Schiene, Straße, Luft und Bundesliga betroffen Heftige Schneefälle treffen Süddeutschland – Folgen das ganze Wochenende über

München/Landshut/Berlin/Düsseldorf · Fast nichts geht mehr in München und anderen Teilen Bayerns: Schnee und Glätte lassen das ganze Wochenende über Züge ausfallen, der Flughafen ist weiter gesperrt. Es gibt lange Staus auf den Autobahnen und auch die Bundesliga ist betroffen. Ein Überblick.

Schnee München & Bayern: Fotos vom Stillstand bei Bahn & Co.
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Schneechaos in Bayern – Stillstand überall

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Foto: dpa/Matthias Schrader

Schnee und Eis haben im Süden Bayerns auf den Straßen und bei der Bahn für Chaos gesorgt – mit Folgen, die wohl noch das ganze Wochenende den gesamten Süden der Bundesrepublik beschäftigen werden.

Wer mit der Bahn fährt, muss sich im Süden Deutschlands noch bis Montag auf starke Beeinträchtigungen einstellen. Das sagte eine Bahn-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur am Samstagvormittag. Grund sei der unerwartet heftige Wintereinbruch, unter anderem seien Oberleitungen vereist. Der Münchner Hauptbahnhof sei den ganzen Samstag nicht mehr anfahrbar.

Die Zugbindung wurde deshalb aufgehoben. Heißt: Jeder Zug kann genutzt werden, unabhängig von den konkret gebuchten Zügen. Die Bahn teilte mit: „Alle Fahrgäste, die ihre am 2. und 3. Dezember in Süddeutschland geplante Reise aufgrund des Wintereinbruchs in Süddeutschland verschieben möchten, können ihr Ticket zu einem späteren Zeitpunkt nutzen.“

Es fallen im Fernverkehr die Verbindungen von der bayerischen Landeshauptstadt nach Salzburg, Innsbruck, Nürnberg, Stuttgart und Lindau aus. Von den Einschränkungen betroffen sind auch sämtliche Verbindungen des Fernverkehrs von Nordrhein-Westfalen in Richtung München, so eine Sprecherin auf Anfrage unserer Redaktion. Am Samstagmorgen hatte es bereits einzelne Ausfälle von Düsseldorf in Richtung Süden gegeben. Die Züge aus NRW Richtung München sind gleichzeitig wichtige Umsteigeverbindungen, etwa nach Frankfurt oder Mannheim.

Auch der Bahnverkehr im Raum Ulm ist stark beeinträchtigt, bis zum Bodensee gebe es starke Einschränkungen, sagte eine Bahn-Sprecherin. Zwischen Stuttgart und Singen beziehungsweise Zürich können voraussichtlich erst am Sonntag wieder Fernverkehrszüge fahren.

Wie ein dpa-Reporter berichtete, musste in den frühen Morgenstunden ein Zug aus Stuttgart kommend am Ulmer Hauptbahnhof zum Übernachtungs-Zug umfunktioniert werden. Auch am Münchner Hauptbahnhof stellte die Deutsche Bahn einen Zug für gestrandete Fahrgäste bereit.

Flugbetrieb in München und Memmingen eingestellt

Am Münchner Flughafen ist wegen starker Schneefälle bis Sonntag um 6 Uhr der Flugbetrieb eingestellt worden. Das teilte ein Flughafen-Sprecher am Samstagvormittag mit. Passagiere wurden gebeten, gar nicht erst anzureisen. Vor Abflügen am Sonntag sollten sich Fluggäste bei ihrer Airline über den Status ihres Fluges informieren, empfahl der Sprecher. Vorher hatte die Sperrung zunächst bis zum Samstagmittag gegolten.

Der Winterdienst sei im Einsatz, um wieder einen sicheren Betrieb zu ermöglichen, hieß es weiter. Der Allgäu Airport in Memmingen stellte wegen der anhaltenden Schneefälle am Samstag ebenfalls den Flugbetrieb ein. Die Sperrung sollte nach Flughafen-Angaben zunächst bis 15.00 Uhr gelten.

Ein Sprecher der Lufthansa verwies darauf, dass sich die Sperrung des Flugverkehrs in München auf andere Flughäfen auswirke. Rund 20 Maschinen, die eigentlich in München hätten landen sollen, seien nach Frankfurt umgeleitet worden, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport am Samstagvormittag. Auch der Flughafen Nürnberg nahm einzelne Maschinen auf, die München nicht mehr ansteuern konnten.

Am Flughafen Stuttgart waren ebenfalls Winterdienstarbeiten im Gange, der Flugbetrieb allerdings lief normal. Wie eine Sprecherin am Samstag sagte, gab es am Morgen keine Behinderungen oder gar Streichungen von Flügen. „Alles ist normal und im Rahmen des Üblichen“, sagte sie. Der Flughafen gehe davon aus, dass es auch für den Rest des Tages so bleibe.

Auch im europäischen Ausland gibt es teils Beeinträchtigungen. Der Flughafen in der schottischen Stadt Glasgow stellte seinen Betrieb am Samstag wegen starker Schneefälle ein. Starke Schneefälle führten auch in Tschechien zu Verkehrsproblemen und Stromausfällen.

