Missbrauchsskandal: Papst gibt deutschen Bischöfen Rückendeckung

Missbrauchsskandal: Papst gibt deutschen Bischöfen Rückendeckung

Vatikanstadt (RPO). Papst Benedikt XVI. hat den deutschen Bischöfen bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen Rückendeckung gegeben. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sagte nach einem Treffen mit dem Papst am Freitag in Rom, Benedikt XVI. habe seine Zustimmung für die von der Bischofskonferenz eingeleiteten Maßnahmen erklärt.

Dazu gehöre auch die Ernennung des Trierer Bischofs Stephan Ackermann zum Sonderbeauftragten für Fälle sexuellen Missbrauchs. Auf seinen Bericht zu den Missbrauchsfällen in Deutschland habe der Papst "sehr bewegt" reagiert, sagte Zollitsch.

Der Papst ist "bewegt und mit wachem Interesse"

"Ich habe den Papst über die Maßnahmen informiert, die wir zur Aufklärung der Missbrauchsfälle ergriffen haben", sagte Zollitsch. Der Papst habe "bewegt und mit wachem Interesse" zugehört. Zollitsch entschuldigte sich erneut bei den Missbrauchsopfern. Bereits bei der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe Ende Februar in Freiburg hatte Zollitsch sexuellen Missbrauch an Minderjährigen als "abscheuliches Verbrechen" bezeichnet und die Opfer von katholischen Geistlichen um Entschuldigung gebeten.

  • Chronik zum Missbrauch an Jesuitenschulen

Das Treffen mit Papst Benedikt war eigentlich ein Routinebesuch, bei dem Zollitsch über die Bischofsversammlung Bericht erstatten sollte. Durch den aktuellen Missbrauchsskandal erhielt das Gespräch allerdings eine neue Tragweite. Der Vatikan hatte der deutschen katholischen Kirche zuletzt bescheinigt, "schnell und entschlossen" auf die Missbrauchsvorwürfe reagiert zu haben.

Seit Ende Januar sind weit mehr als hundert Fälle in den meisten der 27 deutschen Bistümer ans Licht gekommen. Den Ausgang nahm der Skandal vom Canisius-Kolleg, einem Berliner Jesuitengymnasium, das sexuelle Übergriffe zweier Patres in den 70er und 80er Jahren öffentlich gemacht hatte.

(AFP/nbe)