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"Ich bringe Euch um": Overath: Mutmaßlicher Dreifachmörder bedroht Haftrichter

"Ich bringe Euch um" : Overath: Mutmaßlicher Dreifachmörder bedroht Haftrichter

Köln/Overath (rpo). Der mutmaßliche Dreifachmörder von Overath läuft weiter Amok - zumindest verbal. Der verhaftete 45-jährige Ex-Söldner bedrohte nun den Haftrichter und den Staatsanwalt: "Ich bringe Euch um", habe der Mann bei einer Vernehmung gesagt, teilte die Kölner Staatsanwaltschaft mit.

Nach einem Bericht der "Kölnischen Rundschau" war der Mann schon 1993 in Mietstreitigkeiten verwickelt. Mietrückstände sollen auch das Motiv für den Mord an der Overather Anwaltsfamilie gewesen sein.

Der 45 Jahre alte arbeitslose Ex-Söldner verweigerte am Donnerstag die Aussage, deshalb habe es zunächst keine Verhöre gegeben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die 21 Beamten der Mordkommission werteten weiterhin Spuren aus. Die Aussagen der 19 Jahre alten Freundin des mutmaßlichen Todesschützen, die ein Geständnis abgelegt hatte, wurden mit den am Tatort vorgefundenen Fakten verglichen. Gegen beide wird wegen gemeinschaftlichen dreifachen Mordes ermittelt.

Rache für Mietprozess

Der Ex-Söldner soll einen Anwalt (61), dessen Frau (53) und die älteste Tochter (26) aus Rache für einen Mietprozess mit einer Pumpgun, einem nachladbaren Schrotgewehr, erschossen haben. Seine Freundin war nach deren eigener Aussage dabei. Die Opfer waren durch die Schüsse so entstellt worden, dass die Identifizierung Tage dauerte.

Der Beschuldigte habe keine bedeutenden Vorstrafen, teilten die Ermittler mit. Er sei früher lediglich durch Haschischbesitz und eine Anzeige wegen Körperverletzung aus dem Bekanntenkreis aufgefallen. Der 45-Jährige hatte vor neun Jahren bei einer Kommunalwahl in Köln für die rechtsextreme "Deutsche Liga für Volk und Heimat" kandidiert, die nach Erkenntnissen des Landesverfassungsschutzes inzwischen als bedeutungslos gilt und in der Bewegung "Pro Köln" aufging, die mit der Neonazi-Szene zusammenarbeite.

Die rechtsextreme politische Vergangenheit des Ex-Söldners hat nach Aussage der Ermittler aber nichts mit dem Blutbad von Overath zu tun. Die 10 000 Euro Mietschulden, die der Grund für den Mord gewesen sein sollen, waren Ende der 90er Jahre aufgelaufen, als der Ex- Söldner in Overath wohnte.

Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz hatte den Mann 1996 wegen seiner Kontakte zu Rechtsextremisten "umfassend überprüft". Dabei sei festgestellt worden, dass er "auf Grund seiner Vergangenheit, seines Charakters und seines Verhaltens nicht als Gesprächspartner taugt", hieß es ein einer Erklärung des Innenministeriums in Düsseldorf.

Nach Ansicht des Kriminologen Christian Pfeiffer hat der Dreifachmord große Ähnlichkeit mit einem Amoklauf. "Ein solcher Täter versucht seine Ohnmacht und seine Frustration zu kompensieren in einer Situation, in der er Herr über Leben und Tod wird", sagte Pfeiffer, der das kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen leitet, in einem dpa-Gespräch. Der Unterschied sei in diesem Fall, dass sich die Gewalt gegen eine relativ kleine und ausgewählte Gruppe von Menschen gerichtet habe.

Die wichtigsten Merkmale eines Amokläufers träfen aber auf den mutmaßlichen Todesschützen zu: "98 Prozent der Amokläufer sind Männer, die in ihrem Selbstwertgefühl massiv gekränkt sind und sich durch eine Waffe stark und sicher fühlen", sagte Pfeiffer. Die Arbeitslosigkeit, das Gefühl, nicht gebraucht zu werden, trügen zur Frustration bei. Seine Vergangenheit als Söldner könne das Tötungstabu gebrochen haben.