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Besuch in Baden-Württemberg: Papst trifft Altkanzler Helmut Kohl

Besuch in Baden-Württemberg : Papst trifft Altkanzler Helmut Kohl

Lahr (RPO). Tausende Menschen haben Papst Benedikt XVI. am dritten Tag seines Deutschlandbesuchs auf dem Münsterplatz in Freiburg begrüßt. "Wo Gott ist, da ist Zukunft", zitierte der Papst in einer kurzen Ansprache das Motto seiner Reise. Am Samstagnachmittag traf er sich mit Helmut Kohl.

Zum Auftakt seines Freiburg-Besuchs besuchte Papst Benedikt XVI. am Mittag das Freiburger Münster. Er sei gekommen, "um mit euch gemeinsam zu beten, das Wort Gottes zu verkünden und die Eucharistie zu feiern", sagte er zuvor zu den jubelnden Gläubigen. In der vollbesetzten gotischen Kathedrale hielt das Kirchenoberhaupt bei Orgelspiel und Chorgesang eine kurze Andacht und betete das traditionelle mittägliche Angelus-Gebet, den "Engel des Herrn". Anschließend trug er sich in die Goldenen Bücher des Landes und der Stadt ein.

Der Papst sehe den 81 Jahre alten Kohl als "Kanzler der Einheit" und wolle dies beim Besuch in seinem Heimatland deutlich machen, hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, zuvor erklärt. "Ich glaube, das ist eine angemessene Würdigung des Lebenswerkes von Helmut Kohl, für das, was er für die Einheit Deutschlands und für ganz Europa getan hat." Kohl habe zwar Kardinal Joseph Ratzinger mehrfach getroffen, habe jedoch mit ihm als Papst Benedikt XVI. noch nie ein Wort gewechselt.

Kohl war während seiner Regierungszeit mehrfach mit Papst Johannes Paul II. zusammengetroffen, unter anderem bei der Selig- und Heiligsprechung der jüdisch-stämmigen Nonne Edith Stein, die eine zeitlang in Speyer gelebt hatte und in Auschwitz ermordet wurde. 1996 schritt der Kanzler mit dem polnischen Papst durch das Brandenburger Tor.

Erster Besuch eines Papstes in Freiburg

Papst Benedikt XVI. war am Samstagmittag in Baden-Württemberg eingetroffen. Die Maschine der Flugbereitschaft der Bundeswehr landete bei strahlendem Sonnenschein rund 20 Minuten zu früh auf dem ehemaligen Militärflughafen Lahr. Das Kirchenoberhaupt wurde von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch sowie Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon empfangen. Auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sowie Vertreter des Freiburger Domkapitels begrüßten das Kirchenoberhaupt.

Benedikt XVI. ist der erste Papst, der Freiburg besucht. Mit seinen zwei Millionen Katholiken gehört das Erzbistum Freiburg zu den größten der 27 Diözesen in Deutschland. Gastgeber ist Erzbischof Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Anschließend fährt der Konvoi des Papstes über die gesperrte Autobahn A5 die rund 60 Kilometer bis Freiburg.

Messe in Erfurt am Morgen

Zuvor hatte das Kirchenoberhaupt mit 28.000 Gläubigen am Samstagmorgen auf dem Erfurter Domplatz eine Messe gefeiert. Bei strahlendem Wetter lobte der Papst den Widerstand vieler Christen gegen das DDR-Regime. Viele seien trotz aller persönlichen Nachteile Christus und der Kirche treu geblieben. Die politischen Veränderungen des Jahres 1989 seien "nicht nur durch das Verlangen nach Wohlstand und Reisefreiheit motiviert" gewesen, sondern auch "entscheidend durch die Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit".

Zollitsch betonte vorab in einem Zeitungsinterview, dass der Freiburgbesuch für den Papst zu einem bleibenden Erlebnis wird. Freiburg werde sich von seiner schönsten Seite zeigen, sagte er der "Badischen Zeitung". Der Papst werde große Gastfreundschaft erleben und spüren, dass die Menschen mit Freude gemeinsam mit dem Kirchenoberhaupt Gottesdienst feiern wollten.

Zollitsch zeigte sich zugleich überzeugt, dass der Papst auch die Sympathie der Freiburger gewinnen werde. "Die Art und Weise, wie er auftritt, lässt die Menschen spüren: Hier kommt nicht ein Kirchenfürst, hier kommt auch niemand mit erhobenem Zeigefinger." Vielmehr komme Benedikt XVI. als Mann, "der für eine Wahrheit steht, die über diese Welt hinausweist, und der dies in einer schlichten, gewinnenden, freundlichen Weise vermittelt".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Benedikt XVI. feiert Großgottesdienst in Erfurt

(KNA/dapd/top)