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Protokoll des zweiten Tags des Papst-Besuchs: Papst trifft Missbrauchsopfer in Erfurt

Protokoll des zweiten Tags des Papst-Besuchs : Papst trifft Missbrauchsopfer in Erfurt

Berlin (RPO). Der zweite Tag des Deutschlandsbesuch von Papst Benedikt XVI. steht ganz im Zeichen der Ökumene. In Berlin traf er Vertreter des Islam. Die Muslime sprachen von einem "wichtigen Zeichen". Im Anschluss flog der Papst nach Erfurt und traf dort auf die Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland. Danach feiert das Kirchenoberhaupt mit 90.000 Gläubigen einen Gottesdienst. Am Abend traf sich Benedikt XVI. in Erfurt mit Missbrauchsopfern.

+++ 21.20 Uhr: Der Papst habe "bewegt und erschüttert von der Not der Missbrauchsopfer" sein tiefes Mitgefühl und Bedauern bekundet für alles, was ihnen und ihren Familien angetan wurde, hieß es in der Mitteilung. Im Anschluss an dieses Gespräch habe der Papst einige Menschen begrüßt, die sich um die Opfer sexuellen Missbrauchs kümmern.

+++ 21.15 Uhr: Der Papst hat eine Gruppe deutscher Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester getroffen. Wie die Deutsche Bischofskonferenz mitteilte, fand das Treffen am Freitagabend im Erfurter Priesterseminar statt.

+++ 19.45 Uhr: Papst Benedikt XVI. ist vom Eichsfeld wieder in Richtung Erfurt abgeflogen, wo er nächtigen wird.

+++ 19.34 Uhr: Anschließend traf Benedikt XVI. mit dem früheren Ministerpräsidenten von Thüringen, Dieter Althaus (CDU), zusammen. Dessen Töchter hatten auch zu den 1.500 Helfern gehört, die die Pilger auf dem Weg nach Etzelsbach unterstützt hatten.

+++ 18.55 Uhr: Kritik übte Benedikt XVI. am modernen Leitbild der Selbstverwirklichung, die keine wahre Entfaltung des Menschen schaffen könne und "leicht in einen verfeinerten Egoismus umschlägt". Statt dessen verwies auf die Hingabe Marias, wie sie auch in der Pieta-Statue des Wallfahrtsortes Etzelsbach zum Ausdruck komme.

+++ 18.43 Uhr: In Etzelsbach spricht der Papst über die schwierige Lage der Christen in der früheren DDR. Die Menschen der Region Eichsfeld, in der Etzelsbach liegt, hätten immer die Gewissheit gehabt, dort "eine offene Tür und eine Stätte inneren Friedens zu finden", sagte der Papst.

+++ 18.25 Uhr: Der Wortgottesdienst steht unter dem Motto "Wo Gott ist, da ist Zukunft".

+++ 18.25 Uhr: Das Kirchenoberhaupt nimmt Geschenke entgegen. "Als Zeichen der Hoffnung" überreichten Gläubige dem Papst unter anderem ein aus dem ehemaligen Grenzzaun zur Bundesrepublik geschnittenes Kreuz.

+++ 18.07 Uhr: Papst Benedikt XVI. ist unter dem Jubel der angereisten Gläubigen auf der Bühne angekommen. Er trägt ein rot-goldenes Messgewand. Ein Chor stimmt auf den folgende Wortgottesdienst ein.

+++ 17.52 Uhr: Das Papamobil mit dem Kirchenoberhaupt bahnt sich seinen Weg durch die Mengen im Eichsfeld. Über 90.000 Gläubige jubeln dem Papst zu.

+++ 17.50 Uhr: Wie inzwischen bekannt wurde sind auf dem Weg zum Papst-Gottesdienst in Etzelsbach eine Frau und ein vier Monate altes Kind bei einem Unfall schwer verletzt worden. Die beiden waren zusammen mit anderen auf einem Traktoranhänger unterwegs zur Wallfahrtskapelle, wie die Polizei mitteilte. Als der Traktor an einer abschüssigen und feuchten Wiese nahe Günterode bremste, verlor der Fahrer die Kontrolle über das Gespann, das dann umkippte.

+++ 17.38 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat das Verbindende in der Botschaft des Papstes während dessen Deutschlandbesuchs gewürdigt. "Ich glaube, jeder spürt, dass er sein Heimatland gerne hat", sagte Merkel dem ZDF. Er werde von seiner Heimat inspiriert und wende sich trotzdem auch an die Welt.

