Pokerturnier-Räuber weiter auf der Flucht: Polizei wertet Flut von Hinweisen aus

Pokerturnier-Räuber weiter auf der Flucht: Polizei wertet Flut von Hinweisen aus

Berlin (RPO). Nach dem spektakulären Überfall in Berlin auf Deutschlands größtes Pokerturnier fehlt von den Tätern weiter eine konkrete Spur. Das teilte die Polizei am Montagmorgen mit. Das Landeskriminalamt gehe einer Flut von Hinweisen nach.

Die Ermittler seien derzeit noch mit der Auswertung der "großen Menge" von Spuren beschäftigt, die sie nach der Tat am Samstag gesichert hätten, sagte eine Sprecherin der Polizei am Montag. Sie seien "zuversichtlich", dass diese zum Ziel führten. Hilfreich seien vor allem die Aufnahmen der zahlreichen Überwachungskameras. "Es gibt relativ viel Material." Außerdem seien vor Ort am Wochenende noch weitere Spuren gesichert worden.

Die Polizei widersprach einem Bericht von "Spiegel Online", wonach die Fahnder die DNA-Spur eines Räuber sichergestellt haben. Die am Tatort gefundenen Spuren seien noch nicht ausgewertet.

Mindestens vier maskierte Täter waren am Samstagnachmittag in das Luxushotel Grand Hyatt am belebten Marlene-Dietrich-Platz gestürmt, wo die European Poker Tour (EPT) Berlin stattfand. Mit vorgehaltener Waffe erzwangen sie die Herausgabe von Geld und flüchteten. Allerdings gelang es Angestellten, den mit Faustfeuerwaffen und einer Machete bewaffneten Räubern einen Großteil der Beute abzujagen.

Komplize unter den Teilnehmern?

Die Ermittler gehen einem Bericht von "Spiegel TV" zufolge zudem davon aus, dass die Räuber einen Komplizen unter den Teilnehmern des Pokerturniers hatten, der das Signal für den Überfall gab. Einem Augenzeugenbericht zufolge hätten die Täter genau zu dem Zeitpunkt zugeschlagen, als die Einnahmen vom Nebentresor zum Haupttresor gebracht werden sollten. Fünf Minuten früher oder später wäre das Geld dem Augenzeugen zufolge sicher verschlossen gewesen.

Wachmann konnte Räuber überwältigen

Laut Polizei konnte einer der Wachmänner einen Räuber kurzzeitig überwältigen. Dann sei er jedoch von den Mittätern attackiert worden und habe ablassen müssen. Bei dem Handgemenge mit dem Wachmann hätten die Täter eine Tasche mit einem größeren Teil ihrer Beute verloren und seien anschließend zu Fuß in Richtung eines Einkaufzentrums am Potsdamer Platz geflüchtet. Konkrete Hinweise auf ein Fluchtauto lägen nicht vor. Mehrere Zeitungen hatten berichtet, dass die Täter in einem schwarzen Pkw davongefahren seien.

  • Überfall auf Poker-Turnier

Zur Höhe der Beute wollte der Polizeisprecher keine Angaben machen. Laut Medienberichten sind die Täter mit rund 200.000 Euro auf der Flucht. Zunächst war von 800.000 Euro die Rede gewesen. Bei der Beute soll es sich um Einnahmen aus der Startgebühr von 5000 Euro je Teilnehmer sowie die Beträge gehandelt haben, die Spieler gegen Jetons tauschten.

Praktikant sichert Teil der Beute

In der "Bild am Sonntag" schilderte ein Augenzeuge, wie die Angestellten den Tätern einen Teil der Beute abjagten. Einem Security-Mann sei es gelungen, einen Täter in roter Jacke zu Boden zu reißen. "Auf dem Boden neben den beiden liegt ein Trommel-Revolver, auf der anderen Seite der Rucksack mit einem Teil der Beute. Ich sehe, wie sich ein junger Hotelangestellter von der Seite heranschleicht und den Rucksack des Gangsters einkassiert", berichtete der Fotograf. Dann sei der Sicherheitsmann von den anderen Räubern attackiert worden.

"Das liegt noch alles wie unter einem Schleier", sagte der 36-jährige Wachmann der "B.Z. am Sonntag". "Ich weiß nur noch, dass ich irgendwie versuchte, diese Typen aufzuhalten und einem der Täter die Pistole entriss, damit er auf niemanden schießen kann." Als ihm einer der Täter den Rücken zukehrte, habe er ihn von hinten gepackt, die Waffe aus der Hand gerissen und versucht, ihn festzuhalten. Dann habe ihn ein Komplize mit einer Machete bedroht. "Wenn ich genau darüber nachdenke, wird mir klar, in was für einer Todesgefahr ich gesteckt habe", erinnerte sich der Zeuge. Auf einer ins Internet gestellten Videoaufnahme war zu sehen, wie entsetzte Spieler und Besucher schreiend aufsprangen und flüchteten.

Becker und Roche unter Teilnehmern

Die Teilnehmer des Pokerturniers waren durch den Überfall in Panik geraten. In dem anschließenden Gedränge wurden nach Polizeiangaben sieben Personen leicht verletzt. Das Turnier, dessen Sieger eine Prämie von einer Million Euro erhalten sollte, war am Samstagabend fortgesetzt worden und sollte am Sonntag enden. Teilgenommen hatten auch Ex-Tennisstar Boris Becker sowie die Moderatorin und Bestseller-Autorin Charlotte Roche. Sie sollen aber bereits ausgeschieden und während des Überfalls nicht anwesend gewesen sein.

Am Sonntag herrschte im Grand Hyatt wieder Normalität. "Alles ist wie üblich und die Restaurants sind gut gefüllt", sagte ein Hotelsprecher. Auf die Frage, ob der Organisator nach dem Überfall mehr Sicherheitspersonal einsetzt, sagte er: "Der Veranstalter hat reagiert."

(DDP/AFP/das)