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Partnerschaft und Beziehung: Wenn die erste Liebe ewig währt

Partnerschaft und Beziehung : Wenn die erste Liebe ewig währt

Johannes und Thekla Lichtenberg aus Krefeld sind seit mehr als 70 Jahren verheiratet – einen anderen Partner hätten sie sich nicht vorstellen können. Ebenso geht es Karoline Pajonk und André Groß. Das Paar aus Düsseldorf heiratet im Mai.

Johannes und Thekla Lichtenberg aus Krefeld sind seit mehr als 70 Jahren verheiratet — einen anderen Partner hätten sie sich nicht vorstellen können. Ebenso geht es Karoline Pajonk und André Groß. Das Paar aus Düsseldorf heiratet im Mai.

Nur einmal waren Johannes und Thekla Lichtenberg in ihrem Leben voneinander getrennt. Das wäre an sich sich vielleicht nichts Besonderes, doch die beiden Krefelder sind schon seit mehr als 80 Jahren ein Paar. Es waren gleichzeitig die schwersten Jahre. Als ihr Hannes, wie sie ihn als Einzige nennt, 1941/42 in den Arbeitdienst kam, begann für Thekla eine Zeit der Ungewissheit. "Ich habe jeden Tag für ihn gebetet", sagt die 94-Jährige.

Die beiden schrieben sich Briefe zwischen Moers und Luxemburg. Und um ihren Hannes bei Kräften zu halten, schickte sie ihm ab und an in einem Paket ihren selbst gebackenen gedeckten Apfelkuchen. Der so genannte Frontkuchen, dessen Rezept Thekla während ihrer Hauswirtschaftslehre bei den Nonnen in Kevelaer erlernte, ist bis heute in der Familie hochgeschätzt und wird zu allen freudigen Anlässen serviert.

Offenbar haben ihn ihre Liebe, ihre Gebete und der Gedanke an ihren Apfelkuchen auch am Leben erhalten als er in russische Gefangenschaft geriet. Johannes Lichtenberg gelang es, so gut Russisch zu lernen, dass er entkommen konnte. Im Mai '45 kehrte er aus dem Krieg zurück, "und dann haben wir nicht mehr lange gewartet", sagt Thekla. Am 8. Juni 1946, mit 24 Jahren, gaben sich die Arzthelferin und der Kaufmann das Ja-Wort. Ein Jahr danach kam ihre erste Tochter zur Welt.

"Den ersten Kuss erst nach dem Krieg"

Kennen gelernt haben sie sich mit 14 in der katholischen Jugend in Moers. Theklas Bruder Werner stellten sie einander vor, Johannes hatte da schon bemerkt, "was für eine nette Schwester" sein Freund hatte. Anfangs habe er mehr für sie geschwärmt, meint Thekla. Ihr habe seine offene und ehrliche Art gefallen. Ob das Aussehen nicht auch wichtig gewesen sei? "Doch", sagt Thekla, "er war ein gut aussehender junger Mann". Bis zum Ausbruch des Kriegs seien sie "befreundet" gewesen, wie sie es nennt, die Beziehung habe sich langsam entwickelt. "Den ersten Kuss gab es erst nach dem Krieg, als er wieder bei mir war", sagt Thekla, deren Vater im Krieg umgekommen war.

Ob sie nie daran gezweifelt habe, dass er die Richtige ist? Nie das Gefühl hatte, etwas zu verpassen? Nein, sagt sie bestimmt. "Es wird immer schöner." Sie habe zuvor ein bisschen für andere Jungs geschwärmt, aber er sei ihre erste, einzige und große Liebe. Sechs Kinder haben sie. Drei Töchter und drei Söhne - Ursula, Hans, Bernd, Monika, Harald und Maria -, 17 Enkel und bald 13 Urenkel. Einmal im Jahr feiern alle zusammen - und dann gibt es den Frontkuchen, mit dem sie einst ihren Hannes bezirzte.