+++ 17.27 Uhr: Der Papst ist zur Feier einer Marienvesper im thüringischen Eichsfeld eingetroffen. Nahe der Wallfahrtskapelle Etzelsbach landete eine Hubschrauberstaffel der Bundespolizei mit dem Kirchenoberhaupt und Bundespräsident Christian Wulff.

+++ 17.18 Uhr: Papst Benedikt XVI. ist am Nachmittag mit einem Hubschrauber von Erfurt zur Wallfahrtskapelle Etzelsbach im Eichsfeld abgeflogen.

+++ 17.12 Uhr: Der Zuspruch von Gläubigen an der Marienvesper an der Wallfahrtskapelle Etzelsbach im Eichsfeld hat die Erwartungen der Organisatoren weit übertroffen. Nach Angaben der Veranstalter hatten sich bereits am Nachmittag rund 90.000 Pilger auf dem Feld versammelt.

+++ 16.54 Uhr: Der Erfurter Bischof Joachim Wanke hat dem Papst eine fotografische Wiedergabe von sechs bisher unbekannten Predigten des heiligen Augustinus geschenkt. Die Arbeiten des 430 gestorbenen Bischofs und Theologen seien 2007 in der mittelalterlichen Handschriftensammlung "Bibliotheca Amploniana" der Universitätsbibliothek Erfurt entdeckt worden, teilte das Bistum mit.

+++ 16.22 Uhr: Der Thüringer Kultusminister Christoph Matschie (SPD) hat sich enttäuscht von der Papstrede beim ökumenischen Gottesdienst im Erfurter Augustinerkloster gezeigt. Viele hätten auf konkrete Aussagen gewartet, wie der Weg der Kirchen aussehen oder die Spaltung überwunden werden könnte, sagte er. Es gebe weiter viele offene Fragen. Matschie zufolge gibt es innerhalb der katholischen Kirche immer mehr Enttäuschte.

+++ 15.18 Uhr: In der Zwischenzeit pilgern Gläubige in Scharen zur Wallfahrtskapelle nach Etzelsbach. Dort werden mehr als 60.000 Menschen zur Marienvesper erwartet.

+++ 14.27 Uhr: Die mitteldeutsche Landesbischöfin Ilse Junkermann würdigte den Papstbesuch als wichtiges ökumenisches Zeichen.

+++ 14.21 Uhr: Wenige Stunden vor der Ankunft von Benedikt XVI. in Freiburg hat das Aktionsbündnis "Freiburg ohne Papst" 5020 Unterschriften an die Freiburger Stadtverwaltung übergeben, um gegen den Eintrag des Papstes ins Goldene Buch der Stadt zu protestieren. "Damit wird deutlich, dass viel Freiburger eine kritische Auseinandersetzung mit den Positionen der katholischen Kirche fordern", sagte Bündnissprecher Albrecht Ziervogel.

+++ 14.16 Uhr: Schneider, der den Papst als "Bruder in Christus" anredete, ermunterte das Kirchenoberhaupt, Luther als "Scharnier zwischen unseren Kirchen zu verstehen, weil er zu beiden Kirchen gehört". Die Reformatoren hätten die Reformation als Umkehr der Kirche zu Christus verstanden. Mehr zur Rede Schneiders lesen Sie hier>>>

+++ 13.49 Uhr: In seiner Ansprache forderte der Papst Protestanten und Katholiken in Deutschland auf, sich gemeinsam für die Menschenwürde einzusetzen. Dies gelte "von der Empfängnis bis zum Tod, in den Fragen von Präimplantationsdiagnostik bis zur Sterbehilfe", sagte er. Der Glaube müsse sich "in unserem gemeinsamen Eintreten für den Menschen konkretisieren".

+++ 13.33 Uhr: Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider sagte, Protestanten und Katholiken seien in getrennten Kirchen "freundschaftlich verschieden". "Aber damit können wir nicht zufrieden sein", betonte er. "Wir erkennen das Sakrament der Taufe wechselseitig an", worauf die Kirchen bauen könnten.

+++ 13.29 Uhr: Nebeneinander ziehen Papst Benedikt und Nikolaus Schneider von der Evangelischen Kirche aus dem Gotteshaus aus.

+++ 13.23 Uhr: Nach der Ansprache des Papstes wird geistliche Chormusik zur Besinnung gespielt.

+++ 13.16 Uhr: Der Papst dämpft zugleich die Hoffnungen auf schnelle ökumenische Fortschritte. Voraussetzung für größere Gemeinsamkeit sei ein "gemeinsames Hineindenken und Hineinleben in den Glauben". Die Kirchen könnten nicht wie Politiker mit Kompromissen zu Verhandlungsergebnissen kommen.

