Wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion?: Papst Franziskus räumt mit Unklarheiten auf

Wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion?: Papst Franziskus räumt mit Unklarheiten auf

Franziskus gibt nach eigenem Bekunden nicht gerne Interviews. Doch nur neun Monate nach seiner Wahl veröffentlichte nun die Tageszeitung "La Stampa" als drittes italienisches Blatt ein Gespräch mit dem Papst. Darin rückte der Heilige Vater einige Missverständnisse zurecht. Bei anderen Fragen blieb er indes vage.

Im Vergleich zum ersten Interview vor drei Monaten, das Franziskus der italienischen Jesuiten-Zeitschrift "Civilta Cattolica" gab, sowie zu dem umstrittenen Gespräch mit "La Repubblica"-Gründer Eugenio Scalfari war das Echo dieses Mal deutlich geringer. Dennoch enthält das Interview einige Klarstellungen des Papstes.

Viele Beobachter stellten sich zuletzt die Frage: Auf wessen Seite steht der Papst in der Debatte über die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion? Der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, hatte jüngst bekräftigt, dass es keine Ausnahmen geben dürfe und auch der Papst die kirchliche Lehre in diesem Punkt nicht ändern könne. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hingegen hatte mitgeteilt, dass Müller die Debatte nicht einfach beenden könne. Der Kardinalsrat, dem Marx selbst angehört, werde das Thema erörtern und der Ausgang der Beratungen sei offen.

Franziskus lässt vieles in der Schwebe

Franziskus lässt die Dinge in dem Interview letztlich weiter in der Schwebe. Er verwahrt sich allerdings gegen seine voreilige Vereinnahmung durch Befürworter einer Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten. Zugleich vermeidet er eine endgültige Festlegung. Der Ausschluss wiederverheirateter Geschiedener von der Kommunion dürfe nicht als Strafe verstanden werden, so Franziskus.

Viele hätten einige Passagen seines Lehrschreibens "Evangelii gaudium" in eine bestimmte Richtung interpretiert, heißt es in dem Interview. Tatsächlich habe er das Problem an den betreffenden Stellen gar nicht aufgegriffen.

Auf welche Passagen er sich hierbei bezieht, blieb offen. Vor allem ein Zitat des heiligen Ambrosius war jedoch vielfach als Plädoyer für eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen gedeutet worden: Das Abendmahl sei nicht eine Belohnung für Vollkommene, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen. Offenbar will der Papst der Kardinalsversammlung im Februar und den beiden Bischofssynoden 2014 und 2015, die sich mit dem Thema befassen werden, nicht vorweggreifen.

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"Viele menschlich gute Marxisten"

Franziskus' Aussage, dass der Marxismus falsch sei, er aber "viele menschlich gute Marxisten" getroffen habe, klingt eigentlich selbstverständlich für einen Papst. Unter Johannes Paul II., ein Totengräber des Kommunismus, oder Benedikt XVI., dem erklärten Gegner einer von der politischen Linken inspirierten Befreiungstheologie, wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, dem Papst vorzuwerfen, er vertrete in seiner Wirtschaftsethik marxistische Theorien.

Nach der Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens "Evangelii gaudium" Ende November hatten konservative Christen in den USA Franziskus jedoch als Marxisten gebrandmarkt. Auch innerhalb der katholischen Kirche betrachteten manche seine harsche Kritik an der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung zumindest als überzogen und vermissten einen Verweis auf die katholische Soziallehre. Franziskus hob demgegenüber hervor, dass sein Schreiben mit der Soziallehre übereinstimme.

Keine Frauen als Kardinäle

Ebenso ungewöhnlich war, dass der Papst nun im Interview mit "La Stampa" klarstellte, dass Frauen nicht Kardinäle werden können. Zu solchen Spekulationen war es nach Franziskus' erster Pressekonferenz im Juli gekommen, als er größere Mitspracherechte für Frauen forderte, zugleich aber deren Nichtzulassung zum Priesteramt bekräftigte. Findige Geister spekulierten daraufhin, Franziskus könnte eine Frau in den Kardinalsrang erheben, weil dafür die Priesterweihe nicht zwingend erforderlich wäre.

Der Vatikan hatte solche Mutmaßungen zwar schon zuvor als "Blödsinn" bezeichnet. Selbst im "Osservatore Romano" war allerdings in einem Gastkommentar die Aufnahme von Frauen in ein nicht näher bezeichnetes päpstliches Beratungsgremium gefordert worden.

(KNA)
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