Schnee in den Alpen: Lawinengefahr ist immens

Ende des Schneefalls nicht in Sicht : Immense Lawinengefahr in den Alpen

Es schneit und schneit. Nach Einschätzung von Wetterexperten soll es bis in die Nacht zu Freitag in den Alpen Non-Stop-Schneefall geben. Vielerorts ist die Lawinengefahr immens. Und längst stöhnt nicht bloß der Süden über die weiße Last.

Im Berchtesgadener Land hat eine Lawine eine Straße teilweise verschüttet. Rettungskräfte suchten am Mittwoch nach möglichen Verschütteten, wie die Polizei mitteilte. Zunächst war unklar, ob Fahrzeuge oder Menschen von dem Abgang betroffen waren.

Bei Berchtesgaden saßen rund 350 Menschen fest und mussten per Lastwagen mit Lebensmitteln versorgt werden. Die einzige Straße zum Ortsteil Buchenhöhe in der Nähe des Obersalzbergs sei bis auf weiteres gesperrt, sagte ein Sprecher des Landratsamtes Berchtesgadener Land. Am Vormittag sei damit begonnen worden, die Strecke zu räumen.

Auch die Menschen in der oberbayerischen Gemeinde Jachenau bei Bad Tölz sind auf Lebensmittellieferungen angewiesen, weil die Zufahrtsstraße gesperrt ist. Bewohner und Rettungskräfte können das Dorf aber über eine kleine Forststraße erreichen.

Im Beisein seiner Schüler ist ein 62 Jahre alter Lehrer nach einem Skiunfall auf der Mariazeller Bürgeralpe in Österreich gestorben. Der Mann verlor aus bislang ungeklärter Ursache bei der Abfahrt einen Ski und stürzte links über den Pistenrand in einen steil abfallenden Wald, wie die Polizei mitteilte. Dort blieb er im lockeren und metertiefen Schnee kopfüber stecken. Die nachkommenden neun Schüler konnten dem Mann aufgrund der Schneemassen nicht helfen. Einsatzkräfte der Bergrettung Mariazell konnten schließlich zu dem 62-Jährigen absteigen, stellten aber keine Lebenszeichen mehr fest.

In der Steiermark wird derweil beraten, in welchen Gebieten die Menschen ihre Häuser und Höfe verlassen müssen. Katastrophenschützer Eitner erklärte, dass in dem österreichischen Bundesland derzeit rund 280 Gebäude von möglichen Lawinen bedroht seien, weil sie in sogenannten Roten Zonen liegen. Damit sind Areale gemeint, die erfahrungsgemäß von Lawinen erreicht werden können.

Bis mindestens Mitte nächster Woche sei vor allem im Alpenraum weiter mit Schnee zu rechnen, sagte am Mittwoch der Leiter der Regionalen Wetterberatung München des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Guido Wolz. Eine aktuelle Unwetterwarnung des DWD gilt bis Freitag. Am Samstag könnte sich die Lage dann vorübergehend etwas entspannen. Auch im Erzgebirge ist weiterhin mit Non-Stop-Schneefall zu rechnen, wie DWD-Meteorologen am Mittwoch in Offenbach vorhersagten. In tieferen Lagen bleibe es dagegen bei nasskaltem Wetter.

Starke Nerven brauchten am Mittwoch vielerorts die Pendler: Auf der A9 im Norden Münchens standen Autofahrer am Morgen über mehr als 20 Kilometer im Stau. Nach Angaben des ADAC lag der Zeitverlust im Berufsverkehr bei fast einer Stunde. Auch auf den anderen Fernstraßen nach München bildeten sich Staus.

Wegen eines querstehenden Transporters wurde die Autobahn 8 in Richtung München bei Friedberg voll gesperrt. Der Transporter habe zwei Autos auf einem Anhänger geladen und stehe quer über alle Fahrspuren, sagte ein Polizeisprecher.

Für viele Schulen vermeldeten die Behörden am Mittwoch Unterrichtsausfälle. Im Berchtesgadener Land, im Ostallgäu, in Teilen des Landkreises Deggendorf und in weiteren Kreisen und Gemeinden sollten die Schüler zuhause bleiben. Die Schneemassen stellten die Räumdienste vor erhebliche Probleme. Im oberbayerischen Landkreis Miesbach gilt Katastrophenalarm.

Schon am Dienstag waren zahlreiche Lifte und Pisten in den bayerischen Skigebieten gesperrt. Das Forstministerium warnte vor Bäumen, die unter der Last des oftmals nassen Schnees jederzeit umkippen oder abbrechen können.

(cpas/dpa)
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