilanz auch noch viel zu früh, schob er nach. "Die Erfahrung zeigt, dass so etwas oft erst ein, zwei Tage später angezeigt wird."

Für die Feuerwehren bedeutete die Silvesternacht jede Menge Arbeit. Allein in Berlin rückte die Feuerwehr bis 3.00 Uhr zu 1218 Einsätzen aus, davon 380 Löscheinsätze. Bei einigen Bränden gab es mehrere Verletzte. In Mannheim gab es am Sonntagabend aus noch ungeklärter Ursache einen Wohnungsbrand in einem vierstöckigen Mehrfamilienhaus mit elf Verletzten, darunter Kinder.

Randalierer in Leipzig attackierten Polizisten in der Silvesternacht mit Böllern und Steinen. Über Lautsprecher hätten die Beamten die Angreifer verwarnt, erklärte die Polizei. Da sich diese weiterhin widersetzt hätten, habe man Wasserwerfer eingesetzt. Mehrere Personen wurden wegen schweren Landfriedensbruchs in Gewahrsam genommen.

Lasershow in Dubai, Hunderttausende in Paris

Als eines der ersten Länder hatte Australien das neue Jahr begrüßt. An der Harbour Bridge in Sydney erstrahlte ein Feuerwerk in den Farben des Regenbogens, um die Einführung der Homo-Ehe in Australien zu feiern. Auch im Hafen von Hongkong fand ein spektakuläres Feuerwerk mit musikalischer Untermalung statt. In Dubai wurde das größte Gebäude der Welt, das 828 Meter hohe Burdsch Chalifa, mit einer Lasershow in Szene gesetzt.

In Paris ließen sich hunderttausende Menschen durch stürmisches Wetter und die anhaltende Anschlagsgefahr nicht davon abhalten, auf den Champs-Elysées zu feiern. Fast 2000 Polizisten waren zum Schutz der Menge im Einsatz. Am Londoner Themse-Ufer sahen sich 100.000 Menschen eine große Feuerwerksshow an.

In New York fanden die Silvesterfeierlichkeiten unter besonders strengen Sicherheitsvorkehrungen statt, nachdem 2017 zwei Anschläge in der US-Metropole verübt worden waren. In Kanada fielen zahlreiche Freiluftveranstaltungen wegen der derzeitigen Kältewelle mit Temperaturen von bis zu minus 50 Grad aus. In Rio de Janeiro feierten hingegen Millionen Menschen am Strand.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So lief Silvester 2017 in Köln

(cbo/sg/rls/AFP/dpa)