Aufregung um Infotext auf Webseite Familienministerium nimmt Änderungen an Pubertätsblocker-Text vor

Berlin · Das Regenbogenportal der Bundesregierung hat einen Infotext für trans-geschlechtliche Jugendliche verfasst. In die Kritik geriet der Text, weil darin auch Pubertätsblocker angesprochen wurden. Nun hat das Portal auf die Einwände von außen reagiert.

 Für transgeschlechtliche Jugendliche kann eine Pubertät im falschen Körper psychisch sehr belastend sein, das gibt die transgeschlechtliche Politikerin Nyke Slawik in der Debatte um Pubertätsblocker zu bedenken.

Für transgeschlechtliche Jugendliche kann eine Pubertät im falschen Körper psychisch sehr belastend sein, das gibt die transgeschlechtliche Politikerin Nyke Slawik in der Debatte um Pubertätsblocker zu bedenken.

Foto: dpa/Fernando Gutierrez-Juarez

Nach Einwänden gegen einen Text zum Thema „Jung und trans-geschlechtlich“ auf dem Regenbogenportal der Bundesregierung sind dort umfassende Textveränderungen vorgenommen worden. Auf dem Portal hatte es unter anderem geheißen: „Bist du noch sehr jung? Und bist du noch nicht in der Pubertät? Dann kannst du Pubertäts-Blocker nehmen. (...) Diese Medikamente sorgen dafür, dass du nicht in die Pubertät kommst.“ Seit Donnerstagvormittag heißt es dort nun vorsichtiger: „Bist du noch sehr jung? Und bist du noch nicht in der Pubertät? So kannst du deinen Arzt/deine Ärztin fragen, ob dir Pubertätsblocker vielleicht helfen könnten.“

Zu Pubertätsblockern heißt es auf dem Portal: „Diese Medikamente sorgen dafür, dass du nicht in die Pubertät kommst. Das heißt: Dein Körper entwickelt sich erst mal nicht weiter. Weder in Richtung Frau. Noch in Richtung Mann. So hast du mehr Zeit zum Nachdenken. Und du kannst in Ruhe überlegen: Welcher Körper passt zu mir?“

Das Thema Trans-Identität erfährt in den letzten Monaten mehr mediale und politische Aufmerksamkeit. Das liegt auch daran, dass die Bundesregierung an einem Ersatz des über 40 Jahre alten Transsexuellengesetzes arbeitet, das von vielen Menschen als unzeitgemäß, diskriminierend und entwürdigend empfunden wird. Gutachten zur sexuellen Identität oder ein ärztliches Attest sollen künftig als Voraussetzung für eine Änderung des Geschlechtseintrags in Papieren und auch des Vornamens nicht mehr verlangt werden. Transmenschen fühlen sich dem Geschlecht, das ihnen bei Geburt zugeschrieben wurde, nicht zugehörig.

Am Mittwoch hatte „Bild“ unter anderem Ex-Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zu dem Regenbogenportal-Text zitiert: „Pubertätsblocker sind ein großer und schwerwiegender Eingriff in die Entwicklung der Kinder. Es kann nicht sein, dass die Bundesregierung diese Medikamente empfiehlt wie Hustenbonbons!“

Am Donnerstag schrieb Klöckner bei Twitter, dass das Regenbogenportal bearbeitet werde, sei „Beweis, dass die Art der Ansprache und Präsentation, der Umgang mit dem Thema doch nicht so angemessen ist“. Zuvor hatte sie auch getwittert: „Das ist doch irre (...) Bundesregierung empfiehlt sehr jungen, unsicheren Menschen Pubertäts-Blocker.“

Die Website „Regenbogenportal“ ging im Mai 2019 als „Wissensnetz des Bundesfamilienministeriums“ online - es will mit Artikeln und Videos über geschlechtliche Vielfalt informieren. Damals war die jetzige Regierende Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey (SPD), Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Danach amtierten Christine Lambrecht (SPD) und Anne Spiegel (Grüne). Seit 25. April ist Lisa Paus (Grüne) Familienministerin.

Sven Lehmann von den Grünen, der Beauftragte der Bundesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt (ein seit diesem Jahr beim Familienministerium neues Amt) warf Klöckner daraufhin „schäbige Stimmungsmache auf Kosten von trans Kindern“ vor. Das Portal sei „eine Text-Sammlung - keine „Empfehlung“ der Bundesregierung“.

Nyke Slawik, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen und gemeinsam mit ihrer bayerischen Parteifreundin Tessa Ganserer erste Transfrau im Bundestag, betonte bei Twitter, dass die Wirkung von Pubertätsblockern reversibel sei - also umkehrbar. Außerdem würden sie „nur nach gesicherter Diagnose verschrieben, nach vielen Arztbesuchen“. Sie ergänzte: „Stell dir vor, du musst eine Pubertät durchmachen in einem Geschlecht, das nicht deins ist, und was das mit deiner Psyche macht. Und stell dir vor, es gibt medizinische Möglichkeiten das zu verhindern und Leute die dir verbieten wollen, das zu nutzen.“

„Bild“ zitierte Jakob Maske vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte: „Pubertätsblocker einfach pauschal zu empfehlen, halte ich für falsch. Das sind sehr starke Mittel, in der Regel Hormone, die sich nicht nur auf die Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale auswirken, sondern das gesamte Wachstum beeinträchtigen können.“ Man greife in den regulären Wachstumsrhythmus ein, was ein harter Einschnitt sei.

(hf/dpa)
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