Seit etwas mehr als 70 Jahren sind Thekla und Johannes verheiratet. Und nun sind sie zum zweiten Mal in ihrem Leben voneinander getrennt. Kurz vor Weihnachten stürzte der 94-Jährige und ist seitdem in der Kurzzeitpflege. Zudem schreitet seine Demenz fort. Ob er wieder nach Hause kommen kann, ist unklar. Doch immer, wenn er seine Thekla sieht, dann, so berichtet es Sohn Bernd, leuchten seine Augen und er scherzt mit ihr. Und dann fragt er sie: "Thekla, du bleibst doch?" Und sie nickt.

Leslie Brook sprach mit den Eheleuten

Herzensgut, quirlig und engagiert — mit diesen Worten beschreibt der 26-jährige André Groß seine Verlobte Karoline Pajonk. Seit dem 9. Mai 2006 sind die in Düsseldorf lebenden Duisburger ein Paar. Am 9. Mai dieses Jahres, ihrem elften Jahrestag, werden sie heiraten. Anders als wohl die meisten anderen jungen Männer und Frauen ihrer Generation, hatten beide vorher nie einen anderen Partner, haben beide vorher noch nicht einmal eine andere Person geküsst. Er ist ihre erste Liebe, sie ist seine erste Liebe, und — da sind die beiden sich sicher — es ist die große Liebe.

Angebändelt haben die Zahnärztin und der Polizist in der Schule. "Er hat mir auf dem Gang immer zugewunken", erzählt Pajonk. Nachdem er herausgefunden hatte, wie sie heißt, habe er sie in dem Chat-Programm ICQ angesprochen. Aus dem Chatten wurde Freundschaft. "Wir haben immer Computerspiele gespielt", sagt Groß. An einem dieser Tage habe sie ihm plötzlich einen Kuss auf die Wange gegeben, mehr trauten sich beide aber nicht. Erst bei einem weiteren Treffen, am 1. Mai 2006, gab es einen Kuss auf den Mund. "Aber nur ein Bussi", erzählt Pajonk. Acht Tage später beschlossen sie dann, ein Paar zu sein.

Dass sie nie Erfahrungen mit anderen Personen gesammelt haben, stört beide überhaupt nicht. "Ich habe mit einem Freund früher viel darüber gesprochen", erzählt Groß. Auch der Freund sei damals lange Zeit mit seiner ersten Liebe zusammen gewesen, habe aber ständig Angst gehabt, etwas zu verpassen. "Seine Zweifel haben mich aber nur darin bestärkt, wie sicher ich mir mit Karo bin", sagt der 26-Jährige. "Ich wusste immer, dass sie die Richtige ist."

"Ich bekomme jede Woche Blumen"

Und auch Pajonk wollte und will nie einen Anderen. "Er ist der Beste", sagt sie. Lediglich von Bekannten habe sie schon mal zu hören bekommen, dass es doch seltsam sei, nur mit dem einen Mann zusammen gewesen zu sein. Die 26-Jährige lässt das kalt. Lediglich die Umbrüche im Leben der beiden, so etwa ihr Studienbeginn und sein Start an der Polizeischule, fürchtete Pajonk. "Man wusste ja nicht, ob und wie sich unsere Charaktere verändern", sagt sie.

Doch die Sorgen waren umsonst, schließlich steht im Mai die Hochzeit an. Den Antrag machte Groß seiner Freundin Weihnachten 2015 im Beisein beider Elternpaare und seiner Schwester. "Ich weiß nichts mehr von dem Moment", erzählt die 26-Jährige. "Ich war einfach so aufgeregt und konnte danach tagelang nicht schlafen." Bevor Groß um die Hand seiner Karo anhielt, holte er sich noch die Erlaubnis ihres Vaters. "Es war mir einfach wichtig, dass er damit einverstanden ist", so der 26-Jährige.

Seit drei Jahren wohnt das Paar zusammen, im September will es in die Heimat Duisburg ziehen und langsam mit der Familienplanung starten. Trotz der elf gemeinsamen Jahre ist die Liebe der beiden noch frisch. "Ich bekomme jede Woche Blumen", sagt Pajonk. "André ist sehr großherzig und geduldig. Ein echter Teamplayer."

Saskia Nothofer sprach mit dem Paar

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(broo / sno)