+++ 13.13 Uhr: In seiner Ansprache sagt der Papst: "Die Frage: Wie steht Gott zu mir, wie stehe ich vor Gott - diese brennende Frage Martin Luthers muss wieder neu und gewiss in neuer Form auch unsere Frage werden. Ich denke, dass dies der erste Anruf ist, den wir bei der Begegnung mit Martin Luther hören sollten." - So die Worte des Heiligen Vaters.

+++ 12.59 Uhr: Göring-Eckardt, Präses der Evangelischen Kirche, sagte in dem Gottesdienst, obwohl Katholiken und Protestanten vieles trenne, seien sie durch die "Sehnsucht nach Gott" verbunden. Unter Bezugnahme auf die Situation der Christen in der früheren DDR mahnte Göring-Eckardt: "Wenn man Mauern zu lange bewacht, Mauern aus Stein und Mauern aus Schweigen, dann brechen sie von innen auf, weil die Menschen von der Freiheit wissen."

+++ 12.56 Uhr: Beim ökumenischen Gottesdienst in Erfurt hält auch die Politikerin Katrin Göring-Eckardt ein geistliches Wort. Anwesend sind außerdem Kanzlerin Merkel und Bundespräsident Wulff.

+++ 12.44 Uhr: Im Augustinerkloster betont der Papst, das Treffen an diesem historischen Ort sei für ihn "ein bewegender Augenblick". Was den Luther umgetrieben habe, "war die Frage nach Gott, die die tiefe Leidenschaft und Triebfeder seines Lebens" gewesen sei. "Theologie war für ihn keine akademische Angelegenheit, sondern das Ringen um sich selbst, und dies wiederum war ein Ringen um Gott und mit Gott." Im Erfurter Augustinerkloster hatte Luther zwischen 1505 und 1512 als Mönch gelebt und dort nach der Priesterweihe 1507 seine erste Messe gelesen.

+++ 12.42 Uhr: Missbrauchsopfer haben in Erfurt vor der Sankt Martinikirche eine Mahnwache abgehalten. Sie wollten damit an die Opfer erinnern, die von Priestern missbraucht worden seien und danach Suizid begangen hätten, erklärte die Sprecherin des internationalen Netzwerks von Missbrauchsopfern.

+++ 12.28 Uhr: Papst Benedikt hat Martin Luther als leidenschaftlichen Gottsucher gewürdigt. Er appellierte an die Kirchen, in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft ein gemeinsames Zeugnis des Glaubens zu geben. Das sei die wichtigste ökumenische Aufgabe.

+++ 12.17 Uhr: Unterdessen sind die Einschaltquoten von Papst Benedikts Tag in Berlin bekannt geworden. ARD und ZDF hätten am Donnerstag gute Einschaltquoten erreicht, allerdings nicht bei den jüngeren Zuschauern. Die Ankunft des Papstes am Vormittag im ZDF sahen nach DWDL-Angaben 950.000 Zuschauer, was einem "sehr guten" Marktanteil von 15,2 Prozent entspreche. Bei den 14- bis 49-Jährigen allerdings sei die Übertragung aus Berlin mit 110.000 Zuschauern (4,4, Prozent) deutlich unter dem Durchschnitt geblieben.

+++ 12.14 Uhr: Beim Ökumenischen Wortgottesdienst trifft der Papst auf die hochrangig besetzte evangelische Delegation, die von Nikolaus Schneider, dem Chef der Evangelischen Kirche in Deutschland angeführt wird.

+++ 12.05 Uhr: Im Augustinerkloster trifft der Papst mit Spitzenvertretern des deutschen Protestantismus zu einem Gespräch und einem ökumenischen Wortgottesdienst zusammen. Erstmals begeht damit ein Papst eine ökumenische Feier in einem evangelischen Sakralgebäude in Deutschland.

+++ 11.51 Uhr: Der Papst ist auf dem Weg ins Augustinerkloster. Dort wird er mit Vertretern der Evangelischen Kirche sprechen.

+++ 11.45 Uhr: Indes wurde bekannt, dass die thüringische Ministerpräsidentin Lieberknecht dem Papst ihre 1982 abgegebene Diplomarbeit über Ökumene als weiteres Gastgeschenk überreicht hat. Wie die Staatskanzlei mitteilte, war Lieberknecht damals auch auf Schriften des Theologen Joseph Ratzinger eingegangen.

