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Schnee in Bayern: Zweithöchste Lawinengefahr ausgegeben

Alpenraum versinkt im Schnee : 12.000 Touristen in Saalbach-Hinterglemm zeitweise eingeschlossen

Nach den heftigen Schneefällen der vergangenen Tage herrscht inzwischen im gesamten deutschen Alpenraum die zweithöchste Lawinenwarnstufe vier. In Österreich waren rund 12.000 Touristen eingeschlossen. Ein Deutscher starb bei einem Lawinenunglück.

Bei heftigem Schneefall sind viele Urlauber auf dem Rückweg aus den Weihnachtsferien in Österreich stecken geblieben.
Tausende Touristen waren zeitweise in den großen österreichischen Skigebieten Obertauern und Saalbach-Hinterglemm eingeschlossen. Die Zufahrtsstraßen wurden gesperrt, weil das Risiko von Lawinenabgängen zu hoch war. Für eine Lawinensprengung wurde außerdem die für den Reiseverkehr wichtige Tauernautobahn gesperrt.

Zwei Menschen sind bereits bei Lawinenunglücken ums Leben gekommen: Am Sonntag ist ein deutscher Skifahrer im österreichischen Vorarlberg bei einem Lawinenabgang gestorben. Der 26-Jährige stammte aus dem bayerischen Landkreis Dachau. Das Unglück passierte am Sonntag in Schoppernau, sagte ein Polizeisprecher und bestätigte einen Bericht der Nachrichtenagentur APA. Der Skifahrer war trotz hoher Lawinengefahr abseits der gesicherten Pisten unterwegs, wie die APA berichtete. Sein Begleiter habe ihn noch aus den Schneemassen ausgegraben, doch er sei noch an der Unglücksstelle gestorben.

Im gesamten deutschen Alpenraum galt am Sonntag die zweithöchste Lawinenwarnstufe. Schnee verschüttete bereits am Samstag in den Chiemgauer Alpen eine junge Tourenskifahrerin, die dabei ums Leben kam. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gab wegen der Schneemassen Unwetterwarnungen heraus. Straßen-, Bahn- und Flugverkehr wurden erheblich behindert.

Während sich die Situation am Flughafen München entspannte, meldete die Deutsche Bahn etliche Streckensperrungen. Auf den Straßen kam es zu vielen Unfällen - nicht nur in und an den Alpen in Bayern und Österreich, sondern etwa auch im Schwarzwald.

In Oberbayern starb ein 19-Jähriger bei einem Autozusammenstoß auf schneeglatter Straße nahe Bad Tölz. Vier weitere Menschen wurden bei dem Unfall verletzt, zwei davon schwer. Ein 23-Jähriger war auf die Gegenfahrbahn geraten und in die Beifahrerseite des anderen Autos gekracht. In der Nähe des Chiemsees wurde die Autobahn 8 bei Siegsdorf zeitweise gesperrt, weil Bäume unter der Schneelast auf die Fahrbahn ragten. In München wurden Linienbusse, die sich festgefahren hatten, von der Feuerwehr wieder flott gemacht.

Am Münchner Flughafen waren Räumdienste am Dreikönigswochenende fast ununterbrochen damit beschäftigt, die Start- und Landebahnen von den Schneemassen zu befreien. Für Sonntag wurden nur noch 15 Annullierungen erwartet, wohingegen tags zuvor noch 130 Flüge ausfielen. Hunderte Flugzeuge hatten zum Teil erheblich Verspätung.

Bahnreisende brauchten besonders in Bayern viel Geduld: Der starke Schneefall behinderte den Zugverkehr vor allem südlich und westlich von München. Etliche Verbindungen im Allgäu und zum Beispiel Richtung Garmisch-Partenkirchen waren bis auf weiteres gesperrt. "Wir sind seit der Nacht mit allen verfügbaren Kräften vor Ort, um die Strecken so schnell wie möglich wieder befahrbar zu machen", sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Sonntagmorgen. Wegen der schweren Schneelast fielen Bäume in Gleise und auf Oberleitungen.

