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Gustl Mollath: "Psychiatrie — schlimmer als ein schneller Tod"

Gustl Mollath : "Psychiatrie — schlimmer als ein schneller Tod"

In einem Interview hat Gustl Mollath erstmals ausführlich über seine Zeit in der Psychiatrie gesprochen. Es entsteht das Bild eines verbitterten, gekränkten Mannes. Einen Hauptschuldigen hat Mollath bereits ausgemacht.

Sieben lange Jahre saß Gustl Mollath in der Psychiatrie in Bayreuth fest. Gegen seinen Willen. Nun ist er frei. Im Interview mit dem Magazin "Stern" äußert sich der 56-Jährige erstmals ausführlich über die Zwangsunterbringung in der forensischen Psychiatrie. Seit 2006 hat Mollath unermüdlich gekämpft. Gegen seine Ex-Frau, die ihn angezeigt hatte, gegen die Gerichte, Ärzte — den deutschen Staat im Allgemeinen.

Mollath hat um seine Freilassung gerungen, vor allem aber darum, dass man ihm glaubt und die Wahrheit ans Licht kommt. In dieser Zeit hat man Mollath in Interviews und Berichten als besonnen und sachlich argumentierenden Menschen kennen gelernt. Das Gespräch mit "stern" aber beginnt anders. Mollath ist genervt, kurz angebunden, ja fast aggressiv.

"Ich gehe jetzt"

Das Gespräch sei laut "Stern"-Journalisten für zwei Stunden angesetzt. "Nein. 30 Minuten, mehr mache ich nicht", raunzt er. Fotos? "Fotos gibt's gar nicht. Ich gehe jetzt." Mollaths Blick geht in Richtung Tür. Kein optimaler Einstieg für ein Interview.

Doch Mollath bleibt. "Jetzt mal gut aufgepasst", poltert er zynisch weiter. "Ich bin am Dienstag rausgekommen aus dieser wunderschönen freiheitsentziehenden Maßnahme, aus diesem wunderschönen Krankenhaus mit Außenfassaden, die ach so weiß sind."

"Einweisung in die Hölle"

Nein, stellen die "stern"-Journalisten fest, erleichtert wirkt Mollath nicht. Im Gegenteil: "Ja, jetzt entschuldigen Sie mal. Was würden Sie machen, wenn Sie einen Tritt in den Hintern kriegen?" Nun legt Mollath richtig los. Er stänkert gegen die Anstaltsleitung, von der bei seinem Auszug "nur ein süffisantes Lächeln" erhalten habe.

Schon vor Jahren hatte seine damalige Frau ihm gesagt, sie werde ihn "fertig machen". Was dann folgte, beschreibt Mollath nun so: "Mein sogenannter Freispruch endete dann mit der Einweisung in die Hölle der Willkür von Ärzten, Psychologen, Sozialarbeitern. Psychiatrie — mir war klar, das kann bis zum Lebensende bedeuten, schlimmer als ein schneller Tod."

In der Psychiatrie drohten ihm Zwangsmedikationen in hoher Dosis. Mollath berichtet von Patienten, die sich stark übergeben mussten. In solchen Fällen habe das Personal verhalten, als fühle es sich belästigt. "Die schimpfen auf den ein. Da werden Menschen folterähnlichen Umständen ausgeliefert."

Rechtssystem als Hauptschuldiger

Mollath erklärt, wie er mit dieser Situation lernte, umzugehen. "Ich hab mich im Griff, ich habe meinen Körper im Griff." Seine Hoffnung war die "Hoffnung, dass ich nicht aufgebe." Den Hauptschuldigen aber hat er ausgemacht: das "Rechtssystem, das solche Machenschaften auffangen, aufklären und aufhalten müsste."

Und doch habe er viel Zuspruch und Aufmunterung erfahren seit seiner Freilassung. Auf der Straße habe man ihm spontan applaudiert. "Manche geben mir ihre Visitenkarten und bieten Hilfe an." Das habe ihn tief bewegt. "Das macht mich sentimental."

Nein, aggressiv sei er nicht, erklärt Mollath. "Ich bin jetzt draußen, aber ich bin nicht frei."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die ersten Schritte Mollaths in Freiheit

(nbe)