Prozess zu Neonazi-Überfall in Leipzig „Die Straße sah aus wie in einem Kriegsgebiet“

Leipzig · Der überwiegend vermummte Mob war bewaffnet mit Äxten, Eisenstangen und Holzlatten und wütete im Stadtteil Connewitz: In Leipzig hat der erste von mehr als 80 geplanten Prozessen um schwere Ausschreitungen von Hooligans und Neonazis begonnen.

 Die Angeklagten im Gerichtssaal.

Die Angeklagten im Gerichtssaal.

Foto: dpa/Jan Woitas

Zum Auftakt am Donnerstag haben zwei Angeklagte die Aussagen zum Tatvorwurf verweigert. Die 26-Jährigen müssen sich wegen besonders schweren Landfriedensbruchs vor dem Amtsgericht Leipzig verantworten. Laut Anklage sollen die Männer Teil einer etwa 250 Personen starken Gruppe gewesen sein, die am 11. Januar 2016 in einer Straße im Stadtteil Connewitz, einer Hochburg Linker und Autonomer, gewütet hatte.

Die Straße, durch die der Mob zog, glich danach einem Trümmerfeld: Auf mehreren hundert Metern blieb kaum ein Schaufenster ganz, in Geschäften wurde randaliert, Autoscheiben wurden eingeschlagen und Seitenspiegel abgetreten. „Die Straße sah aus wie in einem Kriegsgebiet“, sagte ein Zugführer einer Hundertschaft der Polizei am Donnerstag als Zeuge vor Gericht.

An dem Randale-Tag hatte in Leipzigs Innenstadt das fremdenfeindliche Bündnis Legida seinen Jahrestag zelebriert. Zugleich gab es eine große Gegenveranstaltung.

Die Sprecherin für Flüchtlings- und Migrationspolitik der Links-Fraktion im sächsischen Landtag, Juliane Nagel, erhofft sich von dem Prozess eine Signalwirkung. „Es geht nicht nur um eine Tat – sondern um eine gewalttätige überregionale Neonazi-Vernetzung, die endlich ausgeleuchtet und zerschlagen werden muss.“

(wer/dpa)
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