Polizeigewerkschaft warnt vor Unfällen: Zahl der Miet-E-Scooter begrenzen

Warnung vor zu vielen Unfällen : Polizeigewerkschaft will Obergrenze für Leih-E-Scooter

Seit kaum vier Wochen rollen die Leih-E-Scooter durch deutsche Städte. Jetzt drängt die Polizeigewerkschaft auf eine Begrenzung der Rollerzahlen. Rainer Wendt fordert den Verkehrsminister auf, die Rechtslage zu überdenken.

Elektro-Mietroller sind der Mobilitätshit des Jahres. Zugleich wachsen aber auch die Gefahren durch Scooter im Verkehr. Die Deutsche Polizeigewerkschaft hat sich daher für eine Begrenzung der Zahl von Leih-Elektrotretrollern ausgesprochen. Der Gewerkschaftsvorsitzende Rainer Wendt sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, die Verantwortlichen in den Ländern sollten „bei den Genehmigungen für Verleihfirmen strenge Voraussetzungen schaffen und die Zahl der Fahrzeuge begrenzen“.

Einen Monat nach Zulassung der elektrischen Tretroller zeige sich, dass vor allem Ältere, Sehschwache oder Gehbehinderte, aber auch Kinder speziell beim Überqueren von Straßen unkalkulierbaren Gefahren ausgesetzt seien. Wendt rief Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auf, die „derzeitige Rechtslage noch einmal zu überdenken“.

Die Verordnung, mit der die E-Scooter auf Deutschlands Straßen erlaubt wurden, war am 15. Juni in Kraft getreten. In Düsseldorf bietet seit der letzten Juniwoche Tier als erster Leihanbieter 220 Tretroller an, dazu kommen Fahrzeuge in Privatbesitz. Seither haben sich auch in Düsseldorf Unfälle mit den Mietrollern ereignet. Zeitgleich hatte Tier seine grünen Roller auch in Berlin, München, Frankfurt, Hamburg, Köln, Bonn und Münster aufgestellt.

Die elektrischen Tretroller dürfen nur auf Radwegen fahren, es gelten die gleichen Promillegrenzen wie beim Auto. Die Polizei rät zum Helmtragen - eine Pflicht gibt es allerdings nicht.

Wendt sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, eine Helmpflicht sei „kaum vorstellbar, denn es sind meist Touristen, die diese Fahrzeuge nutzen“. Er kritisierte, viele Rollerfahrer seien noch unsicher beim Bedienen, auch dadurch ereigneten sich immer wieder Unfälle. „Hinzu kommt, dass sich eine große Zahl von Rollerfahrern nicht an die Vorschriften hält und eben doch Bürgersteige befährt, zu zweit rollt oder alkoholisiert fährt.“ Vor allem in den Abendstunden wurde auch in NRW verstärkt beobachtet, dass viele Scooternutzer die Regeln ignorieren.

Die Polizei kontrolliere zwar im Rahmen ihrer Möglichkeiten, sagte Wendt. Allerdings könnten sich die Beamten nur begrenzt um diese spezielle Gruppe von Verkehrsteilnehmern kümmern, da sie bereits mit anderen Aufgaben ausgelastet seien. Bei verstärkten Kontrollen der Scooternutzer in Köln musste Anfang Juli fast jeder zweite Tretrollerfahrer ein Verwarnungsgeld zahlen

(juju/AFP)
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