Nach Hitlergruß und „White Power“-Ruf „Rock am Ring“-Veranstalter halten an umstrittener Metal-Band fest - Fans laufen Sturm

Düsseldorf · Der Frontman der US-amerikanischen Metal-Band Pantera war mehrfach mit rassistischen Äußerungen aufgefallen. Als sie als Headliner von „Rock am Ring“ 2023 angekündigt wurden, hagelte es Kritik. Die Veranstalter halten trotzdem an dem Auftritt fest.

 Beim Rock am Ring-Festival 2023 soll die Metal Band Pantera auftreten. Deren Frontmann war jedoch 2016 mit rassistischen Parolen aufgefallen.

Beim Rock am Ring-Festival 2023 soll die Metal Band Pantera auftreten. Deren Frontmann war jedoch 2016 mit rassistischen Parolen aufgefallen.

Foto: dpa/Thomas Frey

Anfang Juni wird es auf dem Nürburgring und im Nürnberger Volkspark Dutzendteich wieder lauter als ohnehin schon, denn die Kult-Festivals „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ finden wieder statt. Mit dabei, die US-amerikanische Metal-Band Pantera, die in den 80ern gegründet wurde, sich allerdings 2003 getrennt hat. Für 2023 kündigte Pantera im vergangenen Jahr eine Reunion-Tour an. Bei „Rock am Ring“ und „Rock im Park“, die an verschiedenen Orten stattfinden, sich aber das Line-up teilen, soll die Band als Headliner mit dabei sein.

Doch der geplante Auftritt von Pantera sorgt derzeit für jede Menge Entsetzen. Denn Frontmann Phil Anselmo war 2016 mit einem Video viral gegangen, das den Sänger bei einem zu Ehren des verstorbenen Bandkollegen Dimebag Darrell veranstalteten Auftritts zeigte. In dem Video zeigt Anselmo den Hitlergruß und ruft „White Power“ in die Menschenmenge.

Viele Festivalgänger forderten deshalb, die Band wieder auszuladen. Unter anderem meldeten sich auch die Nürnberger Grünen zu Wort, die die Ausreden des Frontmanns Anselmo zum Zeigen von Nazi-Symbolen als verharmlosend empfinden und daher für ebenso problematisch halten wie die Äußerungen selbst.

Auch der Ort des Events wird kritisiert: Denn während „Rock am Ring“ auf dem Nürburgring in der Eifel stattfindet, gehört bei Rock im Park das Zeppellinfeld in Nürnberg zum Festival-Gelände - und an genau dieser Stelle befand sich früher das Reichsparteitagsgelände der Nationalsozialisten: „Dass die Band ihre Reunion ausgerechnet in 2023 plant und diese auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände feiern will, überschreitet deutlich die Grenze des Tragbaren“, erklärten die Nürnberger Grünen. Das Gelände sei ein Ort der Täter und ein Ort der Mahnung.

Die Veranstalter von „Rock am Ring“ haben sich inzwischen zu Wort gemeldet. Das Festival setze auf Diversität, Toleranz, Gleichberechtigung und sei gegen jede Form von Diskriminierung und man habe sich im Vorfeld mit der Band und deren Managern zusammengesetzt. „In mehreren Gesprächen wurde uns glaubwürdig versichert, dass Phil Anselmos Verhalten von 2016 in keinem Fall die Ansichten der Band widerspiegelt und er sein Auftreten aufrichtig und tief bereut“, schreiben die Veranstalter auf Instagram.

Frontmann Anselmo habe sich mehrfach für seine Aussagen entschuldigt und übernehme die Verantwortung für sein Verhalten von damals. Er distanziere sich zudem davon. Daher der Entschluss der Rock am Ring-Macher: „Wir haben daraufhin beschlossen, der Band Pantera eine Chance zu geben und somit unzähligen Rockfans den Traum zu erfüllen, das Werk von Pantera noch einmal live zu erleben.“

Darüber zeigen sich in den Kommentarspalten bei Instagram viele Menschen empört. „Von Diversität und Gleichberechtigung schwafeln verliert leider jegliche Glaubwürdigkeit“, schreibt ein User. Ein anderer hält dagegen: „Er distanziert sich von seinem damaligen Verhalten. Außerdem geht man doch zu Rock am Ring wegen der Musik und nicht wegen irgendwelchen schwachsinnigen politischen Ansichten.“ Doch das sei eine sehr weiße Perspektive kritisieren wieder andere: „Das ist so schwach. Wir (nicht-weiße Menschen) können uns auf den Festivals nicht sicher fühlen, weil sich das RAR-Team nicht mit uns solidarisiert!!“

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