Putzen ist ungesunder als Rauchen

Forscher warnen vor Chemie: Putzen kann so schädlich sein wie 20 Kippen am Tag

Rauchen ist schlecht für die Gesundheit, dessen ist sich jeder Mensch bewusst. Nun haben norwegische Forscher einen Gefahrenherd im Haushalt gefunden, der genauso gefährlich sein kann und alle betrifft.

Laut der Deutschen Krebsgesellschaft stirbt jeder zweite Gewohnheitsraucher an den Folgen. Das weiß aber auch jeder Raucher. Kürzlich haben norwegische Forscher aber eine Studie veröffentlicht, die auf eine ähnlich große Gefahr im Haushalt hinweist: Putzen mit chemischen Reinigungsmitteln.

Wie 20 Zigaretten am Tag

"Menschen, die 20 Jahre lang als Reinigungskräfte gearbeitet oder im Haushalt geputzt haben, haben eine ähnlich stark reduzierte Lungenfunktion wie Raucher, die täglich 20 Zigaretten konsumierten", erklärte Øistein Svanes vom Department of Clinical Science der Universität von Bergen.

Für ihre Studie untersuchten die Forscher die Daten von rund 6200 Teilnehmern einer europaweiten Erhebung zur Atemwegsgesundheit. Die Probanden, die beim Start der Studie im Schnitt Mitte 30 waren, mussten über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren regelmäßig ihre Lungenfunktionen prüfen lassen.

Frauen besonders betroffen

Das Ergebnis: Je mehr die Tester mit chemischen Reinigern in Berührung kamen, desto deutlicher war die Lungenfunktion beeinträchtigt. Am schwersten betroffenen waren Frauen, die beruflich als Reinigungskräfte arbeiteten. Ihre Lungenwerte waren genauso schlecht wie die von Rauchern, die täglich eine Packung Zigaretten rauchten. Und auch das Risiko für Asthma war um 40 Prozent erhöht.

"Wenn man sich vorstellt, kleine Partikel aus Reinigungsmitteln zu inhalieren, die dazu bestimmt sind, den Boden und nicht die Lungen zu reinigen, ist das vielleicht gar nicht so überraschend", sagte Øistein Svanes. Gesundheitsschädlich seien vor allem chemische Reiniger, die versprüht werden. "Die kleinen Partikel aus den Sprays können nach der Reinigung stundenlang in der Luft bleiben. So können sie tief in die Lunge gelangen, Infektionen verursachen und die Alterung der Lungen beschleunigen."

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Männer sind fahrlässiger

Bei den männlichen Probanden stellten die Forscher hingegen keine Unterschiede zwischen einer angestellten Reinigungskraft und einem Menschen, der nur gelegentlich seine Wohnung putzt, fest. Das lag daran, dass unter den beobachteten Personen zu wenige männliche Reinigungskräfte waren.

Eine Studie der Universität Brüssel aus dem vergangenen Jahr, weist aber auch für Männer auf gefährliche Folgen hin. Laut dieser sei Putzen eine enorme Gesundheitsgefahr für Männer. Grund: Die Herren im Haus benutzten selten Handschuhe oder Schutzmasken.

Mikrofasertücher und Wasser schaffen Abhilfe

Chemischen Reiniger sind vor allem gefährlich, weil diese Mittel viele gesundheitsschädliche Substanzen enthalten können. Darunter fallen unter anderem Säuren, Laugen, Alkohole, Chloride, Biozide, Farbstoffe und Lösemittel.

"Die Kernbotschaft dieser Studie lautet, dass chemische Reinigungsmittel auf lange Sicht sehr wahrscheinlich der Lunge großen Schaden zufügen", sagte Øistein Svanes. Ob im eigenen Haushalt oder beruflich: Die Experten empfehlen, so gut es geht auf Chemikalien zu verzichten und auf Mikrofasertücher und Wasser zu setzen. "Ich würde bei der Reinigung einen Eimer mit Wasser und Seife empfehlen. Sie brauchen nicht viel Chemikalien zum Putzen."

Diese Ergebnisse decken sich auch mit einer britischen Studie der Universität von Surrey aus dem Jahr 2016, die Reinigungsmittel wie Weichspüler und WC-Gel für eine Luftverschmutzung in Gebäuden verantwortlich machte.

(se)