Überfall auf Berliner Pokerturnier: Polizeichef: "Täter waren Dilettanten"

Überfall auf Berliner Pokerturnier: Polizeichef: "Täter waren Dilettanten"

Berlin (RPO). Nach dem spektakulären Überfall in Berlin auf Deutschlands größtes Pokerturnier sind die Täter weiterhin auf der Flucht. Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch geht aber von einem schnellen Ermittlungserfolg aus. Die Chancen für die Aufklärung "stehen nicht schlecht", sagte er am Montag und der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt fügte hinzu: "Hier waren Dilettanten am Werk".

Es sei bereits ausführliches Videomaterial von Besucherhandys und Überwachungskameras gesichtet worden. Auch der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, meint, dass die Täter angesichts der "Berge von hinterlassenen Spuren sehr schnell" gefasst würden.

Mindestens vier maskierte Täter waren am Samstagnachmittag in das Luxushotel Grand Hyatt am belebten Marlene-Dietrich-Platz gestürmt, wo die European Poker Tour (EPT) Berlin stattfand. Mit vorgehaltener Waffe erzwangen sie die Herausgabe von Geld und flüchteten. Allerdings gelang es einem Wachmann und einem Hotelmitarbeiter, den mit Faustfeuerwaffen und einer Machete bewaffneten Räubern einen Großteil der Beute abzujagen.

Als "sehr mutig" hat der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen e. V. (BDWS), Oliver Arning, das Verhalten des Wachmannes bezeichnet, der einen bewaffneten Täter in den Würgegriff genommen hatte, aber laut Medienberichten selbst nicht bewaffnet war. Er war dann von einem anderen Räuber mit einer Machete bedroht und leicht am Auge verletzt worden.

Security soll auf Deeskalation setzen

Er könne sich zwar zu diesem Fall nicht äußern, da er die konkreten Umstände nicht kenne, betonte Arning. Generell gelte aber, möglichst auf Deeskalation zu setzen. Die Securityleute sollten nicht ihr Leben riskieren. "In Sicherheit bringen ist keine Schande", fügte er hinzu. Allerdings sei schon geboten, die Deeskalationsstufen zu erhöhen, wenn Leib und Leben von Beteiligten in Gefahr sind. Arning verwies zudem darauf, dass die Aufklärungsquote bei Geldraub in Deutschland sehr hoch sei.

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Die Höhe der Beute bezifferte Glietsch auf 242.000 Euro. Zum Zeitpunkt des Überfalls hätten am Tresen 691.000 Euro Startgelder der Teilnehmer des Turniers gelegen. Darüber hinaus informierte Glietsch, dass einer der Täter zwar kurzzeitig seine Pistole verloren, diese aber bei der Flucht wieder aufgehoben und mitgenommen habe.

Dass es bei der Wahl der Notrufnummer der Polizei Wartezeiten gegeben habe, sei ihm nicht bekannt, sagte Glietsch. Er werde das aber prüfen lassen. Mehrere Turnierteilnehmer hatten angegeben, minutenlang in der Warteschleife des Notrufes gewesen zu sein.

Täter waren keine Profis

Wendt kritisierte die zu geringe Anzahl von Sicherheitsleuten für dieses Event. Ein Turnierveranstalter, "der mit solchen Geldsummen in bar hantiert, die offen herumliegen lässt", müsse dafür Sorge tragen, dass auch genügend Sicherheitspersonal da sei, sagte Wendt. Ein einziger Wachmann und ein Hotelpraktikant reichten "da wirklich nicht aus".

Was die Täter angehe, "muss man sagen: Hier waren offensichtlich nicht Profis am Werk, sondern eher Dilettanten. Sowohl die Bewaffnung als auch das Vorgehen der Täter als auch die Berge von Spuren, die sie ganz offensichtlich hinterlassen haben", betonte Wendt, all dies deute schon darauf hin, "dass die Polizei diese Täter sehr schnell ermitteln" werde. Wendt fügte hinzu, "eine neue Dimension gibt es nicht, vielleicht eine neue Dimension von Dummheit, vor laufenden Kameras eine solche Tat zu begehen".

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(DDP/felt)