+++ 11.33 Uhr: Der Papst besucht nun den Erfurter Dom. Hier wird er vom Erfurter Bischof Joachim Wanke begrüßt.

+++ 11.32 Uhr: Die Rede von Papst Benedikt im Bundestag war nach Worten des Paderborner Erzbischofs Hans-Josef Becker "eine christlich-philosophische Sternstunde für das Parlament". In seinem Vortrag habe der Papst deutlich gemacht, "dass politisch-ethische Orientierung aus dem Glauben nicht nur möglich, vielmehr geboten" sei, sagte Becker.

+++ 11.30 Uhr: Unterdessen wurde bekannt, dass ein 81-jähriger Mann am Donnerstagabend nach der Messe mit Papst Benedikt in Berlin zusammengebrochen und gestorben ist. Wiederbelebungsversuche seien vergeblich geblieben, sagte ein Polizeisprecher. Als Todesursache wird Herzversagen vermutet.

+++ 11.20 Uhr: Der gut 24-stündige Besuch von Papst Benedikt XVI. in Thüringen kostet das Bistum Erfurt rund 11 Millionen Euro. Allein 6 Millionen Euro entfallen nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz auf die Vorbereitung des Pilgerfeldes bei der Wallfahrtskapelle Etzelsbach.

+++ 11.18 Uhr: An der Wallfahrtskapelle Etzelsbach im thüringischen Eichsfeld wurde das Pilgerfeld bereits am frühen Morgen geöffnet. In Etzelsbach soll der Papst am Abend vor mehr als 60.000 Pilgern die Vesper feiern. Für den Anreiseverkehr ist schon seit Mitternacht ein nahes Teilstück der Autobahn 38 gesperrt worden. Es dient als Busparkplatz, von dem die Besucher dann auf mehreren Pilgerwegen zu der Wallfahrtskapelle laufen.

+++ 11.10 Uhr: Im Flughafengebäude spricht Benedikt für wenige Minuten unter vier Augen mit der thüringischen Ministerpräsidentin Lieberknecht. Dabei überreichte die Ministerpräsidentin als offizielles Geschenk des Freistaats Thüringen ein Bild des Erfurter Malers Jost Heyder. Es stellt den Erfurter Domberg mit Mariendom und Severikirche in kubistischem Stil dar.

+++ 11.03 Uhr: Papst Benedikt steigt aus dem Flugzeug und wird von der thüringischen Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht empfangen. Außerdem warten die Regierungschefs von Sachsen und Sachsen-Anhalt, Stanislaw Tillich und Reiner Haseloff (alle CDU) auf den Papst.

+++ 10.55 Uhr: Die Maschine des Papstes ist in Erfurt gelandet.

+++ 10.54 Uhr: Der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki dankt Papst Benedikt XVI. für ein "bewegendes Fest des Glaubens" im Olympiastadion. Das katholische Kirchenoberhaupt habe die Gläubigen in seiner Rede am Donnerstagabend eingeladen, "den Blick nicht auf das Negative zu fixieren, sondern auf Jesus Christus", sagte Woelki .

+++ 10.40 Uhr: Der Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland (KMR) wertet das Treffen mit Papst Benedikt als Impuls für den muslimisch-christlichen Dialog. KRM-Sprecher Aiman Mazyek dankte nach der Begegnung dem Papst in Berlin dafür, dass Benedikt XVI. in aller Deutlichkeit diesem Dialog einen solchen Stellenwert einräume. Das sei ein "wichtiges und wohltuendes Zeichen" gewesen.

+++ 10.07 Uhr: Am Flughafen rollen Helfer den roten Teppich für den Papst wieder ein, die Maschine des Papstes startet.

+++ 10.06 Uhr: Papst Benedikt fliegt nun von Berlin-Tegel nach Erfurt. Nun soll der Tag ganz im Zeichen der Ökumene stehen.

+++ 09.52 Uhr: Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, zeigt sich von den bisherigen Reden und Predigten des Papstes im Bezug auf die Ökumene enttäuscht. Benedikt XVI. habe noch kein ökumenisches Zeichen gesetzt, sagte Dröge im rbb-Inforadio. Der Bischof wörtlich: "Bisher ist es für alle, die auf ökumenische Signale warten, eher enttäuschend."

+++ 09.31 Uhr: Nach dem Treffen mit den Muslimen lobte der Papst: In Deutschland sei zwischen der katholischen Kirche und den muslimischen Gemeinschaften "ein Klima des Respekts und des Vertrauens gewachsen". Christen und Muslime könnten aus ihrem Glauben heraus ein wichtiges gemeinsames Zeugnis in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens geben.