Schüler hatten Amok-Pläne aufgegeben: Schwere Vorwürfe gegen Kölner Polizei

Schüler hatten Amok-Pläne aufgegeben : Schwere Vorwürfe gegen Kölner Polizei

Köln (RPO). Die beiden Kölner Schüler haben schon vor dem Eingreifen der Polizei nicht mehr vorgehabt, ihren Plan vom Amoklauf in der Schule durchzuziehen - das gab die Staatsanwaltschaft heute bekannt. Die Kritik an der Arbeit der Polizei wird währenddessen lauter. Die Schuld am Selbstmord des 17-jährigen Tatverdächtigen weisen die Beamten jedoch weit von sich.

Der 17-jährige Verdächtige sei "absolut unauffällig" gewesen, nichts habe darauf hingedeutet, dass er sich das Leben nehmen würde. Die Kölner Polizei wies den Vorwurd, sie habe den Jugendlichen zu schnell laufen lassen, von sich - auch zwei psychologisch geschulte Polizeibeamte seien einverstanden gewesen.

Der mutmaßliche Komplize, ein 18-jähriger Schüler, hat während seiner Vernehmung erklärt, dass er bereits vor einiger Zeit seinem 17-jährigen Freund mitgeteilt habe, sich nicht an der Tat beteiligen zu wollen. Daraufhin habe der 17-Jährige das Vorhaben ganz fallen gelassen, weil er die Tat nicht allein begehen wollte. Dies habe die Auswertung der Chat-Protokolle auf den sichergestellten Computern des Gymnasiasten ergeben.

Zunächst war die Polizei davon ausgegangen, dass der 18-Jährige am Dienstag gemeinsam mit seinem 17-jährigen Freund an der Schule mehrere Mitschüler und Lehrer verletzen und töten wollte. Der 17-Jährige hatte am Freitag nach einem Gespräch mit der Schulleitung und der Polizei Selbstmord begangen.

Er war zur Rede gestellt worden, nachdem er Bilder des Schulmassakers von Littleton ins Internet gestellt hatte. Bei dem Massaker im US-Bundesstaat Colorado hatten 1999 zwei Jugendliche zwölf Mitschüler ermordet und anschließend sich selbst getötet.

Pfeile für Armbrust zurückgekauft

Nach jetzigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hatte sich der 18-Jährige bereits vor einigen Tagen von den Tatplänen distanziert. Auch habe er von seinem Freund die Pfeile und die Sehne einer Armbrust zurückgekauft, die für die Tat vorgesehen war.

Der 18-Jährige wurde am Montag aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Danach ließ er sich auf eigenen Wunsch wegen Selbstmordgefahr in eine psychiatrische Klinik einweisen.

Die Landesschülervertretung (LSV) NRW forderte derweil härtere Auflagen für den Waffenbesitz und einen verstärkten Dialog über die Probleme der Jugendlichen im Unterricht. Die Beweggründe für solche Taten müssten genauer unter die Lupe genommen werden, erklärte LSV-Vorstand Johannes Struzek.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Polizei vereitelt Amoklauf an Kölner Schule

(afp)
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