Verschwundenes Ehepaar: Prozess um Doppelmord ohne Leichen

Verschwundenes Ehepaar : Prozess um Doppelmord ohne Leichen

Verden (rpo). Vor eineinhalb Jahren ist aus dem niedersächsischen Bessum ein Rentnerehepaar spurlos verschwunden. Seit Montag muss sich der Sohn des Paares vor dem Landgericht Verden verantworten. Ihm wird Doppelmord vorgeworfen; die Leichen wurden jedoch nie gefunden.

Verden (rpo). Vor eineinhalb Jahren ist aus dem niedersächsischen Bessum ein Rentnerehepaar spurlos verschwunden. Seit Montag muss sich der Sohn des Paares vor dem Landgericht Verden verantworten. Ihm wird Doppelmord vorgeworfen; die Leichen wurden jedoch nie gefunden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, seine damals 74 Jahre alten Eltern aus Habgier und Rache getötet zu haben. Der Angeklagte sagte aus, er habe seine Eltern noch im Dezember 2003 gesehen und gehe davon aus, dass sie noch leben. Die beiden Rentner sind seit 22. August 2004 verschwunden. DerHauptverdacht der Ermittler richtete sich schnell gegen den Sohn, derbislang zu den Vorwürfen schwieg.

Der Sohn verbüßte im Sommer 2004 eine Haftstrafe, hatte aber am Tag des Verschwindens der Eltern Hafturlaub, aus dem er erst mit mehrtägiger Verspätung zurückkehrte. Laut Zeugen gab es Streit um Erbangelegenheiten. Vor Gericht sagte der Angeklagte,er könne sich nur noch vage daran erinnern, was er in dieser Zeitgemacht habe. Er habe aber vergeblich versucht, seine Elterntelefonisch zu erreichen. Von einem namentlich nicht genanntenBekannten will er erfahren haben, dass diese vermisst würden.

Der 47-Jährige bezeichnete allerdings das Verhältnis zu seinen Eltern als"kompliziert". Der Vater sei alkoholkrank gewesen. Die Eltern seienmit zunehmendem Alter senil geworden. 2002 habe es "unschöneVorfälle" gegeben, in deren Folge er den Kontakt mit seinen Elterneingestellt habe. Er habe die beiden jedoch nie bedroht oderbeschimpft. Nachbarn und Bekannte hatten dies der Polizei gesagt.Nach Auffassung des Sohnes könnten die Vermissten in Skandinavienoder in Franken untergetaucht sein.

Die Familie besaß in Stade zwei Mehrfamilienhäuser, die zeitweiligauf den Namen des Angeklagten eingetragen waren. Der 47-Jährigesagte, er und seine geschiedene Frau hätten sich jahrelang um dieVermietung und die Sanierung der Altbauten gekümmert. Er habeinsgesamt eine sechsstellige Summe und unzählige Arbeitsstunden indie Häuser gesteckt. Die Eltern hätten die notwendigenSanierungsmaßnahmen jedoch nicht für notwendig erachtet. "Ich hatteden Eindruck, dass meine Eltern jeglichen Beurteilungsmaßstabverloren hatten", sagte der 47-Jährige.

2002 habe er deshalb aufgehört, sich um die Immobilien zu kümmern.Daraufhin ließen die Eltern über einen Zivilprozess die Grundstückeauf ihren Namen zurückübertragen. Der Angeklagte sagte, er habe sichdagegen nicht gewehrt, weil er mit seinen Eltern nicht vor Gerichthabe streiten wollen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagtenvor, aus Rache über die Umschreibung seine Eltern getötet zu haben.

Er sitzt seit dem Ende seiner wegen Betrugs- und Eigentumsdelikten verbüßten Haftstrafe in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft rechnet mit einem aufwändigen Indizienprozess. Das Gericht hat zunächst bis Mai zwölf Verhandlungstermine festgesetzt.

(afp)