"Schuldenatlas 2012": Ruhrgebiet hat die höchsten Schuldnerquoten

"Schuldenatlas 2012" : Ruhrgebiet hat die höchsten Schuldnerquoten

Trotz der bislang stabilen Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt wächst die Zahl der überschuldeten Bundesbürger wieder. Fast jeder zehnte erwachsene Deutsche kann derzeit seine Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen. Die Situation im Westen und im Ruhrgebiet ist besonders kritisch.

Das geht aus dem am Donnerstag in Düsseldorf vorgestellten "Schuldneratlas 2012" der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hervor. Danach erhöhte sich in den vergangenen zwölf Monaten die Zahl der überschuldeten Privatpersonen um rund 190.000 auf bundesweit 6,6 Millionen Betroffene.

Das entspricht einer Steigerung von drei Prozent. 2011 hatten die Experten noch einen Rückgang der Verschuldung verzeichnen können.

Unterschiede in den Regionen

Es gibt nach wie vor erhebliche Unterschiede zwischen den Regionen in Deutschland. Die niedrigsten Schuldnerquoten weisen weiterhin Bayern und Baden-Württemberg auf.

Die höchsten Überschuldungsraten gibt es in Bremen, Berlin und Sachsen-Anhalt. Nordrhein-Westfalen landet im unteren Mittelfeld mit einer Quote von 11,17 Prozent. Auffällig ist, dass alle fünf ostdeutschen Länder Rückgänge von Schuldnerquoten und Schuldnerzahlen aufweisen.

"Sorgenkind" ist das Ruhrgebiet

Das "eigentliche Sorgenkind" laut Schuldenatlas ist der Westen, an vorderster Front das alt-industriell geprägte und strukturschwache Ruhrgebiet mit den Städten Gelsenkirchen 16,24 Prozent, Duisburg (15,25 Prozent) und Dortmund (13,86 Prozent), deren Einwohner am häufigsten überschuldet sind.

Die Kreise mit der niedrigsten Schuldnerquote sind Eichstätt mit 3,8 Prozent, Erlangen-Höchstadt (4,64 Prozent) und Schweinfurt (4,86 Prozent). Das Gegenbeispiel bilden die Städte Bremerhaven (18,32 Prozent), Wuppertal (18.09 Prozent) und Pirmasens mit 18 Prozent. Eine Übersicht über die Schuldnerquoten in den Städten in der Region finden Sie hier.

Scheidung und Krankheit als Grund

Wesentlicher Grund für die Zunahme in diesem Jahr sei eine vermehrte Verschuldung durch das Konsumverhalten, erklärte Creditreform. Weitere Ursachen seien Scheidungen und Krankheit.

Auslöser wie Arbeitslosigkeit und gescheiterte Selbstständigkeit hätten dagegen "zumindest vorläufig an Bedeutung verloren, was zum Großteil auf die noch relativ stabile Konjunkturentwicklung in Deutschland zurückzuführen sein dürfte", erklärte Creditreform.

Angst vor Inflation und Zinsniveau

Die Angst vor Inflation und das niedrige Zinsniveau für Sparkonten verleite derzeit viele Konsumenten dazu, sich aufgeschobene Konsumwünsche zu erfüllen. Doch könne dies am Ende vor allem einkommensschwache Haushalte überfordern, heißt es in der Untersuchung.

War die Überschuldung lange Zeit eine Domäne des männlichen Geschlechts, so holen die Frauen mittlerweile auf. Zwischen 2004 und 2012 stieg die Zahl der überschuldeten Frauen von 2,1 auf 2,4 Millionen, während gleichzeitig die Zahl der betroffenen Männer von 4,5 auf 4,2 Millionen sank.

Bedenkliche Veränderung bei Senioren

Hier spiegelten sich die veränderten Lebensformen und Rollenbilder wider, heißt es in der Untersuchung. Insbesondere als Alleinerziehende oder gleichberechtigte Einkommensbezieherinnen müssten Frauen immer häufiger für auflaufende Schulden geradestehen.

Bedenklich stimmt die Verfasser der Studie die starke Zunahme der Überschuldung bei Älteren. Sowohl in der Altersgruppe von 50 bis 59 Jahre, als auch in der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen sei die Überschuldung zuletzt überproportional angestiegen. Dagegen ging die Schuldnerquote der jüngten Verbrauchergruppe, der 18- bis 20-Jährigen, leicht zurück.

Hier geht es zur Infostrecke: "Schuldenatlas 2012" für Deutschland

(rpo/apd/nbe/sap/jco)