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Bombenfund an Bonner Hauptbahnhof: Polizei nimmt zweiten Verdächtigen fest

Bombenfund an Bonner Hauptbahnhof : Polizei nimmt zweiten Verdächtigen fest

Neue Entwicklung im Fall des Bombenfunds vom Bonner Hauptbahnhof. Die Polizei ermittelt nach Informationen unserer Redaktion in Richtung islamistischer Terror. Sicherheitskreise haben eine erste Festnahme bestätigt.

Sicherheitskreise haben eine erste Festnahme im Zusammenhang mit dem Bonner Bombenalarm am Montag bestätigt. Die Behörden hätten einen gebürtigen Somalier mit dem Namen Omar D. festgenommen, hieß es am Dienstag. Der Mann sei in der Bonner Islamistenszene sehr bekannt.

Wie der "Bonner General-Anzeiger" berichtet, wurde ein weiterer Verdächtigen gefasst. Die Beamten hätten ihn in der Nähe einer Rheinbrücke am Rande der Bonner Innenstadt ergriffen, berichtet der "General-Anzeiger" online. Die Polizei habe das aber nicht bestätigt. Zeugen wollen aber den ebenfalls den Sicherheitsbehörden bekannten Islamisten Abdirazak B. am Tatort erkannt haben

Omar D. wurde laut "Focus" in der Bonner Innenstadt kurz nach 13.30 Uhr festgesetzt. Er sei von Jugendlichen identifiziert worden. Gegenwärtig werde überprüft, ob er tatsächlich am Tatort auf dem Bonner Hauptbahnhof war. Dies werde anhand von Telefondaten ermittelt.

Polizei fandet mit Phantombild nach Täter

Die Polizei sucht nun mit einem Phantombild nach einem weiteren Verdächtigen. Ein 14-jähriger Schüler berichtete den Ermittlern, dass ein dunkelhäutiger Mann die Tasche abgestellt hat. Auf Grundlage der Angaben dieses Zeugen hat die Polizei Köln nun ein Fahndungsbild des potentiellen Täters erstellt.

Dieser wird wie folgt beschrieben: 30-35 Jahre alt, 190 cm groß, schlanke Statur, dunkle Hautfarbe, schwarze Mütze, schwarze Stiefel, braun-graue Jacke. Die Polizei Köln bittet Zeugen, die Hinweise auf den abgebildeten Mann geben können, sich umgehend mit den Ermittlern unter 0221/229-0 in Verbindung zu setzen.

Nach dpa-Informationen spricht einiges dafür, dass die Täter aus dem internationalen Dschihadismus kommen. Beide seien in der Bonner Islamistenszene sehr bekannt. In Sicherheitskreisen wird vermutet, dass der Generalbundesanwalt und das Bundeskriminalamt am Nachmittag die Ermittlungen übernehmen.

Sicherheitsbehörden gehen von zwei Tätern aus

Die Sicherheitsbehörden gehen offenbar von zwei Tätern aus. Noch ermittelt die Bundesanwaltschaft nicht wegen des Bombenalarms. "Wir sind am Informationsaustausch beteiligt", sagte ein Sprecher lediglich. Die Ermittler in Karlsruhe können nur in bestimmten Fällen Verfahren an sich ziehen, unter anderem beim Verdacht auf terroristische Gewalttaten.

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Noch ermittelt die Bundesanwaltschaft nicht wegen des Bombenalarms am Montag. "Wir sind am Informationsaustausch beteiligt", sagte ein Sprecher lediglich. Die Ermittler in Karlsruhe können nur in bestimmten Fällen Verfahren an sich ziehen, unter anderem beim Verdacht auf terroristische Gewalttaten.

Indes ist immer noch nicht geklärt, ob die Tasche tatsächlich hätte explodieren können. Nach Informationen von "Spiegel Online" aus Ermittlerkreisen befanden sich in dem Gepäckstück Butangas und Ammoniumnitrat sowie ein Metallrohr, ein Wecker und Batterien.

Die Polizei untersucht heute weiter mit Hochdruck das entschärfte Material. Eine verdächtige Tasche hatte am Montag für einen Großeinsatz und für massive Behinderungen des Bahnverkehrs gesorgt. In dem Behälter waren nach Polizeiangaben mehrere mit einem Pulver gefüllte Metallbehälter enthalten. Ob die Konstruktion tatsächlich hätte explodieren können, ist jedoch noch immer unklar.

Die Polizei spricht von "potenziell zündfähigem Material". Am Dienstagvormittag erfuhr unsere Redaktion, dass die Polizei auch in Richung Islamistischer Terror ermittelt.

"Bild.de" hatte berichtet, dass die Polizei nach zwei Salafisten sucht. Zwei Schüler hätten die Islamisten auf Fotos identifiziert. Die Männer seien der Polizei als terroristische Gefährder bekannt. Die Polizei wollte sich zu dem "Bild.de"-Bericht nicht äußern.

Zugverkehr läuft wieder normal

Die Meldung von der geheimnisvollen Tasche auf dem Bahnsteig war am Montagmittag beim Servicepoint der Bahn eingegangen. Der Hauptbahnhof wurde daraufhin gesperrt. Zwei Stunden später beschossen Entschärfer der Bundespolizei die Tasche mit Wasser. Dabei wurde ein "verdächtiger Gegenstand" zerlegt. Sprengstoffexperten des Landeskriminalamtes nahmen die Einzelteile unter die Lupe. Verletzte oder Schäden gab es keine.

Der Bahnhof blieb für mehrere Stunden komplett abgeriegelt. Einige Züge konnten zwar durchfahren, es hielten in dieser Zeit aber keine. Im Nahverkehr fielen Züge aus. Der Fernverkehr wurde umgeleitet. Verspätungen waren die Folge. Der Zugverkehr lief am Dienstagmorgen wieder normal.

Platz wegen herrenloser Tasche gesperrt

Nach dem Bombenalarm im Hauptbahnhof herrscht offenbar höhere Alarmbereitschaft in Bonn. Wie der "Bonner Generalanzeiger" berichtet, war der Konrad-Adenauer-Platz vorübergehend von der Polizei gesperrt worden, weil ein Passant eine herrenlose Tasche entdeckt hatte. Ein Mann hatte das Gepäckstück lediglich vergessen und holte sie kurze Zeit später ab. Die Sperrung wurde daraufhin wieder aufgehoben.

Im September war an einer S-Bahn-Strecke in der Innenstadt von Dortmund auch schon ein verdächtiges Metallteil gefunden worden. Auch damals rückten Sachverständige von Landeskriminalamt und Bundespolizei an. Ein Sprecher der Dortmunder Polizei sagte am Dienstag, das Teil sei an einem sicheren Ort gesprengt worden. Ob es gefährlich gewesen sei, könne er nicht sagen.

(lnw/dpa)