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Rund 700.000 Opfer: Prozess wegen Betrugs mit Flirt-SMS

Rund 700.000 Opfer : Prozess wegen Betrugs mit Flirt-SMS

Kiel (RPO). Wegen Millionenbetrugs mit Flirt-SMS müssen sich seit Donnerstag sechs Angeklagte vor dem Kieler Landgericht verantworten. Die mutmaßlichen Betrüger sollen zwischen Mitte 2005 und Ende 2008 aus Flensburg und Kiel eine angebliche Partnervermittlung über teure SMS-Premium-Nummern angeboten haben.

Den Kunden wurden dabei keine Flirtpartner vermittelt, sondern sie wurden von professionellen Animateuren zu immer neuen SMS-Kontakten aufgefordert. Der Schaden für die rund 700.000 Opfer wird auf 46 Millionen Euro geschätzt, jede SMS kostete 1,99 Euro.

Drei Angeklagten, die seit neun Monaten in Untersuchungshaft sitzen, wirft die Staatsanwaltschaft gewerbsmäßigen bandenmäßigen Betrug vor, den anderen drei Beihilfe zum Betrug. Laut Anklageschrift war es nie Ziel der Angeklagten, Kontakte zwischen Personen herzustellen, die einen Partner suchen. Stattdessen sollten die Kunden zum Versenden möglichst vieler kostenpflichtiger SMS verleitet werden.

Aktives Anwerben auch per Mail

Die Kunden seien aktiv über Lock-Mails, Anzeigen in Lokalzeitungen und fingierte Profile in Partnerbörsen angeworben worden. "Wäre den Kunden bekannt gewesen, dass die Chat-Partner professionelle Animateure sind, wären sie nie auf das Angebot eingegangen", heißt es in der Anklageschrift.

Die Verteidiger der Angeklagten stellten Befangenheitsanträge, die zunächst abgelehnt wurden. Nun fordern sie, dass alle der über 700.000 Geschädigten namentlich ermittelt werden, um sicherzustellen, dass kein Richter oder Staatsanwalt oder deren Verwandten selbst betroffen sind. Zudem verwiesen sie darauf, dass Kunden von Flirt-Chats sehr wohl wüssten, dass der Partner am anderen Ende nicht real existiere und ihm nur kostenpflichtige Dienstleistungen biete. Zu einer ähnlichen Rechtsauffassung sei schon die Staatsanwaltschaft Bremen gekommen.

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(AP/felt)