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Der vierte Ausbruch in einem Jahr: Schon wieder Ausbruch aus der JVA Bochum

Der vierte Ausbruch in einem Jahr : Schon wieder Ausbruch aus der JVA Bochum

Am Sonntag ist ein Häftling aus dem Gefängnis in Bochum entkommen. Wie die Polizei mitteilte, ermöglichten bauliche Mängel die Flucht. Für die JVA Bochum ist der Fall hochgradig peinlich. In einem Jahr ist bereits zum vierten Mal ein Häftling ausgebrochen.

Der 47-jährige polnische Strafgefangene entkam nach Angeben der Anstalt am frühen Sonntagmorgen bei Reinigungsarbeiten durch ein Fenster. Der Gefangene war im nach außen und innen gesicherten Besucherkontrollbereich mit Reinigungsarbeiten beschäftigt.

Die Fensterscheibe im Besucherbereich war zwar mit Panzerglas gesichert. Das aber war nur durch Aluminiumabdeckleisten arretiert. Der Häftling entfernte offenbar die Leisten und konnte anschließend die Scheibe herausnehmen.

Offiziell heißt es nun in der Mitteilung der JVA: "Die Flucht wurde somit durch einen nicht sichtbaren baulichen Mangel in dem vor ca. 25 Jahren erbauten Pfortengebäude begünstigt."

Der Gefangene saß wegen mehrfachen Diebstahls ein. Eine Auslieferung nach Polen sollte im nächsten Monat nach Verbüßung der Hälfte der Strafe erfolgen. Der Gefangene gilt als nicht gewalttätig.

Die Polizei fahndet nach dem 47-Jährigen, der während des Straffvollzugs nie negativ aufgefallen sein soll. Bei der Suche wurde am Morgen bereits ein Polizeihubschrauiber eingesetzt - vergeblich. Die& Polizei gab eine Personenbeschreibung heraus. Demnach ist der Entflohene 1,88 Meter groß, besitzt eine kräftige Statur, trägt kurze Haare, ein Brille und hat eine Stirnglatze. Zum Zeitpunkt seiner Flucht trug er eine schwarze Jogginghose, schwarze Turnschuhe und ein grünes Trikot.

Es ist bereits das vierte Mal in einem Jahr, dass einem Häftling in Bochum die Flucht gelingt.

Januar 2011 Vor fast genau einem Jahr brach aus der JVA Bochum ein 25-jähriger Libanese aus. Er riskierte dafür sein Leben. Mit zwei spektakulären Sprüngen war der Sträfling damals aus seinem Fenster über ein Vordach auf die Straße ins Freie gesprungen.

Herbst 2011 Im Herbst vergangenen Jahres gelang einem türkischstämmigen Mann auf einem Freigang die Flucht, obwohl er von zwei Beamten bewacht gewesen sein soll.

Januar 2012 Ein 50-jähriger gefährlicher Verbrecher befand sich am Morgen zur Überraschung der Wärter nicht in seiner Zelle. Die Gitterstäbe am Fenster waren& durchgesägt. Großfahndung. Später zeigt sich: Der Mann hatte sich auf dem Dachboden versteckt.

Noch im Dezember hatte die Ausbruchserie für erhebliche Aufregung im Justizministerium gesorgt. Der Rechtsausschuss beriet über erforderliche Konsequenzen. Politiker stellten das Sicherheitskonzept infrage.

Dass das Gefängnis Mängel aufweist, ist freilich kein Geheimnis. Der NRW-Landesvorsitzende der Strafvollzugsbediensteten, Peter Brock, verwies noch im Dezember darauf, dass die JVA nicht mehr die erforderlichen Sicherheitsstandards erfülle. "Das Gefängnis ist sehr alt." Es müsse dringend saniert werden.

(ots)