Wintereinbruch in Hessen Kinder müssen in Schule übernachten – Chaos auf den Straßen

Update | Bad Schwalbach/Wiesbaden/Offenbach · Heftige Schneefälle mit Folgen: In Hessen sitzen Menschen auf der Autobahn oder in der Schule fest. In Teilen des Landes besteht auch am Dienstag noch Lebensgefahr. Wie der Wintereinbruch für Chaos sorgt.

Hessen Schnee: Wintereinbruch führt zu Verkehrsbehinderungen
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Schneechaos in Deutschland – Verkehrsbehinderungen und Unfälle

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Foto: dpa/König

Zahlreiche Schülerinnen und Schüler sowie Betreuer einer Wiesbadener Schule haben die Nacht zum Dienstag wegen des Wintereinbruchs im Schulgebäude verbringen müssen. Für 55 Personen, darunter 27 Kinder, sei in der Schule eine Unterkunft für die Nacht eingerichtet worden, da sie durch die Witterungsverhältnisse nicht mit Schulbussen nach Hause fahren konnte, teilte ein Sprecher der Feuerwehr am Dienstagmorgen mit.

Die Schülerinnen und Schüler einer internationalen Schule kämen aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet, weshalb eine Rückfahrt nach Hause durch den Schneefall nicht mehr möglich gewesen sei. Ein Betreuungstrupp der Feuerwehr mit rund 25 Personen kümmere sich um die Versorgung.

Weitere etwa 70 Menschen saßen auf einer Bundesstraße bei Schlangenbad in ihren Wagen fest und wurden mit warmen Getränken versorgt. Auf einer anderen Strecke nahe Schlangenbad befreite die Feuerwehr außerdem 30 Autos. In der Gemeinde Schlangenbad fiel darüber hinaus dem Strom aus. In der Kreisstadt Bad Schwalbach saßen rund 30 Schüler in einer Schule fest.

In einer Gesamtschule im hessischen Bad Schwalbach saßen zeitweise 30 Schüler und Lehrer fest. Sie wurden versorgt und konnten aber am späten Montagabend von der Feuerwehr nach Hause gebracht werden.

Viele Unfälle – mindestens zwei Tote

Der Wintereinbruch hat in mehreren Bundesländern für glättebedingte Unfälle gesorgt – dabei starben mindestens zwei Menschen. Im Landkreis Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg kam ein 71 Jahre alter Mann am Montagabend bei einem Frontalzusammenstoß auf schneeglatter Straße ums Leben. Eine 54-jährige Autofahrerin starb bei Denzerheide in Rheinland-Pfalz bei einem Glatteisunfall.

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Weil er laut Polizei auf schneebedeckter Straße zu schnell unterwegs war, krachte ein 29 Jahre alter Autofahrer in Oberfranken in ein Waldstück und wurde schwerst verletzt. Der Mann verlor demnach am Montagabend bei Hof in einer leichten Kurve die Kontrolle über sein Fahrzeug. Dadurch stieß er mit so großer Wucht gegen Bäume, dass sein Wagen zurückgeschleudert wurde.

Ein Schulbus mit 16 Kindern an Bord rutschte im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt aufgrund der glatten Fahrbahn in einen Graben. Ein Kind wurde bei dem Unfall verletzt, wie die Polizei mitteilte. Auch in Berlin und Brandenburg sorgten die Wetterverhältnisse für Probleme bei den Autofahrern. „Wir kriegen im Minutentakt Meldungen zu neuen Unfällen auf den Autobahnen“, teilte die Verkehrsinformationszentrale Berlin auf der Online-Plattform X, ehemals Twitter, mit.

In vielen Teilen Hessens ereigneten sich Unfälle mit leicht Verletzten und vielen Sachschäden. Bäume stürzten aufgrund der Schneelast um. Zahlreiche Straßen um die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden mussten komplett gesperrt werden. Auch bei der Bahn gibt es Behinderungen auf einigen Strecken, wie das Polizeipräsidium Westhessen mitteilte. Zeitweise fiel an einigen Orten wegen umgestürzter Bäume der Strom aus, unter anderem in Hofheim.

„Bleiben Sie am Dienstag unbedingt zu Hause“

Im Rheingau-Taunus-Kreis spitzte sich die Lage besonders zu. Zahlreiche Autofahrer saßen hier nach Angaben der Feuerwehr in ihren Fahrzeugen fest. Etwa 100 Menschen mussten nahe Eltville wegen umstürzender Bäume aus ihren Autos gerettet werden. Sie wurden zunächst in einer Halle untergebracht. Am Abend kamen 20 bis 25 Menschen in Hotels unter.

Der Landrat im Rheingau-Taunus-Kreis, Sandro Zehner (CDU), rief laut einer Mitteilung zum Zuhausebleiben auf: „Mein dringender Appell: Bleiben Sie am Dienstag unbedingt zu Hause. Bitte unternehmen Sie auch keine Spaziergänge im Wald: Es besteht akute Lebensgefahr durch Astbruch und umstürzende Bäume.“ Laut DWD ließen in Hessen die Niederschlagsmengen in der Nacht nach. „Aber richtige Probleme machen die Bäume, die unter der Last des Schnee drohen umzufallen“, sagte eine DWD-Meteorologin.

Flüge in Frankfurt am Main ausgefallen

Zahlreiche Flüge wurden am Frankfurter Flughafen gestrichen. Allein am Montag wurden 161 Starts und Landungen von insgesamt 1031 geplanten Flugverbindungen abgesagt, wie der Betreiber Fraport mitteilte. Aufgrund des starken Schneefalls mussten die Start- und Landebahnen auf dem größten deutschen Flughafen geräumt werden. Am Dienstag waren laut Fraport wieder alle Start- und Landebahnen geöffnet - wegen der Auswirkungen der Annullierungen vom Vortag würden aber voraussichtlich etwa 100 von 1050 Flügen gestrichen.

Schneechaos führt zu Stromausfall

Für Probleme sorgte der Wintereinbruch mit Schnee und Eis auch in anderen Gegenden, etwa in Baden-Württemberg, in Rheinland-Pfalz und im Saarland, aber auch im Osten Deutschlands. Im baden-württembergischen Heiligkreuzsteinach und einigen Nachbarorten fiel nach Angaben der Polizei in der Nacht zu Dienstag der Strom aus, weil ein Baum unter der Schneelast umkippte und in eine Leitung fiel.

„In den nächsten Tagen geht es winterlich weiter“

Die Schneefälle am Montag und Dienstag haben nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes vor allem die Mitte Deutschlands betroffen. Der Streifen zog sich nach Angaben von Meteorologen Markus Übel „wie ein Band“ von Nordrhein-Westfalen über Hessen, Sachsen, Süd-Brandenburg und Teilen Frankens. Nördlich davon seien nur ein paar Schneeflocken runtergekommen. Im Süden seien die Niederschläge überwiegend als Regen gefallen.

„In den nächsten Tagen geht es winterlich weiter“, sagte Übel. Am Mittwoch erwarte uns eher Schmuddelwetter, ab Donnerstag Dauerfrost. Neuschnee werde es nicht mehr so flächendeckend geben, sondern kleinräumiger in sogenannten Schauerstraßen, deren Lage schwer vorherzusehen sei.

(albo/jh/peng/esch/dpa/afp)
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