Schule in Brandenburg lässt Schüler eine Flasche Wein trinken

Vier doppelte - oder eine Flasche Wein: Schule in Brandenburg lässt Schüler Schnaps trinken - zur Aufklärung

Seit Jahren lädt eine Schule in der Uckermark seine Neuntklässler zum betreuten Trinken ein. Mit Erlaubnis der Eltern dürfen sie unter Aufsicht bis zu 0,8 Liter Wein oder vier doppelte Schnäpse trinken. Jetzt gibt es Kritik von den Eltern.

„Lieber schlau statt blau“ nennt eine Oberschule in Templin (Landkreis Uckermark), der Stadt, in der Angela Merkel aufwuchs, eine Aktion zur Suchtpräventation, die sie seit 2008 durchführt. Das Ziel: Neuntklässler im Alter von meist 15 oder 16 Jahren sollen, betreut von Fachleuten, in der Schule den Umgang mit Alkohol lernen. Mit Erlaubnis der Eltern können die Schüler bis zu vier Trinkeinheiten konsumieren. Also wahlweise bis zu einen Liter Bier, 0,8 Liter Wein, vier Biermischgetränke oder vier doppelte Schnäpse - selbst dann, wenn sie vorher noch nie mit Alkohol in Kontakt gekommen sind.

Das stößt bei vielen Eltern nun auf Unverständnis und Widerstand. Der „Nordkurier“ hatte zuerst über das Thema berichtet. „Geht’s noch?“, fragt die Mutter Claudia G. in der Lokalzeitung. „Erst sollen wir unsere Kinder über Schäden durch Alkohol und Drogen aufklären. Und jetzt wird ihnen schon in der Schule Alkohol von Lehrern angeboten.“

Das jahrelang von der rot-roten Landesregierung unterstützte Projekt hält der Projektverantwortliche Carsten Schroeder für gerechtfertigt. Es sei entstanden, als sich die Fälle des Komasaufens in der Region massiv gehäuft hätten. Studien würden belegen, dass sich die Zahl der Nichttrinker nach dem Trinkexperiment deutlich erhöht. Carmen Reinke von der Krankenkasse DAK erklärt im Nordkurier: „Eine regionale Alkoholprävention ohne erhobenen Zeigefinger bleibt für uns aber unverzichtbar, um die Gefahren von Alkoholmissbrauch aufzuzeigen. Wichtige Gesundheitsthemen wie dieses sollten im Schulalltag diskutiert werden.“

Anders sieht das CDU-Politikerin Roswitha Schier aus Brandenburg: „Man lädt ja auch nicht alle Schüler zum Rauchen ein, um vor den Gefahren des Tabaks zu warnen. Das ist ja krank.“

(cpas)
Mehr von RP ONLINE