Glück im Unglück hatten rund 300 Reisende, deren Nachtzug nach Zürich in der Nähe von Kitzbühel in Österreich mit einem umgestürzten Baum kollidierte. Nach vier Stunden auf offener Strecke wurden die Waggons in einen Bahnhof geschleppt, wo die unverletzten Passagiere mit warmen Getränken versorgt wurden.

Im österreichischen Saalbach-Hinterglemm waren zeitweise rund 12.000 Wintersportler eingeschlossen. Rund 50 Prozent der Urlauber kommen hier aus Deutschland. Sie seien nicht in Gefahr, beruhigte Bürgermeister Alois Hasenauer. "Wir sind im Ort gut versorgt", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Im Skigebiet Obertauern sollte am Sonntag ein Konvoi für abreisende Gäste organisiert werden.

Unter der Schneelast zusammengebrochene Bäume verursachten auch Stromausfälle in Österreich. In Tirol warnten die Behörden wegen der Gefahr von Baumstürzen vor Wanderungen. "Ich rate der Bevölkerung, diese Tage auf Waldspaziergänge zu verzichten und generelle Vorsicht im Freien walten zu lassen", teilte der Verwaltungschef des Bezirks Kufstein, Christoph Platzgummer, mit.

Nach Angaben des Lawinenwarndienstes Bayern galt am Sonntag im gesamten deutschen Alpenraum die zweithöchste Lawinenwarnstufe vier.
Das bedeutet, dass sich große Lawinen schon durch ihr Eigengewicht und damit ohne menschliche Einwirkung auslösen können. Bei einem Lawinenabgang am Teisenberg in den Chiemgauer Alpen starb eine 20-jährige Frau. Nach Polizei-Angaben war sie am Samstag in einer Gruppe von insgesamt sechs Tourenskifahrern unterwegs, als sich bei der Abfahrt ins Tal eine Lawine löste. Die junge Frau aus dem Berchtesgadener Land wurde komplett verschüttet. Ihre Begleiter wurden von dem Schneebrett nicht erfasst.

Am Sonntag hielt im Alpenraum der starke Schneefall an, bereits in den Vortagen war verbreitet mehr als ein Meter Neuschnee gefallen. Die Experten erwarteten für die nächsten Tage eine leichte Entspannung der Lawinenlage, wenn sich die Neuschneemengen setzen.

Aufgrund des starken Schneefalls fällt in mehreren Landkreisen im Süden Bayerns am Montag der Unterricht aus. So dürfen Schüler an zahlreichen Schulen in den Landkreisen Miesbach und Traunstein und an drei Schulen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zu Beginn der neuen Woche zu Hause bleiben, wie das Kultusministerium am Sonntag mitteilte. Im Landkreis Ostallgäu sowie im Stadtgebiet von Lindau fällt der Unterricht laut Ministerium an allen Schulen aus.

Hier lesen Sie mehr über den Schneefall in Bayern.

Vor allem aber sorgt „Benjamin“ wohl für eine steife Brise - deutschlandweit muss nach DWD-Angaben mit starken bis stürmischen Böen gerechnet werden. An der Nordseeküste sowie im Bergland werden schwere Sturmböen erwartet. Außer Regen sind in der Mitte und im Süden Deutschlands Schneeschauer möglich. In der Nacht zu Mittwoch sinkt die Schneefallgrenze örtlich bei Tiefsttemperaturen von minus zwei Grad bis auf 300 Meter. Gebietsweise herrsche Glättegefahr, hieß es. Für den Westen und Nordwesten Deutschlands erwartete der DWD oft trockenes Wetter. Im Laufe des Montagnachmittags sei jedoch von der Nordsee her mit neuem Regen zu rechnen.

(felt/dpa)