Ostern 2018: Kirchen in Deutschland rufen zu stärkerem Miteinander auf

Ostern 2018: Kirchen in Deutschland rufen zu stärkerem Miteinander auf

Während der Papst in seiner Ostermesse zu einem Ende des Blutbades in Syrien aufgerufen hat, haben die christlichen Kirchen in Deutschland zum diesjährigen Osterfest zu einem stärkeren friedlichen Miteinander in der Gesellschaft aufgerufen.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx forderte ein stetes Engagement für eine freie Gesellschaft. "Dazu braucht es viele Menschen, die ihre Freiheit verantwortlich und überzeugend leben", sagt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Ostersonntag im Münchner Liebfrauendom. Ein solches Miteinander sei kein Selbstläufer, sondern brauche täglichen Einsatz.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, warnte im Berliner Dom davor, Arme und Schwache aus der Gesellschaft auszugrenzen. Bei Armut gehe es nicht nur um Geld: Die Liebe Jesu Christi sei das radikalste Gegenprogramm zur Ausgrenzung. Jeder Mensch müsse erfahren, dass er Teil dieser Gesellschaft sei, "dass er gewollt ist, dass er gebraucht wird, dass er einfach sein darf, dass er eine Würde hat".

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki forderte eine humanere Gesellschaft. Er mahnte eine gerechtere Vermögensverteilung an. Insbesondere schwächere Menschen müssten Anteil an Bildung, Ausbildung, Wohnraum und Wohlstand haben. Weiter trat der Erzbischof für das Lebensrecht von ungeborenen, alten und kranken Menschen ein. Zudem warnte er vor einer Aushöhlung des Asylrechts. Flüchtlinge müssten in Deutschland weiterhin willkommen sein und "eine Lebens- und vor allem Überlebenschance" haben, die ihnen durch terroristische Systeme oft abgesprochen werde.

In Bamberg rief Erzbischof Ludwig Schick zu einem besseren Schutz des Sonntags auf. Er wandte sich gegen Forderungen aus Politik und Wirtschaft, die grundgesetzlich garantierte Sonntagsruhe abzuschaffen und die Ladenöffnungszeiten völlig freizugeben. Eine humane Gesellschaft lebe nicht allein vom Shopping. Die Sonn- und Feiertage müssten für die "seelische Erhebung und die Arbeitsruhe" bleiben.

In Regensburg würdigte Bischof Rudolf Voderholzer den französischen Polizisten Arnaud Beltrame. Er hatte sich in einem Supermarkt in Trebes als Ersatz für eine als Geisel genommene Frau angeboten, wurde schwer verletzt und starb. Inmitten der Hölle dieses Terrors blitze ein Licht auf, das in seiner Größe und Menschlichkeit sprachlos mache, sagte Voderholzer.

  • Osternachtfeier im Vatikan : Papst Franziskus ruft zu Zivilcourage auf

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch forderte dazu auf, sich aus dem Osterglauben vom Sieg der Liebe über den Tod in Politik und Gesellschaft einzubringen, "für das Leben der Ungeborenen und der Sterbenden, für das Leben der Entrechteten, der Flüchtenden und der Hungernden". Es reiche nicht, nur "besserwisserisch und belehrend auf die Politiker zu zeigen".

Gegen Ausgrenzung und Nationalismus wandte sich der Speyrer Bischof Karl-Heinz Wiesemann. "Ein Riss geht durch unsere Gesellschaft. Ich bin erschrocken, wie tief das Misstrauen sitzt, wie schnell bei manchen die Bereitschaft gegeben ist, sich radikalisieren zu lassen", sagte er im Speyrer Dom.

Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen sprach sich für eine intensivere Sterbebegleitung todkranker Menschen aus. Der Bischof kritisierte, dass in Deutschland und anderen europäischen Ländern Gruppen und Interessenverbände versuchten, eine "aktive Sterbehilfe" zu ermöglichen. Für österliche Christen aber sei die "aktive Sterbehilfe" keine Möglichkeit.

Der Limburger Bischof Georg Bätzing rief die Christen auf, ihren Glauben freudig und offen zu leben. Es stehe derzeit auf "Messers Schneide", ob der christliche Glaube eine Zukunft habe. Die Bischöfe in Baden-Württemberg riefen zu Hilfen für die Opfer von Krieg und Gewalt auf. Christen müssten den Leidenden Hoffnung geben, durch Gebet, materielle Hilfe und durch Solidarität, sagte der Freiburger Erzbischof Stephan Burger. Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst sagte, der Osterglaube ermutige zu Gewaltlosigkeit und Frieden.

(felt)