Saarland: Heftige Debatte um lesbisches Prinzessinnenpaar

Zunächst von Wahl ausgeschlossen : Heftige Debatte um lesbisches Prinzessinnenpaar im Saarland

Eine Entscheidung des saarländischen Karnevalsverbands schlägt hohe Wellen. Ein lesbisches Paar war von der Wahl zum saarländischen Prinzenpaar des Jahres ausgeschlossen worden. Nun gibt es eine Einigung. Gewinnen wird das Paar trotzdem nicht.

Die Karnevalsgesellschaft Die Rebläuse e.V. in Kleinblittersdorf hatte am Mittwoch auf ihrer Facebookseite mitgeteilt, dass ihr Prinzessinnenpaar Heike II. und Ute I. traurigerweise von der Wahl zum Prinzenpaar des Jahres ausgeschlossen worden sei. Der Präsident der Karnevalsgesellschaft schreibt: „Auf Nachfrage wurde mir die lapidare Antwort gegeben: "Es ist richtig, dass bei der Wertung nur das klassische Prinzenpaar nach Tradition und Brauchtumspflege Mann und Frau gewertet werden (sic!)" - Der Verband Saarländischer Karnevalsvereine e. V. nennt es Tradition und Brauchtumspflege, wir nennen es schlichtweg Homophobie und diese Ausgrenzung ist für uns einfach nicht zu dulden.“

In hunderten Kommentaren wurde die Empörung über die Entscheidung des Verbandes Saarländischer Karnevalsvereine (VSK) geteilt. „Diskriminierend ist sowas in der heutigen Zeit“ heißt es etwa oder „Unfassbar! Gibt leider immer noch Herrschaften, die im letzten Jahrhundert hängen geblieben sind.“

Der in die Kritik geratene Verband teilte zunächst am Mittwochabend mit, bisher habe sich „die Auffassung ergeben, dass die traditionellen Repräsentanten des saarländischen Brauchtums ein Prinzenpaar, bestehend aus Prinz und Prinzessin darstellen.“ Der Verband habe aber durch die nun angestoßene Debatte „sehr wohl wahrgenommen, dass diese Festlegung an die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung angepasst werden muss.“ Dies solle nun besprochen und entschieden werden.

In der Mitteilung des Verbandes heißt es, dieser stehe für eine offene, bunte und vielfältige Gesellschaft, egal welcher Herkunft, welchen Geschlechtes, welcher Sexualität, welcher Hautfarbe, welche Religion ein Mensch angehört. Jegliche Unterstellung einer homophoben Haltung werde zurückgewiesen.

Am Freitagabend kam dann aber die Wendung. Auf seiner Facebookseite veröffentlichte der saarländische Karnevalsverband eine Mitteilung mit der Überschrift: „VSK lässt gleichgeschlechtliche Prinzenpaare zu!“ – flankiert von einer Regenbogenflagge, dem Symbol der Schwulen- und Lesbenbewegung. In der Mitteilung heißt es: „Gleichgeschlechtliche Prinzenpaare dürfen am Wettbewerb zum ‚Prinzenpaar des Jahres 2020’ des Verband Saarländischer Karnevalsvereine e. V. (VSK) teilnehmen.Das ergab ein Gespräch zwischen VSK, VSK-Jugend und dem betroffenen Verein KG Die Rebläuse e.V. am Freitagnachmittag.“

<aside class="park-embed-html"> <div id="fb-root"></div> <script async="1" defer="1" crossorigin="anonymous" src="https://connect.facebook.net/de_DE/sdk.js#xfbml=1&amp;version=v6.0"></script><div class="fb-post" data-href="https://www.facebook.com/karneval.saar/photos/a.402277783306632/1208565256011210/" data-width="552"><blockquote cite="https://www.facebook.com/karneval.saar/photos/a.402277783306632/1208565256011210/?type=3" class="fb-xfbml-parse-ignore"><p>VSK lässt gleichgeschlechtliche Prinzenpaare zu! 🏳️‍🌈 Gleichgeschlechtliche Prinzenpaare dürfen am Wettbewerb zum...</p>Gepostet von <a href="https://www.facebook.com/karneval.saar/">Verband Saarländischer Karnevalsvereine e. V.</a> am&nbsp;<a href="https://www.facebook.com/karneval.saar/photos/a.402277783306632/1208565256011210/?type=3">Freitag, 17. Januar 2020</a></blockquote></div> </aside>
Dieses Element enthält Daten von Facebook. Sie können die Einbettung solcher Inhalte auf unserer Datenschutzseite blockieren

Allerdings werden Heike II. und Ute I. nicht die Siegerinnen sein, das steht schon jetzt fest. In der gemeinsamen Mitteilung der Rebläuse und des Karnevalsverbands heißt es, die beiden würden nicht antreten. „Sie wollen durch ihren höheren Bekanntheitsgrad den Wettbewerb nicht verzerren. Zur Veranstaltung selbst werden Heike II. und Ute I. kommen und mit den anderen Prinzenpaaren mitfiebern.“

(hebu/dpa)