Zu fast drei Jahren Haft verurteilt Priester zwang Jugendliche zur Prostitution und filmte sie beim Sex

Nürnberg/Fürth · In Fürth hat ein Priester in seiner Wohnung Jugendliche missbraucht und sie zu Sex mit Freiern animiert. Das Landgericht Nürnberg-Fürth verurteilte bereits im Frühjahr den Mann wegen schwerer Zwangsprostitution, sexuellen Missbrauchs und weiterer Taten zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und acht Monaten Gefängnis.

 Strafjustizzentrum Nürnberg-Fürth mit Oberlandgericht und Landgericht (Symbolbild).

Strafjustizzentrum Nürnberg-Fürth mit Oberlandgericht und Landgericht (Symbolbild).

Foto: dpa/Daniel Löb

Außerdem ordnete es die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Der Täter war nicht vorbestraft.

Seit 25. August ist das Urteil rechtskräftig. Die Nürnberger Zeitungen hatten zuerst über den Fall berichtet. Nach Kirchenangaben handelt es sich um einen Geistlichen aus dem Bistum Regensburg, Fürth gehört zum Erzbistum Bamberg.

Der Fürther Dekan Andre Hermany sprach in einer ersten Reaktion am Montag von einem „abscheulichen Fall“. Alle Verantwortlichen seines Bezirks seien entsetzt. Zugleich kritisierte er die kircheninterne Informationspolitik. Der Sprecher des Erzbistums Bamberg, Harry Luck, sagte, der Priester habe keinen Seelsorgeauftrag gehabt und in Fürth als Ruhestandsgeistlicher gelebt.

Laut Urteil wurden die Straftaten 2019 und 2020 begangen. Der Priester sei in einschlägigen homosexuellen Dating-Foren unterwegs gewesen und habe sich dort selbst als junger Mann ausgegeben. Er habe so „das Interesse der Jungs“ auf sich lenken, Vertrauen aufbauen und sie dazu bewegen wollen, ihn zu besuchen und Sex mit ihm zu haben.

Dem Richterspruch zufolge genügte ihm das aber nicht: „Er wollte sie als Prostituierte gewinnen, die er ähnlich einem Zuhälter oder einer Puffmutter 'managt', und hierdurch auch Einnahmen aus Vermietung seines Schlafzimmers an seine Escorts erzielen.“ Dafür mussten die Prostituierten jeweils 25 Euro Miete an ihn abführen. Mit heimlichen Filmaufnahmen der sexuellen Handlungen baute er seine pornografische Bibliothek aus. Das Gericht sah dies in 14 Fällen als erwiesen an.

Das Amtsgericht Fürth hatte den Täter bereits am 16. Juni 2021 in erster Instanz verurteilt. Nur hinsichtlich der Rechtsfolgen gab das Landgericht Nürnberg-Fürth der Berufung des Angeklagten statt und milderte die Gesamtstrafe um vier Monate Haft ab.

Der Priester war Ende August 2020 festgenommen worden. Bei einer Durchsuchung seiner Fürther Wohnung ertappten ihn Polizisten, wie er Speichermedien mit kinder- und jugendpornografischen Inhalten in der Toilette entsorgen wollte. Daraufhin musste er vier Monate in Untersuchungshaft verbringen.

Der Geistliche zeigte sich geständig und leistete nach Justizangaben Wiedergutmachungszahlungen an mehrere Geschädigte. Ein psychiatrischer Gutachter bescheinigte ihm Alkoholabhängigkeit. Ohne eine Therapie gehe von ihm weiter Gefahr aus.

(Aktenzeichen JKII Ns 652 60659/20 jug)

(felt/kna)