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Estland: Schießerei in Verteidigungsministerium

Estland : Schießerei in Verteidigungsministerium

Tallinn (RPO). Im Verteidigungsministerium Estlands ist es am Donnerstag zu einem dramatischen Zwischenfall gekommen: Ein Mann drang in das Gebäude in der Hauptstadt Tallinn ein, schoss um sich und nahm zwei Menschen als Geiseln, wie die Polizei mitteilte. Der Schütze kam dann bei einem Schusswechsel mit einem Sondereinsatzkommando der Polizei ums Leben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ging um 15.08 Uhr ein Notruf aus dem Ministerium ein. Die Polizei sei darüber informiert worden, dass ein unbekannter Mann in das Hauptgebäude des Verteidigungsministeriums eingedrungen sei und mit einer Pistole geschossen habe, sagte eine Sprecherin. Zudem sei eine Rauchbombe in das Gebäude geworfen worden. Zwei Menschen seien als Geiseln genommen, inzwischen aber befreit worden.

Ein Polizeisprecher hatte der Nachrichtenagentur Delfi zunächst gesagt, dass der Schütze sich während des Einsatzes das Leben genommen habe und die Geiseln unversehrt entkommen konnten. Der Staatsanwaltschaft zufolge kam der Schütze jedoch bei einer Schießerei mit der Polizei ums Leben.

Bei dem Angreifer handelte es sich dem estnischen Ministerpräsidenten Andrus Ansip zufolge um den 1954 in Armenien geborenen Anwalt Karen Drambjan. Dieser habe 1990 die estnische Staatsangehörigkeit erhalten, sagte Ansip der Agentur Delfi. Er sei Mitglied einer kleinen linksgerichteten Partei gewesen, die nicht im Parlament vertreten sei.

"Es ist frustrierend", sagte Ansip demnach. "Offenbar ließ er sich von den Ereignissen in Norwegen inspirieren", sagte der Regierungschef mit Blick auf den Doppelanschlag vom 22. Juli mit 77 Toten in Norwegen. Das Motiv Drambjans sei allerdings unklar, sagte Ansip.

Verteidigungsminister Mart Laar hielt sich zur Zeit des Vorfalls nicht in seinem Büro auf, wie sein Ministerium mitteilte. Auch der politische Berater im Verteidigungsministerium Luukas Kristjan Ilves, Sohn des estnischen Präsidenten Toomas Hendrik Ilves, war nicht im Gebäude.

Die Polizei riegelte die Umgebung des Ministeriums ab und brachte die Mitarbeiter an einen sicheren Ort. Spezialisten überprüften das Gebäude am Abend noch auf seine Sicherheit. Erst nach Abschluss der Untersuchung dürfe das Ministerium wieder betreten werden, erklärte die Polizei.

(AFP/AP/ila)