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Ärzte wehren sich gegen Vorwürfe: "Privatpatienten sichern Existenz"

Ärzte wehren sich gegen Vorwürfe : "Privatpatienten sichern Existenz"

Düsseldorf (RP). Die Fachärzte wehren sich gegen Anschuldigungen, dass sie Kassenpatienten schlechter behandeln. Sie sitzen in der Zwickmühle und kritisieren das System, das ohne Private nicht funktionieren würde. Der Orthopäde Andreas Gassen und der Neurologe Rudolf Siepen berichten.

12.000 Euro sind ein stattliches Monatsgehalt, das weiß Orthopäde Andreas Gassen. Er nennt aber auch sofort die Gründe, weshalb er im Gegensatz zu vielen Kollegen keinen Grund zum Klagen hat: "Eine gute Praxislage in einer Stadt wie Düsseldorf und natürlich einen Mindestanteil von Privatpatienten", sagt der 45-Jährige. Ohne die Privaten in seiner Praxis stünde er längst nicht so gut da.

Fachärzte verdienen mit Kassenpatienten immer weniger Geld. Ein Punkt — Ärzte werden nach Punkten bezahlt — ist im Rheinland inzwischen nur noch 3,7 Cent wert. Gassen darf 1,2 Millionen Punkte im Quartal abrechnen. Das macht ein Budget von 45 000 Euro — das schnell aufgebraucht ist. Eine Meniskus-Operation etwa verbraucht 5000 Punkte.

Gassen: "Meist behandeln wir darüber hinaus weiter." Reicht er 1,8 Millionen Punkte ein, erfolgt eine Budgetberichtigung. Gassen erhält ein Honorar für nur 1,2 Millionen Punkte. Die restlichen Leistungen hat der Arzt umsonst erbracht. Das sei schmerzhaft, gerade wenn es nicht nur um Arbeitszeit, sondern auch um teure Behandlungen gehe.

Um unbezahlte Behandlungen zu subventionieren, behandelt Gassen Privatpatienten. Deren Meniskus-OP bringt 500 Euro. Eine notwendige Einnahmequelle, die längst nicht für alle sprudelt, weiß Gassen: "In Duisburg müssen sich die Kollegen mit drei bis vier Prozent Privatumsatz begnügen." Der Neurologe Rudolf Siepen (49) in Langenfeld hat rund zehn Prozent Privatpatienten. Auch er sagt: "Ohne Privatpatienten gäbe es meine Praxis nicht." Dann könnte er nicht das technische Niveau bei Anschaffungen halten.

Gerade Fachärzte haben hohe Investitionskosten. Das Darlehen für seine Praxis hat Siepen im Januar nach zwölf Jahren endlich abbezahlt. Allein ein Gerät wie der "Duplex" zur Darstellung von Halsgefäßen kostet 80 000 Euro. Von den Kosten, die er in die Praxis investiert hat, könnte er ein luxuriöses Haus bauen. Zudem haben Spezialisten wie er sechs Jahre studiert und eine zwölfjährige Facharztausbildung gemacht. "Da finde ich es legitim, für seine Arbeit Geld zu erwarten." Vom Erlös müssen zudem sämtliche Sozialabgaben gezahlt werden.

Um so mehr ärgert ihn die derzeitige Diskussion um Vorteilsbehandlung von Privatpatienten. "Ein rein altruistischer Arzt würde außerhalb unseres Systems wirtschaften", sagt Siepen. Außerdem sei es falsch, dass sich Privatpatienten nicht an der Solidargemeinschaft beteiligen. "Wir finanzieren in unserer Praxis quer", sagt Siepen. Ohne ihre Bevorzugung und entsprechende Einnahmen könne er die übrigen Patienten nicht auf dem gleichen Niveau behandeln. Deshalb hält Siepen seine Vorgehensweise für vertretbar.

Hier geht es zur Infostrecke: Was Ärzte bisher verdienten

(RP)