Er saß schon vier Jahre im Gefängnis: Richter sprechen Harry Wörz frei

Er saß schon vier Jahre im Gefängnis : Richter sprechen Harry Wörz frei

Mannheim (RPO). Zwölf Jahre nach der Tat hat das Landgericht Mannheim den angeklagten Bauzeichner Harry Wörz freigesprochen. Er war angklagt, weil er seine Frau mit einem Schal fast zu Tode stranguliert haben soll. Im nun abgeschlossenen dritten Indizienproszess folgte der Freispruch. Im ersten Verfahren war Wörz schuldig gesprochen worden.

Damit folgte das Landgericht Mannheim dem Antrag der Verteidigung. Aus Sicht des Landgerichts steht nun der ehemalige Geliebte des Opfers - ein Polizist - unter Tatverdacht.

Die Staatsanwaltschaft hatte neuneinhalb Jahre Haft für Wörz gefordert. Der 43-jährige Installateur und Bauzeichner aus Birkenfeld bei Pforzheim hatte die Tat stets bestritten und sich als Opfer eines Justizirrtums gesehen. Nach dem Urteilsspruch gab es im Gerichtssaal Applaus.

Die Staatsanwaltschaft warf Wörz vor, in der Nacht zum 29. April 1997 seine von ihm getrennt lebende Ehefrau in deren Wohnung nach einem Streit bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt zu haben. Die heute 38 Jahre alte Frau ist seitdem geistig und körperlich schwerst behindert. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft kam nur Wörz als Täter in Betracht. Dafür sprächen DNA-Spuren vom Tatort.

Das Landgericht Mannheim hielt nun jedoch die Ermittlungsergebnisse für "nicht schlüssig" und die Indizien gegen Wörz für "nicht ausreichend". Es deute weit mehr darauf hin, dass der damalige Geliebte des Opfers - ein Polizeibeamter - der Täter war. Auch das Opfer ist Polizeibeamtin gewesen. Der Geliebte habe anders als Wörz auch ein Tatmotiv gehabt, weil er im Konflikt zwischen der damals 26 Jahre alten Polizistin und seiner Ehefrau gestanden habe, sagte der Vorsitzende Richter. Dieser Konflikt habe sich an den Tagen vor der Tat zugespitzt.

Das Landgericht erhob Vorwürfe gegen die damals ermittelnden Beamten, die den verdächtigen Polizeibeamten nur unzureichend überprüft hätten.

Der Fall beschäftigte seit rund zwölf Jahren die Justiz. Zunächst war Wörz 1998 vom Landgericht Karlsruhe zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Er erreichte jedoch die Wiederaufnahme des Verfahrens vor dem Mannheimer Landgericht, das ihn schließlich im Oktober 2005 aus Mangel an Beweisen freisprach. Im Oktober 2006 hob der Bundesgerichtshof den Freispruch wegen Rechtsfehlern auf. Im dritten Prozess, der im April 2009 begann, wurde Wörz nun endgültig freigesprochen. Das Urteil von 1998 wurde aufgehoben.

(AP/pst)
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