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Foto: Antonia Zup

Schneechaos auf Straße und Schiene in weiten Teilen Bayerns

Auch U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen fuhren in der bayerischen Landeshauptstadt zunächst nicht mehr. Die Polizei in München riet von Autofahrten ab. Bürger sollten „dringend auf unnötige Fahrten verzichten“ und nur fahren, „wenn es unumgänglich“ sei, sagte ein Sprecher am Samstagmorgen. Autos sollten mit Winterreifen ausgestattet sein und die Fahrer auf angepasste Geschwindigkeit achten.

Angesichts des starken Schneefalls sei die Lage im Verkehr „äußerst herausfordernd“, Räumdienste seien im Einsatz. Zudem sollten Fußgänger auf herabfallende Gegenstände wie zum Beispiel Zweige oder Schnee von Hausdächern achten. Dem Deutschem Wetterdienst zufolge bleibt es zunächst bei dem winterlichen Wetter. Erwartet werden im Süden und Südosten bis zum Nachmittag andauernde, teils kräftige Schneefälle.

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Foto: ADAC

Auf den Straßen im südlichen Bayern gab es zahlreiche Unfälle - bei den meisten blieb es laut Polizei bei Sachschäden. Der starke Schneefall verursachte lange Staus auf den Autobahnen. Auf der A8 in Richtung Salzburg erstrecke sich nahe München ein Stau bereits auf 30 Kilometer, sagte eine Sprecherin des ADAC am Samstagvormittag. Deutschlandweit gebe es aktuell 96 Staus mit mehr als zehn Kilometern Länge - sämtliche in Bayern. Auch die A6 und die A9 seien stark betroffen.

Der Automobilclub empfehle, vorübergehend auf nicht notwendige Autofahrten zu verzichten und wenn, dann nur mit Winterausrüstung zu fahren, sagte die Sprecherin.

Umgestürzte Bäume führten zudem in Teilen Bayerns zu Stromausfällen. Betroffen seien „viele tausend“ Haushalte im Netzbereich von Bayernwerk, und zwar insbesondere in den Bereichen Penzberg, Kolbermoor, Freilassing, Parsberg, Vilshofen, Eggenfelden und Regen, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Serviceteams seien seit der Nacht im Einsatz, um Schäden an Stromleitungen zu beheben und die Stromversorgung wieder herzustellen. Angesichts der angekündigten weiteren Schneefälle sei von weiteren Stromausfällen auszugehen.

Autofahrer stirbt in Baden-Württemberg

Die Polizei von Oberbayern Süd forderte die Bevölkerung auf, zu Hause zu bleiben. Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr und Räumdienste seien im Dauereinsatz. Viele kleinere Straßen außerhalb von Ortschaften seien stark verschneit oder durch umgestürzte Bäume blockiert.

Auch in weiten Teilen Baden-Württembergs verursachten Schnee und Glätte Behinderungen auf Straßen und Schienen. Ein 54 Jahre alter Autofahrer starb bei einem Unfall auf schneeglatter Straße in Emmingen-Liptingen. Fahrgäste müssen beim Zugverkehr besonders im Regionalverkehr mit Ausfällen rechnen, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn (DB) am Samstag mitteilte. Vor allem der Südosten von Baden-Württemberg sowie der Großraum Bodensee seien stark betroffen.

Erhebliche Lawinengefahr in den bayerischen Alpen

Die starken Schneefälle sorgen in den bayerischen Alpen für erhöhte Lawinengefahr. Oberhalb von 1600 Metern herrsche Warnstufe drei der fünfstufigen Skala und damit erhebliche Lawinengefahr, teilte die Lawinenwarnzentrale des Bayerischen Landesamts für Umwelt am Samstag mit.

Das Hauptproblem sei der Neuschnee. Schon ein einzelner Wintersportler könne Schneebrettlawinen auslösen. Im felsigen Steilgelände könnten Lockerschneelawinen von selbst abgehen. Teils könne es auch an steilen Wiesenhängen zur Selbstauslösung von Gleitschneelawinen kommen. „Insgesamt ist die Schneehöhe für die Jahreszeit in allen Höhenlagen überdurchschnittlich“, schreiben die Lawinenexperten.

Unter 1600 Metern sei die Lawinengefahr trotz der Schneemassen mäßig. Der Altschnee unter dem frischen Schnee Altschnee sei feucht bis nass und die Bindung zum Neuschnee gut. Schon am Sonntag sollen die Niederschläge weitgehend aufhören. Die Lawinengefahr werde in den nächsten Tagen langsam zurückgehen.

Tausende Haushalte ohne Strom

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Foto: Stefan Singer

Tausende Haushalte im Netzbereich von Bayernwerk seien ohne Strom, sagte ein Sprecher am Samstag. Schwerpunkte seien der Raum um München sowie die Bereiche Penzberg, Kolbermoor, Freilassing, Parsberg, Vilshofen, Eggenfelden und Regen. Bäume seien auf Leitungen gestürzt, teils seien Leitungen durch die Schneelast beschädigt oder gerissen. Er warnte, sich herunter hängenden oder am Boden liegenden Leitungen zu nähern.

