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Rave The Planet Parade: Loveparade-Nachfolger zieht Samstag durch Berlin​

„Rave The Planet Parade“ : Loveparade-Nachfolger zieht am Samstag durch Berlin

Am Samstag sollen zumindest für einen Tag die unbeschwerten Seiten der 90er Jahre nach Berlin zurückkehren. Die „Rave The Planet Parade“ will zwar nicht als Nachfolger der Loveparade gelten, aber die Menschen sollen unter dem Motto „Together again“ zusammenkommen.

Loveparade-Gründer Dr. Motte will am Samstag ein neues Musikspektakel auf die Straßen zwischen Kurfürstendamm und Siegessäule bringen. Mit der Loveparade, die dem Techno-Pionier als Marke seit langem nicht mehr gehört und die im Gedränge von Duisburg vor zwölf Jahren katastrophal endete, soll die Neugründung nichts zu tun haben. Das machen die Veranstalter deutlich.

Ein später Nachfolger der mehr als 30 Jahre alten Loveparade ist schon länger im Gespräch. Wegen der Pandemie war er verschoben worden. Nun soll die „Rave The Planet Parade“ endlich steigen. Sie soll zugleich die guten alten Zeiten beschwören und etwas Neues sein. Früher hieß es „Friede, Freude, Eierkuchen“. Jetzt hat Dr. Motte, der bürgerlich Matthias Roeingh heißt, ein Ziel: Die Menschen sollen unter dem Motto „Together again“ auf die Straßen gehen und den Geist der Loveparade weitertragen.

Ein Millionenspektakel wie früher steht nicht an. Laut Polizei sind 25 000 Menschen angemeldet. Laut der Veranstalter könnten es aber auch mehr werden. Neben den Partygängern werden 150 Künstlerinnen und Künstler erwartet. Auch 18 Musikwagen („Floats“) sollen über die rund sieben Kilometer lange Route vorbei am Brandenburger Tor rollen.

Schon in den 90ern fand an der Siegessäule der Höhepunkt des Techno-Spektakels statt. Menschen aus aller Welt - egal ob jung, alt, nackt, angezogen, mit oder ohne Glitzer im Gesicht - tanzten dort. Es waren Bilder, die ein Jahrzehnt und eine Generation geprägt haben.

Zum alternativen Geist passt, dass dieses Mal 25 bedingungslose Grundeinkommen von 12 000 Euro im Jahr verlost werden sollen. Neben den alten Werten der Loveparade aus den 90ern wie Liebe, Frieden, Diversität und natürlich Musik gehören jetzt Nachhaltigkeit und Umweltschutz dazu. Deshalb ist eine Müllsammel-Aktion geplant. Müll soll generell vermieden werden. Zigarettenkippen auf den Boden werfen - ein Tabu. Und die Veranstalter ermahnen die Raver: Glitzer ist Plastik.

Die Parade versteht sich als eine politische Demonstration und hat einige Forderungen. Dazu gehört die Anerkennung und der Erhalt der elektronischen Tanzmusikkultur als kulturelle Leistung. Die Berliner Technokultur soll immaterielles Kulturerbe der Unesco werden.

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Dr. Motte hatte die Loveparade vor mehr als 30 Jahren in Berlin gegründet. 1989 war sie noch ein kleines Fest, bei dem 150 Technofans Kurfürstendamm tanzten. Fünf Jahre später feierten 120 000 Raver und zehn Jahre später 1,5 Millionen. Der Veranstalter wechselte, die Parade ging aus Berlin weg. Dann kam das Jahr 2010. Wegen der überfüllten Loveparade von Duisburg starben 21 Menschen, mehr als 500 wurden verletzt.

Die Berliner Veranstalter distanzieren sich vehement von Duisburg. Das Ganze hätte niemals genehmigt und durchgeführt werden dürfen, sagt Timm Zeiss, Geschäftsführer von Rave The Planet. Berlin hat viel Erfahrung mit großen Veranstaltungen; am Samstag soll es mit den Behörden abgestimmte Sicherheitskonzepte geben. Dr. Motte verweist auf die „gute Zusammenarbeit“ zwischen Polizei, Feuerwehr und dem Rave-The-Planet-Team. „Es wird ein freudiges Event.“ Für den noch 61-Jährigen wird es besonders freudig. Warum? Die Parade findet an seinem 62. Geburtstag statt.

Wer nach dem Umzug nicht genug von Techno und Tanzen hat, kann sich auf die geplanten Aftershow-Partys in verschiedenen Berliner Clubs freuen. „Ich hoffe, dass wir viele Menschen inspirieren, uns nachzuahmen“, sagt Dr. Motte. Es soll die Erkenntnis erwachsen, dass alle Menschen gleich sind - ohne Unterschiede, damit Weltfrieden entstehen könne.

(felt/dpa)