Serviceteams seien seit der Nacht im Einsatz, um Schäden an Stromleitungen zu beheben und die Stromversorgung wieder herzustellen. „Wir kommen bei der Wiederversorgung gut voran, aber es sind nach wie vor viele tausend Haushalte betroffen“, sagte der Sprecher. Außerdem kämen laufend neue Störungen dazu. „Was wir momentan spüren: Dass mit der Witterung das Erreichen der Störungsorte schwieriger wird. Es sind speziell in Oberbayern viel Straßen und Zufahrten gesperrt. Aber wir bleiben dran.“

Bundesliga ebenfalls betroffen

Wegen der starken Schneefälle wurde auch das Bundesliga-Heimspiel des deutschen Fußball-Meisters FC Bayern München an diesem Samstag (15.30) gegen den 1. FC Union Berlin abgesagt. Hintergrund seien auch die mit dem Schneefall verbundenen Sicherheitsrisiken. Das teilte Union Berlin mit. Lesen Sie hier mehr dazu.

Der FC Augsburg hingegen geht trotz des heftigen Wintereinbruchs im Süden Deutschlands davon aus, dass das Heimspiel an diesem Sonntag (19.30 Uhr/DAZN) gegen Eintracht Frankfurt wie geplant stattfinden kann. Das teilte der Fußball-Bundesligist am Samstag auf seiner Internetseite mit.

„Wir tun alles dafür, dass das Spiel ausgetragen werden kann. Etliche Mitarbeiter sind fast rund um die Uhr im Einsatz, sodass wir davon ausgehen, dass die Partie stattfindet“, sagte Augsburgs Geschäftsführer Michael Ströll: „Sollte sich die Lage verändern, werden wir umgehend informieren.“

In Österreich sind ebenfalls zwei für Samstag geplante Spiele der Fußball-Bundesliga wegen des massiven Schneefalls abgesagt worden. Betroffen waren die Partie zwischen der WSG Tirol und Rapid Wien sowie das Treffen von Red Bull Salzburg und dem Wolfsberger AC, teilte die Liga mit. Auch in der 2. Liga gab es zwei Absagen.

Bahnbetrieb an Zugspitze eingestellt

Einen Tag nach dem Start der Skisaison an der Zugspitze ist wegen der starken Schneefälle der Bahnbetrieb an Deutschlands höchstem Berg eingestellt worden. „Wir haben die Zugspitze komplett geschlossen“, sagte die Sprecherin der Bayerischen Zugspitzbahn, Verena Tanzer, am Samstag. Weder die Seilbahn noch die Zahnradbahn könnten fahren.

Es herrsche erhebliche Lawinengefahr, zudem gebe es Schneebruch auf der Strecke der Zahnradbahn. Bäume seien umgestürzt und versperrten die Gleise. „Die Mitarbeiter sind gar nicht erst nach oben gekommen.“ Auch die Straße zum Eibsee zur Talstation der Zugspitzseilbahn sei schwer befahrbar gewesen; ein Bus sei von der Straße abgekommen und in den Graben gerutscht.

Tanzer zeigte sich aber optimistisch, dass am Sonntag die Bahnen an der Zugspitze wieder fahren könnten. Nicht zuletzt sagt der Deutsche Wetterdienst für den Sonntag strahlenden Sonnenschein bei frostigen minus 18 Grad an – perfektes Skiwetter.

Bis zu 40 Zentimeter Neuschnee im Allgäu

In den anderen Bundesländern war es zwar zumeist auch frostig kalt, Unfälle wurden jedoch vorerst nicht gemeldet. Hamburg meldete fünf Zentimeter Neuschnee. Die Räumfahrzeuge seien im Einsatz, hieß es.

Dem Deutschen Wetterdienst zufolge werden im Allgäu mit 30 bis 40 Zentimetern bis Samstagnachmittag die höchsten Neuschneemengen erwartet. In Sachsen seien Neuschneemengen von zehn Zentimetern möglich. Darüber hinaus werden an der Nord- und Ostseeküste sowie im angrenzenden Binnenland häufige Schneeschauer erwartet, die sich im Laufe des Tages bis zum nördlichen Mittelgebirgsraum ausbreiten. Tagsüber werde verbreitet leichter Dauerfrost erwartet. Nur entlang des Rheins und im Emsland sowie unmittelbar am Meer bleibe es vorübergehend an einigen Stellen frostfrei.

In der Nacht zum Sonntag müsse vor allem in Schleswig-Holstein und im südwestlichen Bergland mit strengem Frost mit Tiefstwerten zwischen minus 10 und minus 15 Grad gerechnet werden, hieß es weiter.

Schneemassen in München.

Schneemassen in München.

Foto: dpa/Felix Hörhager

Nach den schweren Schneefällen an den Alpen und im Erzgebirge werden in der Nacht zu Sonntag etwas weniger Flocken erwartet, wie der Meteorologe Robert Hausen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach am Samstag mitteilte.

(hebu/dpa)
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